Freitag, 24. Dezember 2010

Ein Schiss zu Weihnachten

Wunderschöner Titel nicht wahr.
Da wird einem so richtig warm ums Herz und man kommt in feierliche Stimmung.

Man könnte eigentlich meinen, da Weihnachten in China nicht gross gefeiert wird, somit auch kein Geschenkestress herrschen würde. Das gilt leider nicht für die Hotels. Diese haben es sich zum Sport gemacht, ihre Kunden mit Geschenken zu überhäufen. So wird auch die Botschaft mit Geschenken von Hotels wie dem Westin, Kunlun, Landmark und Kempinski zugedeckt.
Diese fallen meist ganz traditionell aus. Dabei sind Kalender, Agenden und vorallem Süssigkeiten. Eher unpassend war mein privates Geschenk, welches ich vom Kempinski überreicht bekommen habe. Ein Gartenzwerg verkleidet als Nikolaus, gloubsch?
Da ich weder Garten, noch Balkon habe, wird das Teil dann wahrscheinlich zum chinesischen Neujahr einem Knallkörper zum Opfer fallen.
Den Vogel abgeschossen hat jedoch dieses Jahr unser Landsbruder das Swissôtel.
Diese haben uns einen Schiss geschenkt:


Dieses Häufchen sieht nicht nur so aus wie verdaut und abgeführtes, sondern riecht auch noch so. Die Idee, dass nun jeder Mitarbeiter des Swissôtels zum Spass sein Geschäft in so ein Plastikbecher hat machen müssen, um ihren Kunden eine kleine Aufmerksamkeit unters Bäumchen zu setzen, war dann doch etwas gar abartig. Also gingen wir der Sache nach. Und zwar an direkt an der Quelle.
Wir wurden vom Swissôtel informiert, dass es sich bei dem Schiss um eine englische Spezialität handelt. Ein Pudding, der mit Vanillesauce übergossen, als ein Fest für den Gaumen bekannt sei. Paradoxerweise sei diese Spezialität am besten, wenn der scheiss Pudding warm sei.
Keine Ahnung ob das stimmt. Vielleicht kann uns dies ja unser Korrespondent in London bestätigen.
Jedenfalls anschaulich ist das Häufchen nicht.

Alles andere als abführend war der diesjährige Auftritt des Samichlaus.
Der hat übers Jahr hinweg einen neuen Schmutzli gecastet, welcher für Angst und Schrecken bei den Kindern und nicht wenigen Erwachsenen sorgte.
Gar der Botschafter fand "il est sensationel ce Schmutzli!"
Der "punishing companion", wie die akurate englishe Übersetzung des Schmutzli lautet, unterliess es jedoch ein Kind zur Strafe einzupacken und bestrafte sie nur mit seinem bösen Blick.
In dem Sinne wünschen euch nun Samichlaus und Schmutzli eine gloriose Weihnachten.
Möge der Pudding dünn ausfallen und die Festmähler umso dicker!

Montag, 20. Dezember 2010

Heisser Topf und chinesisches Fondue

Dieser Blog schreibe ich aus zwei Gründen.
Erstens, ich möchte eine Aussage aus dem letzten Blog revidieren.

Zweitens, geht es um den heissen Topf.
Um den "huoguo".
Den Hot Pot!


Wer ihn nicht kennt, der wird sich denken, wahrscheinlich wieder so ein abartig, chinesisches Ding, mit lauter Schlangen, Hunden und herumkullernden Augen drin.
Um ganz ehrlich zu sein, kann ich die genannten Zutaten nicht einmal ganz in jeder Ecke Chinas ausschliessen. Aber mit ziemlicher Sicherheit behaupte ich nun, dass jeder schon mal so ein Gericht probiert hat.

Gerade jetzt zur Weihnachtszeit nämlich äusserst populär: das "Fondue chinoise".
Der Hot Pot an und für sich nichts anderes. Nur vielleicht dass das "hot" in seinem Namen nicht unbedingt nur für seine Temperatur stehen muss.
So probiert letztes Wochenende. Wir besuchten die bekannteste Bude die Hot Pot serviert, und es klingt ausgesprochen fast ein wenig schweizerisch. Wir besuchten das "Haidilau".
Reservationen werden nur bis 6 Uhr angenommen, danach ist das Restaurant auf 3 Stockwerken hoffnungslos ausgebucht.
Gäste warten bis zu einer Stunde, oder wenn sie Pech haben noch um einiges länger. Dies nehmen sie aber nicht nur wegen dem tollen Essen einfach so hin, sondern weil ihre Wartezeit auch schön überbrückt wird. Denn ihnen werden diverse soziale Spiele mit einem kleinen Apéro vorgesetzt.

Am pinkig, flauschigen Geländer entlang wurden wir also zu unserem Tisch im dritten Stock geleitet. In das Loch in der Mitte des Tisches wird ein in zwei Partien geteilten Topf gestellt. Eine hälfte Hot, dass gar ein Drache eine Gurke neben dem Teller bereit legt und die andere Hälfte sanft um die Engel singen zu lassen.
Es folgen unzählige Zutaten. Gemüse, Nudeln, FleischFleischFleisch, Tofuhaut (erstaunlich lecker), Pilze und unbekanntes Zeugs.
Die Nudeln werden übrigens von einem Nudel-Meister direkt vor dem Tisch vorgefertigt. Wie ein Pizzaiolo schwingt er den Teig durch die Lüfte, tanzt mit der Nudel bis sie am Schluss so lang ist, dass er damit Seilspringen könnte. Was er auch fast macht und wenn er dürfte machen würde. Mit all den aufgelesenen Zutaten vom Boden allerdings, wäre die Nudel dann wohl gar für den Chinesen zu würzig.

Doch das Highlight in diesem Heidi-Land (aha!), ein Buffet, wo man sich seine eigene Sauce zusammenstellen kann.


Das lässt noch dem grössten Fondue-Chinoise Fanatiker ein Sabertröpfchen den Kinn hinunter kullern.
Wer also gedacht hat, wenn man im Coop eine fertig Packung Fleisch kauft, zu Hause ein bisschen Wasser warm macht und dort dann das soeben aus dem Plastik gehüllte Fleisch drin badet, das sei nun sehr chinesisch gewesen, der... nein, das klingt sehr klugscheisserisch. Fondue-chinoise ist toll.
Aber trotzdem, Hot Pot ist was ganz anderes. Und im Haidiland eh Heidilau (so, jetzt hat es auch der letzte begriffen), nochmals ganz anders als es schon anders ist.

Und auch sehr zu hervorheben im Haidilau: die Bedienung.
Nirgends in Peking wird man freundlicher und zuvorkommender serviert als in diesem Restaurant. Die nächste Stufe wäre, dass sie einem an der Hand durchs Restaurant führen und noch jemand speziell da ist, um mit einer Serviette die scharfe Sauce aus dem Bart zu tupfen. Aber nid spinne! Bereits so ists grandios.
Deshalb, Monty Python war wahrscheinlich einfach im Haidilau und besingt somit die nette Bedienung von dort.
Frohes Hot Pot!

Sonntag, 12. Dezember 2010

I like chinese

Achtung! Nostalgie!

Das Leben spielt ja manchmal in ganz lustigen Tönen.
Ich komme mal wieder beim Thema an: "wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich in so und so viel Jahren, dies und jenes machen würde, hätte ich den Spinner als Spinner deklariert".

Ich bin nämlich hier in Beijing über Rhytmen gestolpert, die ich schon Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, nicht mehr gehört habe.
Und, wie ihr euch ja denken könnt, war dies nicht irgendwelche Musik. Sondern damals, wo ich sie zum ersten Mal gehört habe schon ganz lustig, jetzt aber noch viel mehr zum kaputt lachen.

Monty Python ist ja wohl jedem ein Begriff. Und wem nicht, dem wird hier und jetzt der alt britische Humor gleich schmackhaft gemacht.
Diese Truppe, die einen unnachahmlichen Art und Weise der Komik auf die Bühne gebracht hat, schrieb nämlich ein Lied über die Chinesen.
Ich mag mich gut erinnern, damals in den zarten unverdorbenen Kinderjahren, kaum auf der Höhe auch nur ein Prozent des gesungenen zu verstehen. Und doch, hat dieses Lied schon immer eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt.
Es war immer eine Freude im Renault Espace durch die kurvigen Strassen der Schweiz zu düsen und das phenomenale Album "Monty Pythons flying circus" zu hören. Und eben dieses Lied, obwohl damals nur die Musik gezählt hat und der Text unverstanden blieb, unvergesslich.



Von der ganzen Familie die jeweils im Auto versammelt war, wird sich zu diesem Zeitpunkt wohl keiner überlegt haben, dass dieses Lied plötzlich noch viel mehr Bedeutung kriegt. Ja keiner wird auch nur im leisesten daran gedacht haben, dass ein Familienmitglied plötzlich in die besungene Kultur katapultiert würde.
Und was am allerwenigsten erwartet hätte werden können ist, dass plötzlich einer der Familie die chinesischen Textzeilen im Lied verstehen würde!

Dieser Teil des Liedes der bei 2:16 startet, sorgte bei unseren Chinesen auf der Botschaft für einiges an Kopfzerbrechen. Niemand wollte recht verstehen, was diese dialektreichen Zeilen in unverständlicher Sprache zu bedeuten hatten.
Nur einer mit unvoreingenommener chinesischer Spracherfahrung, konnte das gesprochenen entziffern. In diesem Falle meine Wenigkeit.

"Wo ai zhong guo ren, wo ai zhong guo ren, wo ai zhong guo ren
Ni hao ma, ni hao ma, ni hao ma, zai jian!"

Was soviel heisst wie:
"Ich liebe Chinesen, ich liebe Chinesen, ich liebe Chinesen
Wie geht es dir, wie geht es dir, wie geht es dir, auf Wiedersehen!"

Ich will ja nicht blöffen, aber ich könnte das ganze natürlich auch in chinesischer Schrift niederschreiben.

Okey... überredet:
"我爱中国人,我爱中国人,我爱中国人
你好吗, 你好吗, 你好吗, 再见!

Übrigens das Lied authentischer, als es der zynische Humor der Briten sich denken lässt.
Ausser der Teil mit der Bedienung in den Restaurants, das war einmal.
Und dass nebst dem, dass die Chinesen nur bis zu unseren Knien reichen, ebenfalls der grösste Mensch aus China stammt, ist ein Detail und rüttelt nichts daran, dass dieses Lied ein unvergesslicher Klassiker ist.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Das Bersten der Flaschen

Liebe Freunde,

Dies wird der erste Blogeintrag sein, der lediglich informativer Natur ist.
Also bitte aufmerksam lesen!

Weihnachten naht. Ja was sag ich da, Weihnachten steht vor der Tür! Mit der Hand bereits an der Klingel!
Da es dieses Jahr nicht hat sein sollen, dass ich über die Feierlichkeiten in die Schweiz fliegen darf, hat es, oder wird es, einige von euch dazu bewegen, was eigentlich unter dem Bäumchen hätte sein sollen, mir dies auf die Post zu tun.
Das ehrt mich ausserordentlich. Dieses Zeichen davon, doch noch nicht ganz vom Schlund der Vergessenheit aufgesogen worden zu sein, freut mein Herz und beflügelt es zu Freudentänzen.

Aber möchte ich euch ein Bespiel geben, dass trotz Diplomatenkurier längst nicht alles in den fernen Osten gelangen kann.
Diese Erfahrung musste mein langjähriger Freund Sandro Leoni letzte Woche machen. Seine grandiose Idee war es, mir ein ganzes Fondue-Set nach China zu schicken. Das Paket ausgestattet mit Gaquelot, Weisswein und Kirsch, komplett bereit um den chinesen den schweizer Winter schmackhaft zu machen.
Doch der Bund mit seinem Kurier schert sich wenig um sensationelle Ideen.
Die Folge war eine Mail, von einem Mann mit Namen 'Grand Remy'. Obwohl ich im ersten Moment dachte, jetzt hat mir ein Cognac eine Mail geschrieben, wurde ich schnell von dieser Überraschung herunter geholt. Dieser Mann mit dem Namen, als wäre er in einem Holzfass im Keller zur Welt gekommen, schrieb mir, dass die Sendung von Herr Leoni nicht zugestellt werden könne.
Der Grund war, ich zitiere:

"Beim Röntgen wurde festgestellt, dass sich eine Flasche mit Flüssigkeiten im Paket befindet. Gemäss Weisung 400-0 dürfen mit unseren Sendungen keine Flüssigkeiten transportiert werden. Die Flasche könnte während dem Transport bersten und sämtlicher Inhalt würde durch das Auslaufen beschädigt."

Das ist verdammt ärgerlich!
Dies kein Einzelfall. Bereits ein Paket meiner Mutter, bestückt mit der weltbesten selbstgebrauten Gonfiture, aus dem Hügelkaff Lugnorre, wurde aus dem Verkehr genommen und erreichte das zu bestreichende "Schnitteli" nicht.

Deshalb, solltet ihr vorhaben das Vorhaben mir ein Paket zu schicken, mit Flüssigkeiten zu bestücken, achtet darauf, dass es nicht grosse Flaschen sind.
Kleine Flaschen, so erhalten von Bruder Olivi und seiner holden Danjo, in diesem Fall voller Port, scheinen zugestellt werden zu können.

Und ja, ich weiss, ihr habt das Gefühl beim Bund wird einem alles dem A... A heraufgeschoben. Dies ist leider nicht so. So bezahle ich für jedes Paket über 2 Kilo einen pro Kilo Übergewicht exponentiell ansteigenden Zuschlag.
Obwohl, diesen Punkt könnt ihr eigentlich streichen, den für die Scheste eines solchen Pakets bezahle ich dies noch mit Handkuss, denn die Freude daran ist preislos!

Zusammegefasst also: kein Glühwein zu Weihnachten, kein Dom Perignon zu Sylvester. Sprich, keine grossen Mengen an Flüssigkeiten nach China schicken.

Cheers!

Remi Mart.. eh, Marco