Freitag, 24. Dezember 2010

Ein Schiss zu Weihnachten

Wunderschöner Titel nicht wahr.
Da wird einem so richtig warm ums Herz und man kommt in feierliche Stimmung.

Man könnte eigentlich meinen, da Weihnachten in China nicht gross gefeiert wird, somit auch kein Geschenkestress herrschen würde. Das gilt leider nicht für die Hotels. Diese haben es sich zum Sport gemacht, ihre Kunden mit Geschenken zu überhäufen. So wird auch die Botschaft mit Geschenken von Hotels wie dem Westin, Kunlun, Landmark und Kempinski zugedeckt.
Diese fallen meist ganz traditionell aus. Dabei sind Kalender, Agenden und vorallem Süssigkeiten. Eher unpassend war mein privates Geschenk, welches ich vom Kempinski überreicht bekommen habe. Ein Gartenzwerg verkleidet als Nikolaus, gloubsch?
Da ich weder Garten, noch Balkon habe, wird das Teil dann wahrscheinlich zum chinesischen Neujahr einem Knallkörper zum Opfer fallen.
Den Vogel abgeschossen hat jedoch dieses Jahr unser Landsbruder das Swissôtel.
Diese haben uns einen Schiss geschenkt:


Dieses Häufchen sieht nicht nur so aus wie verdaut und abgeführtes, sondern riecht auch noch so. Die Idee, dass nun jeder Mitarbeiter des Swissôtels zum Spass sein Geschäft in so ein Plastikbecher hat machen müssen, um ihren Kunden eine kleine Aufmerksamkeit unters Bäumchen zu setzen, war dann doch etwas gar abartig. Also gingen wir der Sache nach. Und zwar an direkt an der Quelle.
Wir wurden vom Swissôtel informiert, dass es sich bei dem Schiss um eine englische Spezialität handelt. Ein Pudding, der mit Vanillesauce übergossen, als ein Fest für den Gaumen bekannt sei. Paradoxerweise sei diese Spezialität am besten, wenn der scheiss Pudding warm sei.
Keine Ahnung ob das stimmt. Vielleicht kann uns dies ja unser Korrespondent in London bestätigen.
Jedenfalls anschaulich ist das Häufchen nicht.

Alles andere als abführend war der diesjährige Auftritt des Samichlaus.
Der hat übers Jahr hinweg einen neuen Schmutzli gecastet, welcher für Angst und Schrecken bei den Kindern und nicht wenigen Erwachsenen sorgte.
Gar der Botschafter fand "il est sensationel ce Schmutzli!"
Der "punishing companion", wie die akurate englishe Übersetzung des Schmutzli lautet, unterliess es jedoch ein Kind zur Strafe einzupacken und bestrafte sie nur mit seinem bösen Blick.
In dem Sinne wünschen euch nun Samichlaus und Schmutzli eine gloriose Weihnachten.
Möge der Pudding dünn ausfallen und die Festmähler umso dicker!

Montag, 20. Dezember 2010

Heisser Topf und chinesisches Fondue

Dieser Blog schreibe ich aus zwei Gründen.
Erstens, ich möchte eine Aussage aus dem letzten Blog revidieren.

Zweitens, geht es um den heissen Topf.
Um den "huoguo".
Den Hot Pot!


Wer ihn nicht kennt, der wird sich denken, wahrscheinlich wieder so ein abartig, chinesisches Ding, mit lauter Schlangen, Hunden und herumkullernden Augen drin.
Um ganz ehrlich zu sein, kann ich die genannten Zutaten nicht einmal ganz in jeder Ecke Chinas ausschliessen. Aber mit ziemlicher Sicherheit behaupte ich nun, dass jeder schon mal so ein Gericht probiert hat.

Gerade jetzt zur Weihnachtszeit nämlich äusserst populär: das "Fondue chinoise".
Der Hot Pot an und für sich nichts anderes. Nur vielleicht dass das "hot" in seinem Namen nicht unbedingt nur für seine Temperatur stehen muss.
So probiert letztes Wochenende. Wir besuchten die bekannteste Bude die Hot Pot serviert, und es klingt ausgesprochen fast ein wenig schweizerisch. Wir besuchten das "Haidilau".
Reservationen werden nur bis 6 Uhr angenommen, danach ist das Restaurant auf 3 Stockwerken hoffnungslos ausgebucht.
Gäste warten bis zu einer Stunde, oder wenn sie Pech haben noch um einiges länger. Dies nehmen sie aber nicht nur wegen dem tollen Essen einfach so hin, sondern weil ihre Wartezeit auch schön überbrückt wird. Denn ihnen werden diverse soziale Spiele mit einem kleinen Apéro vorgesetzt.

Am pinkig, flauschigen Geländer entlang wurden wir also zu unserem Tisch im dritten Stock geleitet. In das Loch in der Mitte des Tisches wird ein in zwei Partien geteilten Topf gestellt. Eine hälfte Hot, dass gar ein Drache eine Gurke neben dem Teller bereit legt und die andere Hälfte sanft um die Engel singen zu lassen.
Es folgen unzählige Zutaten. Gemüse, Nudeln, FleischFleischFleisch, Tofuhaut (erstaunlich lecker), Pilze und unbekanntes Zeugs.
Die Nudeln werden übrigens von einem Nudel-Meister direkt vor dem Tisch vorgefertigt. Wie ein Pizzaiolo schwingt er den Teig durch die Lüfte, tanzt mit der Nudel bis sie am Schluss so lang ist, dass er damit Seilspringen könnte. Was er auch fast macht und wenn er dürfte machen würde. Mit all den aufgelesenen Zutaten vom Boden allerdings, wäre die Nudel dann wohl gar für den Chinesen zu würzig.

Doch das Highlight in diesem Heidi-Land (aha!), ein Buffet, wo man sich seine eigene Sauce zusammenstellen kann.


Das lässt noch dem grössten Fondue-Chinoise Fanatiker ein Sabertröpfchen den Kinn hinunter kullern.
Wer also gedacht hat, wenn man im Coop eine fertig Packung Fleisch kauft, zu Hause ein bisschen Wasser warm macht und dort dann das soeben aus dem Plastik gehüllte Fleisch drin badet, das sei nun sehr chinesisch gewesen, der... nein, das klingt sehr klugscheisserisch. Fondue-chinoise ist toll.
Aber trotzdem, Hot Pot ist was ganz anderes. Und im Haidiland eh Heidilau (so, jetzt hat es auch der letzte begriffen), nochmals ganz anders als es schon anders ist.

Und auch sehr zu hervorheben im Haidilau: die Bedienung.
Nirgends in Peking wird man freundlicher und zuvorkommender serviert als in diesem Restaurant. Die nächste Stufe wäre, dass sie einem an der Hand durchs Restaurant führen und noch jemand speziell da ist, um mit einer Serviette die scharfe Sauce aus dem Bart zu tupfen. Aber nid spinne! Bereits so ists grandios.
Deshalb, Monty Python war wahrscheinlich einfach im Haidilau und besingt somit die nette Bedienung von dort.
Frohes Hot Pot!

Sonntag, 12. Dezember 2010

I like chinese

Achtung! Nostalgie!

Das Leben spielt ja manchmal in ganz lustigen Tönen.
Ich komme mal wieder beim Thema an: "wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich in so und so viel Jahren, dies und jenes machen würde, hätte ich den Spinner als Spinner deklariert".

Ich bin nämlich hier in Beijing über Rhytmen gestolpert, die ich schon Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, nicht mehr gehört habe.
Und, wie ihr euch ja denken könnt, war dies nicht irgendwelche Musik. Sondern damals, wo ich sie zum ersten Mal gehört habe schon ganz lustig, jetzt aber noch viel mehr zum kaputt lachen.

Monty Python ist ja wohl jedem ein Begriff. Und wem nicht, dem wird hier und jetzt der alt britische Humor gleich schmackhaft gemacht.
Diese Truppe, die einen unnachahmlichen Art und Weise der Komik auf die Bühne gebracht hat, schrieb nämlich ein Lied über die Chinesen.
Ich mag mich gut erinnern, damals in den zarten unverdorbenen Kinderjahren, kaum auf der Höhe auch nur ein Prozent des gesungenen zu verstehen. Und doch, hat dieses Lied schon immer eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt.
Es war immer eine Freude im Renault Espace durch die kurvigen Strassen der Schweiz zu düsen und das phenomenale Album "Monty Pythons flying circus" zu hören. Und eben dieses Lied, obwohl damals nur die Musik gezählt hat und der Text unverstanden blieb, unvergesslich.



Von der ganzen Familie die jeweils im Auto versammelt war, wird sich zu diesem Zeitpunkt wohl keiner überlegt haben, dass dieses Lied plötzlich noch viel mehr Bedeutung kriegt. Ja keiner wird auch nur im leisesten daran gedacht haben, dass ein Familienmitglied plötzlich in die besungene Kultur katapultiert würde.
Und was am allerwenigsten erwartet hätte werden können ist, dass plötzlich einer der Familie die chinesischen Textzeilen im Lied verstehen würde!

Dieser Teil des Liedes der bei 2:16 startet, sorgte bei unseren Chinesen auf der Botschaft für einiges an Kopfzerbrechen. Niemand wollte recht verstehen, was diese dialektreichen Zeilen in unverständlicher Sprache zu bedeuten hatten.
Nur einer mit unvoreingenommener chinesischer Spracherfahrung, konnte das gesprochenen entziffern. In diesem Falle meine Wenigkeit.

"Wo ai zhong guo ren, wo ai zhong guo ren, wo ai zhong guo ren
Ni hao ma, ni hao ma, ni hao ma, zai jian!"

Was soviel heisst wie:
"Ich liebe Chinesen, ich liebe Chinesen, ich liebe Chinesen
Wie geht es dir, wie geht es dir, wie geht es dir, auf Wiedersehen!"

Ich will ja nicht blöffen, aber ich könnte das ganze natürlich auch in chinesischer Schrift niederschreiben.

Okey... überredet:
"我爱中国人,我爱中国人,我爱中国人
你好吗, 你好吗, 你好吗, 再见!

Übrigens das Lied authentischer, als es der zynische Humor der Briten sich denken lässt.
Ausser der Teil mit der Bedienung in den Restaurants, das war einmal.
Und dass nebst dem, dass die Chinesen nur bis zu unseren Knien reichen, ebenfalls der grösste Mensch aus China stammt, ist ein Detail und rüttelt nichts daran, dass dieses Lied ein unvergesslicher Klassiker ist.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Das Bersten der Flaschen

Liebe Freunde,

Dies wird der erste Blogeintrag sein, der lediglich informativer Natur ist.
Also bitte aufmerksam lesen!

Weihnachten naht. Ja was sag ich da, Weihnachten steht vor der Tür! Mit der Hand bereits an der Klingel!
Da es dieses Jahr nicht hat sein sollen, dass ich über die Feierlichkeiten in die Schweiz fliegen darf, hat es, oder wird es, einige von euch dazu bewegen, was eigentlich unter dem Bäumchen hätte sein sollen, mir dies auf die Post zu tun.
Das ehrt mich ausserordentlich. Dieses Zeichen davon, doch noch nicht ganz vom Schlund der Vergessenheit aufgesogen worden zu sein, freut mein Herz und beflügelt es zu Freudentänzen.

Aber möchte ich euch ein Bespiel geben, dass trotz Diplomatenkurier längst nicht alles in den fernen Osten gelangen kann.
Diese Erfahrung musste mein langjähriger Freund Sandro Leoni letzte Woche machen. Seine grandiose Idee war es, mir ein ganzes Fondue-Set nach China zu schicken. Das Paket ausgestattet mit Gaquelot, Weisswein und Kirsch, komplett bereit um den chinesen den schweizer Winter schmackhaft zu machen.
Doch der Bund mit seinem Kurier schert sich wenig um sensationelle Ideen.
Die Folge war eine Mail, von einem Mann mit Namen 'Grand Remy'. Obwohl ich im ersten Moment dachte, jetzt hat mir ein Cognac eine Mail geschrieben, wurde ich schnell von dieser Überraschung herunter geholt. Dieser Mann mit dem Namen, als wäre er in einem Holzfass im Keller zur Welt gekommen, schrieb mir, dass die Sendung von Herr Leoni nicht zugestellt werden könne.
Der Grund war, ich zitiere:

"Beim Röntgen wurde festgestellt, dass sich eine Flasche mit Flüssigkeiten im Paket befindet. Gemäss Weisung 400-0 dürfen mit unseren Sendungen keine Flüssigkeiten transportiert werden. Die Flasche könnte während dem Transport bersten und sämtlicher Inhalt würde durch das Auslaufen beschädigt."

Das ist verdammt ärgerlich!
Dies kein Einzelfall. Bereits ein Paket meiner Mutter, bestückt mit der weltbesten selbstgebrauten Gonfiture, aus dem Hügelkaff Lugnorre, wurde aus dem Verkehr genommen und erreichte das zu bestreichende "Schnitteli" nicht.

Deshalb, solltet ihr vorhaben das Vorhaben mir ein Paket zu schicken, mit Flüssigkeiten zu bestücken, achtet darauf, dass es nicht grosse Flaschen sind.
Kleine Flaschen, so erhalten von Bruder Olivi und seiner holden Danjo, in diesem Fall voller Port, scheinen zugestellt werden zu können.

Und ja, ich weiss, ihr habt das Gefühl beim Bund wird einem alles dem A... A heraufgeschoben. Dies ist leider nicht so. So bezahle ich für jedes Paket über 2 Kilo einen pro Kilo Übergewicht exponentiell ansteigenden Zuschlag.
Obwohl, diesen Punkt könnt ihr eigentlich streichen, den für die Scheste eines solchen Pakets bezahle ich dies noch mit Handkuss, denn die Freude daran ist preislos!

Zusammegefasst also: kein Glühwein zu Weihnachten, kein Dom Perignon zu Sylvester. Sprich, keine grossen Mengen an Flüssigkeiten nach China schicken.

Cheers!

Remi Mart.. eh, Marco

Montag, 29. November 2010

Pick Pocket à la Maroni

Es geht heiss zu und her in Peking.
Und der Titel ist eine wilde Mischung davon, aus zwei unmischbaren Themen.

Ich hab mich ja immer gross eingesetzt, dass Peking wirklich, aber wirklich wirklich, und sehr ziemlich sicher, eine sichere Stadt ist. Bei 16 Millionen Einwohnern (oder sind es jetzt schon deren 17) verdient das Respekt.
Heute dann. Mein lieber Bürokollege kommt mit einer Miene auf die Arbeit spaziert, als wäre über bestimmte Initiativen nicht wunschgemäss Abgestummen worden.
Dann hält er mir seine weissen Iphone Kopfhörer vors Gesicht. Diese bambeln ohne Energiequelle vor mir hin und her.
Sein brandneues Iphone sei gestohlen worden.
Das kann es ja geben. Aber das eigentlich spektakuläre daran ist, dass er mit dem Iphone am Musikhören war (!!!) und es ihm WÄHREND dem Musikhören gestohlen wurde! Gloubsch?
Das ganze geschah bei der U-Bahn Station. Er, des Montag morgens ganz verträumt am Musik hören, plötzlich hört die Musik auf, der Griff zur Manteltasche und Iphone nicht mehr da.
Den Täter auszumachen chancenlos. Keiner rannte davon, keiner blickte verdächtig, oder verlegen drein. Das Iphone mit einem der tausenden Chinesen verschwunden.
Dies kein Einzelfall. Bereits drei genau gleiche Storys, wurde im näheren Umfeld berichtet.
Halt eben doch Grossstadtleben.
Ajajajaj!

Alles andere als heiss scheint es in der Schweiz zu sein.
Die letzten paar Tage erhalte ich lauter Nachrichten aus der Heimat, das der Nikolaus sein Puderdöschen über der Schweiz verschüttet habe.
Das ist natürlich schön und ist euch zu gönnen.
Hier mittlerweile auch A... aha, sehr kalt. Die Teiche sind gefroren und die gelben Bäckchen der Chinesen gerötet.
Trotzdem komme ich nicht in winterliche Stimmung. Da fehlt was. Es zu definieren ist schwer. Irgendwie fehlts in der Luft. Es riecht einfach nicht nach Winter hier. Trotz Nasenhaar zusammen frierender Kälte, riesigen Tannenbäumen aus Plastik und dicken Samichlöisen in jeder Ecke, funktioniert es nicht.
Aber ich bin der Sache schon näher gekommen.

Bei unserem Trip in das staubige Äussere von Peking, wurden wir zum Schluss natürlich auch noch mit Geschenken überhäuft. Dabei war eine Kiste voller "lokaler Dateln", wie sie es so schön beschrieben haben.
Mit aus Erfahrung berechtigter Skepsis, liess ich diese Kiste vorläufig einfach mal liegen. Es braucht jeweils eine gewisse Zeit, bis Stimmung und Mut stimmen, um einen Biss in unbekannte chinesische Spezialitäten zu wagen.
Ich wurde jedoch vorzüglich belohnt. Denn ich zerbiss ein... Maroni.
Ja wirklich!
Genau so solche, wie sie am Zytglogge vom mürrischen Päpu mit Bart verkauft werden.
Göttlich!


Ich hab jetzt also zu Hause eine Kiste Maroni stehen, die unromantisch mit der Mikrowelle erhitzt, mir ein bisschen schweizer Winter in die gute Stube bringen.
Und wer weiss, vielleicht patzt ja mal wieder einer beim Wetterministerium hier in Beijing, und dann klappts ja vielleicht auch noch mit dem Schnee.

Sonntag, 21. November 2010

Rural China

Einmal VIP sein!
Dieser Wunsch haben vielen. Und mir ist es letzte Woche passiert.

Ich hatte die Ehre, einen unserer Diplomaten, plus ein Kollege aus der humanitären Hilfe, auf einer ihrer Geschäftsausflüge zu begleiten. Es war also mal wieder Zeit den Anzug aus dem Schrank zu nehmen und abzustauben.
Ja was macht denn ein System Administrator auf solch einem Businessauflug, fragt ihr euch.
Hab ich mich auch gefragt.
Aber zu viele Fragen wollte ich nicht stellen, da ich mir diese Chance nicht verspielen wollte, da mitzugehen.
Es ging darum einige Schulen zu besuchen, etwa 3 Fahrstunden von Beijing entfernt, welche angewiesen sind auf Unterstützung. Von uns käme dies in Form von alten Computern (AHA!!!).

Ich wusste nicht was mich erwartet. War ja noch nie auf Diplomanten- Geschäftsreise.
Und angefangen hats pompös.
Bei der Ausfahrt zur Kommune, wurden wir von zwei Vize-Majors und diversen Kollegen empfangen. Dabei hatten sie vier schwarzen VW Autos der Luxusklasse und ein Polizeiwagen, die uns erwarteten und eskortierten. Immer zuvorderst der Polizeiwagen, dann wir und hinter uns die Armada. Standblinker gesetzt und losgebraust.
An jeder einzelnen Kreuzung stand ein Polizist bereit, welcher für uns den Verkehr anhielt, damit wir problemlos passieren konnten.


Bei der ersten Schule angekommen, die Grundschule, ein riesen Auflauf von Menschen. Kaum waren wir aus dem Auto ausgestiegen, kamen Kameramänner und Fotografen auf uns zugerannt. Beim Schuleingang standen die Lehrer in einer Reihe aufgestellt Spalier, und begrüssten uns mit Beifall. An der Schule selbst hing ein Banner, wo auf chinesisch geschrieben stand, Willkommen Besucher der schweizer Botschaft.
Darauf folgte der erste formelle Teil. Ein grosser Tisch, bestückt mit Früchten und Blumen. Herum platziert etwa 10 Chinesen und am anderen Ende wir drei Schweizer. Ein Übersetzer stand uns zur Hand, welcher die ersten 15 Minuten nur mit den Übersetzungen der vielen Danksagungen beider Seiten beschäftigt war.
Die Schule, genau wie die Gegend, sehr heruntergekommen. Die Wände am bröckeln, viel Putz weg, einige Fenster die fehlen, Heizung keine und in einem Klassenzimmer, in der Grösse etwa eines durchschnittlichen Wohnzimmers, an die 30 Schüler.
Als wir eine Klasse besuchen durften, standen die Schüler auf und begrüssten uns ebenfalls mit Applaus, bevor sie alle aufs Mal, wie auf Kommando, sich wieder setzten. Die herrschende Disziplin unübersehbar.

Bevor wir zum Mittagstisch übergingen, besuchten wir noch eine gehobenere Schule in der Stadt Zunhua und wurden in einem Museum, das Zhu Enlai gewidmet wurde, über dessen ehrenvollen Besuche instruiert.
Vor Zhu Enlais goldener Statue, wurden dann auch die ersten Gruppenbilder geschossen. Der Gerechtigkeit wegen gegen die Sonne, damit wir auch alle Schlitzaugen machten.


Im Restaurant angekommen, folgte noch eine weitere traditionelle Zeremonie, typisch chinesisch.
Man betritt einen Raum, der nur am Rand entlang gestuhlt ist. Dort setzt man sich auf diese alten, klobigen Stühle dem Rang entlang hin und diskutiert auf sehr unpersönliche Weise, da nicht gegenüber einander, ein bisschen. Abgeschlossen wird dieses Spiel mit der Übergabe verschiedenster Presente beider Parteien und erneut mit einem Gruppenfoto.

Dann kam der Mittagstisch.
Drei Schweizer und 7 Chinesen.
Ich hebe dies deshalb so hervor, weil ich euch nun in die Tradition solcher Mittagstische instruieren werden.
Ich glaube "Bai Jiu" habe ich auf diesem Blog schon mal erwähnt. Das ist das Nationale Alkohol Gesöff. So ein bisschen der Vodka aus China. Dieser hat aber noch einen stärkeren Bruder, der sich "Mao Tai" nennt. Und genau mit diesem wird angestossen.
Und zwar gibt kein Chinese Ruhe, bevor er nicht mit jedem Gast einmal "Ganbei" also "hopp und ex" gemacht hat. In unserer Runde hat also jeder Chinese dreimal Ganbei gemacht, wovon wir... ich überlass euch das Rechnen, denn irgendeinmal habe ich den Faden verloren. Nebst dem musste man nämlich noch mit einem grösseren Glas, welches "nur" mit "Bai Jiu" gefüllt war, sonst noch anstossen.
Die Lampen waren voll und kurz vor dem auslöschen.

Am Nachmittag besuchten wir die letzte Schule, weit draussen auf dem Land. Sehr rustikal präsentierte sich das Gelände. Bilder aus den Nachrichten von afrikanischen Ländern wurden einem in Erinnerung gerufen.
Grosse Augen machten die Schüler, als wir in eine Englisch-Lektion hinein platzten.


Ausserordentlich erstaunlich bei allen Schulen war, wie bekannt die Schweiz ist!
Klar, die erste Klasse konnte sich wahrscheinlich noch vorbereiten auf unseren Besuch, aber eine Schule besuchten wir unplanmässig. Und auch die konnten uns sagen, wo die Schweiz liegt, welche Sprache wir sprechen und das wir bekannt sind für unsere Uhren.

Zum Schluss nahm uns die Armade noch mit, ihre Haupttouristenattraktion die östlichen "Qing Gräber" zu besuchen. Mit Gebilden ähnlich wie z.B. die verbotene Stadt, jedoch mit einem markanten Unterschied: keine Touristen.


Wo man sich in Beijing meist Schulter an Schulter durch die historischen Monumente drängt, war da draussen auf dem Land keine Menschenseele, was dem Ort das zehnfache an spiritueller Kraft verlieh. Ich schliesse nicht aus, dass der Mao Tai ebenfalls eine Rolle gespielt hat beim Beindruckungsgrad des ganzen, trotzdem werde ich zukünftige Besucher auffordern, dorthin einen Abstecher zu machen.

Es war ein ereignissreicher und äusserst eindrücklicher Tag. Allem voran deshalb, weil man nur ein paar Stunden von Peking entfernt, in einer ganz anderer Welt landet. Dort herrschen drittweltländer Verhältnisse. Dort wird Ware noch mit dem Esel von A nach B kutschiert. Dort ist es staubig und schmutzig. Den Leuten steht das Leben ins Gesicht geschrieben. Keine High-Heels und Gel Frisuren.
Mir wurde da bewusst, dass ich dieses Land noch null kenne. Wer in Peking und Shanghai war, war nicht in China. Der grösste Teil Chinas ist unterentwickelt und spielt sich im Hintergrund ab. In der von uns besuchten Kommune, ist das durchschnittliche Jahreseinkommen 5000 RMB (ca. 740 CHF) pro Jahr!!! Dies steht im krassen Kontrast, zu den 300'000 Millionären, die es alleine in Beijing gibt. US-Dollar Millionäre versteht sich.
Gleichwohl scheinen die Leute auf dem Land zufrieden zu sein und gaben sich sorglos und äusserst freundlich.

Trotzdem ein komisches Gefühl nach so einem intensiven Tag zurück in die Lichtermetropole und ins Kempinski zu kehren, wo man auf dem Fussabtreter noch den Staub einer ganz anderen Welt vor der Tür hinterlässt.

Freitag, 12. November 2010

Hochgestochene Effizienz

Formell.
Eine Wort, das ich vor meiner Bundeskarriere kaum beachtet habe. Und schon gar nicht über dessen Benutzung bewusst war.

Jetzt, heute und hier in meinem Alltag, wird mir diese Bezeichnung so oft vor Augen geführt, wie die Tatsache, dass bei Vitamin B nicht immer vom eigentlichen Vitamin die Rede ist.
Diese herrlichen, offziellen Briefe und Noten die bei uns zirkulieren. Sie präsentieren sich in einer Höfflichkeit, als könnte niemand auch nur einer Mücke, die bereits an einem gebrochenen Bein und Flügelschwund leidet, auch jemals nur das kleinste Leid zufügen.
Da frisst doch tatsächlich schon nur die Anrede der betroffenen Personen im Brief, mehr als drei viertel des ganzen Inhalts.

Hier ein Beispiel, wo Doris Leuthard und der neue Wirtschaftsminister betreffen:

The Embassy of Switzerland presents its compliments to the Ministry of Commerce of the People's Republic of China and has the honor to hand over a letter addressed to His Excellency Mr. Blabla, Minister of Commerce of the People's Republic of China, by Her Excellency Mrs. Doris Leuthard, President of the Swiss Confederation, Federal Councillor and Head of the Federal Department of Economic Affairs, (...)

Eine wahre Titelschlacht.
Und das ist nur die Einleitung. Danach folgt meist ein Einzeiler, um was es effektiv geht.

Aber ich lerne schnell und kupfere schon gut ab.
Hier als Exempel, die Einleitung meines letzten Briefes an meinen Vater in die Schweiz:

The Embassy of Switzerland and Mr. Marco Tschuy, System Administrator of the Swiss Embassy in the People's Republic of China, President of Helvetia Blogs Konfuzius, Councillor of Chocolate Administration and Head of the World renown Kempinski Apartment Number 4 2 2, wishes His Excellency Mr. Max Tschuy, President of "la haute cuisine" of the Swiss Federation, Minister of foreign Wine Affairs, Head of the giving Goodies to Belgium Shepherd Dogs Department and Father of two sons and one redhead, a very nice day!

Und da soll noch einer kommen und sagen, der Bund sei nicht effizient.

Samstag, 6. November 2010

Sayonara Japan, Ni hao China.



Visit is over!
Und bereits eine Arbeitswoche hinter mir.
So schnell gehts. WAM! Und 4 Wochen Japan durch.

Ich hätte nicht gedacht, dass man sich in ein Land verlieben kann. Aber irgendwie ist mir das mit Japan passiert.
Selten habe ich solange gebraucht um wieder in der Gegenwart anzukommen. Lange hats gedauert, bis ich realisiert habe, wieder auf chinesischem Boden zu stehen.

Kein Problem wäre es, von unseren Erlebnissen in Japan 50 Seiten zu füllen. Schon nur mit Detail-Geschichten, die einem dort im Alltag immer wieder über den Weg laufen.
Wie zum Beispiel die Omnipräsente Marke "Suntory", vorallem mit ihrem Whiskey bekannt, aber an jeder Ecke mit einem anderen Getränk wirbt. Von Wasser, über Tee, bis eben zum Whiskey.
"Relaxing times, make it... Suntory times."

Oder dass es nirgends Mülleimer gibt. Nur gerade an den zentralen Anlaufstellen, wie zum Beispiel am Bahnhof. Aber ansonsten sucht man diese Abfallbehälter vergeblich.
Was als mühsam interpretiert werden könnte, scheint aber trotzdem zu funktionieren. Denn die Strassen sind oft und öfter in Singapore Manier anzutreffen.

Auch ein Beispiel, ihre vielen unzähligen Automate in jeder auch nur erdenklichen Ecke. Egal wie abgelegen, oder klein der Ort auch sein mag, etwas findet man immer, einen Automaten für irgendetwas. Sei es nur für Getränke, Essen, Bier oder gar Batterien zu beziehen.
Hervorzuheben bei den Getränkeautomaten, es werden nicht nur kalte, sondern auch heisse Getränke bereitgestellt.

Und wie schon erwähnt, die Japaner eine Attraktion für sich. Mit ihrer Mode, ihrer Art und ihrem Verhalten. Vorbildlich und souverän.
Dies das Land der letzten Gentlemen und der attraktivsten Mütter. ;-)

Ja all diese Details am Rande des Gesamtpakets Japans, ich vermisse sie schon jetzt.


Auf Yake Dake, dem Vulkan, trafen wir, oben auf der Spitze angekommen, auf einen Landsmann. Voll wandertauglich ausgerüstet, mit blauer Mütze, blauem Gilet und einem kleinen Glöckchen am blauen Rucksack.
Von wo wir seien, fragte er.
Schweiz.
Aus der Schweiz?! Ohhhhh, reagierte er wie alle anderen mit denen wir dieselbe Konversation hatten.
Was wir denn hier machen, wir haben doch selbst Berge und all das bei uns, meinte er.
Lustig, denn genau der gleiche Gedanke kam mir ebenfalls gegenüber den Japanern. Warum sind die so Schweiz fan, die haben dass alles auch. Und noch teilweise mit einem Sahnehäubchen oben drauf.
Jedenfalls ist ihr Zug pünktlicher.
Die Leute, tut mir leid, sind anständiger und hilfsbereiter.
Sie haben Berge.
Sie haben Weltstädte.
Unzählige Welterbe.
Unbeschreibliches Essen.
Vielleicht kommen sie ja nur fürs Fondue.
Aber wer weiss, plötzlich hat Suntory auch noch ein Fondue parat.
"Swiss fondue times... make it Suntory Fondue times!"

Klar ist es übertrieben. Und bekanntlich ist nicht alles Gold was glänzt.
Und doch hat mir dieses Land schwer imponiert. Es hat den Standard von einem westlichen Land, ist aber trotzdem seinen Traditionen und Kulturen treu geblieben.

Die letzten Tage drüben bescherten uns in Osaka einen würdigen Abschluss.
Eine lebendige und wild pulsierende Stadt.
Und wo ich anfangs noch gedacht habe, dies sei einzigartig in Takayama, trafen wir von da an in jeder Stadt an: Lauben. Oder wie die Japaner es nennen: Arcade.
Auch waren da zum Schluss noch zwei Walhaie im grössten Aquarium der Welt. Schon eindrücklich, dieser riesen Wasserbehälter, wo sie scheinbar willkürlich Meerestiere hinein geworfen haben. Eindrücklich aber nicht unbedingt auf positive Art, da halt doch sehr unnatürlich.
Und dass an unserem letzten Abend Halloween war fiel kaum auf, da die japanische Mode durchs ganze Jahr zur Reihe aus tanzt.
Wir suchten dann nochmals luftige Höhen auf, um unsere Reise mit einem "old fashioned Whyskey" zu begiessen.


Ich muss bald schon wieder gehen. Wirklich. Den ein Teil von mir ist dort geblieben.

Hier in Beijing sitzt der Herbst in den Baumkronen.
Der Herbst, obwohl schon ein Jahr hier, eigentlich die Jahreszeit, die ich noch nie in Beijing erlebt habe. Letztes Jahr, wurde diese Saison schlicht übersprungen.
Umso farbiger ist sie jetzt.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Übers Meer zu den Onsen

Es ist immer schön mit einem Fest empfangen zu werden. Auch wenn dieses nicht einem selber gilt.
In der Stadt Naha auf der Insel Okinawa liefen wir prompt in die alljährliche Ryukyu Festivitäten hinein.
Dies brachte uns ins schwitzen. Nicht weil wir bei den vielen traditionellen Tänzen mit rhytmierten, auch nicht weil wir uns im Takt der hunderten Trommlern einmischten, sondern schlicht dem Klima wegen.Ein Katzenflugsprung von einer Stunde vom Hauptland entfernt, findet man sich mitten unter Palmen und in feuchtschwüler Umgebung wieder.
Zu Tropen gehören allerdings auch Stürme. Und so ein Sauhund von einem Typhoon wollte unbedingt auch Richtung Japan ziehen. Dieser verunmöglichte uns ein Besuch auf einer der vielen paradisischen Inseln nebenan.Als Ursprungsort von Karate, konnte sich die Windhose ihren Gurt noch so eng schnallen, einen Besuch im weltrenommierten Budokan liessen wir uns nicht verregnen.
Dies ein Ort, wo die verschiedensten Kampfsportarten trainiert werden.
Von den in dicken Rüstungen vermummten Ken Do Künstlern, über den unglaublich schnellen Kickboxer, bis zu den eleganten Karate Artisten ist alles vertreten.
So auch aufstrebende Sumo-Ringer. So fett sie auch wirken, sportlich haben die was auf dem Kasten. Und damit meine ich nicht nur die Fleischmasse. So kann fast ausnahmslos jeder Sumoringer den Spagat.

Dieses kleine Fett und Muskelpaket zur rechten übrigens gerade mal 10 Jahre alt und aktueller Titelträger seiner Altersklasse.Vom Sturm verscheucht fanden wir uns in Kobe wieder.
Vor 15 Jahre fast komplett von einem Erdbeben zerstört, eine brandneue Stadt. Mit einer 'golden gate bridge' und aufgeschüttetem Flughafen mitten im Meer.

Was auf dem Foto wirkt wie eine klaustrophobische Ausnüchterungszelle, ist in Wir
klichkeit ein Hotelzimmer.
Ein konfortables noch dazu. Mit Fernseher, Radio und Wecker ausgerüstet.
Dies war bereits das zweite dieser sogenannten 'Capsule Hotels
' das wir besucht haben. Ein Erlebniss in sich.
Diese bieten auch eine gute Gelegenheit, den Anzug tragenden Geschäftsjapaner mal anders zu sehen.Inklusive bei diesen Hotels sind nämlich immer Pyjamas. Und diese werden auch restlos von allen getragen. So ist des Abends das Hotel voll von umherwandelnden Pyjamagestalten. Im Bad, im Aufhentaltsraum, beim Manga lesen, beim Rauchen.
Wie in der Klappsmühle, nur nicht gespunnen.
Als krönender letzter Meilenstein gönnten wir uns einen Besuch im Leukerbad à la japonais.
Kinosaki heisst das Teil.
Ein pikoreskes Dörfchen in den Hügeln und am Zapfhahn zu unzähligen Onsen.
Im Bademantel und mit Holzsandalen wackelt man dort durch die Strassen und hinein in die teils kochend heissen Quellen.
Eines dieser Bäder hatte eine revolutionäre Erfindung parat. Ein 'walk in freezer'!
Quasi als Pendant zur Sauna, hat es nebenan ein eisiger Raum mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, durch den man füddleblut hindurch spaziert. Das friert bis zwischen die Arschbacken.
Nach diesen Wohltätikeiten ist es ein leichtes in eine entspannten Schlaf zu fallen.
Und in diesen hineingewiegt wir man vom geklappere
der Holzsandalen auf den Strassen.

Jetzt gibt es noch ein paar Tage Shopping in Kyoto und Osaka, bevor dann im letzteren... Nein, davon reden wir jetzt noch nicht.

Samstag, 23. Oktober 2010

Very contemporary!

Habt ihr schon mal eine fremde Welt betreten.
Ich meine so Richtig.
Mir war dieses Gefühl bis anhin nur vom Tauchen bekannt.
Bis heute...
Aber mal schön der Reihe nach, und die Reihe ist lang.
In Kyoto durften wir in einem japanische Irish Pub Federers Sieg über Djokovic miterleben. Dies wurde im kyotoner Nachtleben bis in die frühen Morgenstunden zelebriert.

Mit noch wakligen Knien der durchzechten Nacht, machten wir uns auf die Pilgerwanderund durch einige der unzähligen Tempel der Stadt.
Eindrücklich kommen sie daher. Unnachahmliche bauten von pomposen Charakter. Die jeweiligen Gärten zu den japanischen Schlössern nicht minder imposant. Man fühlt sich wie in einem Gemälde, wo jeder Farbtupfer sitzt.
Und das Sahnehäubchen auf der Baumkrone, der Bamboo-Grove. Wie in einer Märchenwelt schlendert man durch einen Bambuswald, ständig in der Erwartung gleich den Sebel zucken zu müssen, um gegen üble Samurais anzukämpfen.
Eindrucklich allerdings auch die Schar an Touristen, die leider die Spiritualität der Orte mit ihren Kameras auffressen.


Nachdem Federer dann doch nicht der war, welcher Haibau (das blaue Expo Maskottchen) in den Pokal stellen durfte, ist uns am Montag eine Peinlichkeit unterlaufen.
So paradox es klingen mag, aber wir haben uns mit dem Zug verfahren.
Dies hat dazu geführt dass wir Stunden nachdem wir in Kyoto losgefahren sind, plötzlich völlig überrascht wieder im kyotoner Bahnhof einfuhren. Ä hä.
Dies brachte jedoch schöne Nebeneffekte mit sich.
Wir besuchten ein Konzert im Café independence. Mit beschmiert und abblätternden Wänden, Gäste mit Hornbrillen ohne Gläser kombiniert mit Strickkapen, das Café ein Kunstwerk für sich und DIE entdeckung in Kyoto.Und das Konzert eine Wucht!
Eine Pianistin, begleitet von Bass, Gitarre und Schlagzeug.Lange nicht mehr, habe ich so viel Emotion bei Interpreten, wie auch als Zuschauer gespürt. War das Lied traurig, verwelkten die Artisten. Kam das Leben zurück ins Lied, erblühten sie von neuem und wir Beobachter mit ihnen.
Der Name der Band Jizue.

Nach eine Abstecher im unter die Haut gehenden Hiroshima, befolgten wir den Tipp, den wir in eben diesem Cafe independence erhielten und reisten nach Naoshima.
Eine kleine Insel, welche zur Zeit ein Kunstfestival beherbergt.
Verschiedenste Museen verteile sich auf der ganzen Insel, welche in einer halben Stunde zu durchqueren ist. Überall trifft man auf Skulpturen oder sonstig Ausgelebtes der diversen Künstler.


Das Aushängeschild des ganzen jedoch, das Chichu Art Museum.
Angekündet wurde uns die Ausstellungen als kontemporär. Als wir jedoch beim Namen Monet etwas skeptisch wurden, fragten wir nach:
Is the Exhibiton more traditional or contemporary?
Und die Antwort von einem begkifft wirkenden Museumswärter war:
Oh nono, its VERY contemporary!
Und eben dort in diesem Museum betraten wir neue Welten.

Das mir ein kalter Schauer den Rücken hinunter ziehen kann war mir bekannt von Konzerten, Filmen und geschriebenen. Bisher jedoch noch nie erlebt habe ich dies beim betreten eines Raumes. Als wir aber diesen Raum, am Boden geziehrt mit Millionen von kleinen Würfelchen, alles ganz in weiss, erhellt durch eine quadratische Spalte in der Decke, welche Tageslicht eindringen liess, barfuss betraten und vor uns dieses riesige Monet Bild erschien, war ich hin, weg und davon.
Dies zog sich durch das ganze Museum so weiter. Das Konstrukt designt von einem Japaner namens Tadao Ando, absolut einzigartig. Mit seinen Lieblingselementen Beton, Stahl, Glas und Holz gelingt es ihm ein Gebilde zu erichten, welches auf abartige Art und Weise sich perfekt in die Natur einbindet.
Googlet ihn. Googlet auch das 'Benesse House'. Ein Begriff unter Architekten und ebenfalls zu finden auf der Insel Naoshima.
Er ebenfalls der Erfinder von Steinkissen, unten in einem Loch das stylvoller nicht sein könnte.


Auch dem Meisterwerk 'No time' von Walter de Maria wird zur Zeit in diesem Museum Plattform geboten. Wie alles in diesen Räumlichkeiten auch diese Werk schlicht. Ein Raum dekoriert mit goldenen Pfeilern an den Wänden und in der Mitte eine Kugel.
Klingt plump. Aber wenn man in diesem riesen Raum steht, ist man so platt, wie von der Kugel überrollt.

Aber vorallem ist da noch 'Sky Space' von James Turrel. Der Meister des Lichts.
Bei seinem Werk steht man vor einer Treppe, die zu einem blauen Bild führt. Ungewiss steigt man diese Treppe empor und begibt sich durch den Rahmen ins Bild hinein und wird von blauem Licht verschluckt. Sureal bewegt man sich ins dieser Umgebung umher und wird plötzlich angewiesen stehen zu bleiben, sonst falle man hinunter.
Wo hinunter wurde nicht verraten. Wahrscheinlich in eine Stufe der neuen Welt, wo man danach nicht mehr hinaus findet.

Morgen geht die Reise per Flugzeug weiter auf die Insel Okinawa.

Samstag, 16. Oktober 2010

100

Der 100. Blogeintrag kommt aus Japan, gloubsch?
Ich gratuliere mir!
Viele Dank!

Nach einer tanzreichen Nacht zu Musik von weltklassen djs, die in Europa sofort zu Weltstars würden, in Tokio aber bescheiden bleiben, ging es per Shinkansen mit gegen die 300 Sachen Richtung Alpen.

Vorher zu Besuch bei Fuji welcher sich von allen Seiten von seiner Besten gezeigt hat. Da die Situation es nicht erlaubt hat ihn zu besteigen, erkundigten wir die Gegend per Fahrrad.
Mit Satteln ausschliesslich für Japaner gemacht, ging der Ausflug nicht in die Wadli, dafür umso mehr in die vernachläsigte Po-muskulatur.


Das ÖV-system japans absolut eindrücklich. Womit die schweizer Werbung machen, ist effektiv hier möglich; die eigene Uhr nach dem Fahrplan der Züge zu richten. Pingelig genau schliessen die Türen auf die Minute. Ist ein Zug 15 Sekunden zu spät, muss der Lokführer einen Rapport schreiben.

Im idylischen voralpen Kaff Takayama begann unsere Zeit der Tatamis-matten. Seit jenem Dorf haben wir auf nichts anderem mehr gepennt. Da ich privat ebenfalls im Besitz einer solchen bin, geniesse ich seither ein Schlaf wie im eigenen Bett.
In Takayama traffen wir auch auf etwas alt bewährt und bekanntes. Lauben, wie man sie sonst nur in Bern antrifft.

Yake Dake.
Was der Name meiner Ente sein könnte, ist in der Tat ein Vulkan. Der noch aktive Zuckerstock ist in Gebiergstal von Kamikochi zu Hause. Dort hat er zuletzt im Jahre 1952 gewütet. Gemäss Legende hat er alle 50 Jahre einen Wutanfall.
Jedenfalls hat er bei unserer Erklimmung aus jedem Loch gepfiffen. Wahrhaftig. Wo man zuerst dachte, da rauscht ein Wasserfall vor sich hin, stellte sich heraus, das es Schwefel war, dass druckvoll aus Löcher gedrückt wurde. Tolkiens Mordor wurde einem unweigerlich in Erinnerung gerufen.
Yake Dake jedoch blieb ruhig und liess uns die atemberaubende Aussicht auf seiner Spitze in der schreibgeschützten Erinnerung ablegen.


Nach einer Nacht in der Tatamis verzierten Alphütte sind wir, erneut per Hochgeschwindigkeitszug, über Kyoto nach Nara gereist. Eine Stadt mit bescheidenen 13 Weltkulturerben.
Eindrücklich wie sich die Tempelanlagen und Pagoden im Park perfekt in die waldige Umgebung einmischen. Als wären sie mit der Zeit ein Teil davon geworden. So wirkt auch der mächtige Buddha im grössten Holzgebäude der Welt, wie der freundliche Gastgeber von nebenan.
Und überall hat es Rehs. Wo sie bei uns schon beim Erblicken aus der Ferne scheu in die Wälder flüchten, spazieren sie in Nara gemütlich mit einem durch den Park. Daran ändern auch abertausende von Touristen nichts. Als quasi heiliges Tier Japans, laufen sie in Nara auch nicht Gefahr auf dem Teller zu landen.

Die Ente bisher auch völlig aus dem Nest. Was in Shanghai noch eine Sensation war, ist hier alltäglich. Gar das Bistro am Fusse der Alpen hat eine hochfunktionale Toilette mit heheiztem WC-Ring.
Die WC Lektüre hier für einmal nicht irgend ein Schmudelblatt, sondern die Gebrauchsanleitung fürs Plumpsklo.

Jetzt in Kyoto, wo es noch ein paar Welterben mehr zu begutachten gibt. Nur gerade deren 17.
Die Sehenswürdigkeiten hier sind kompakt, wie eine geflochtene Tatamismatratze.

Freitag, 8. Oktober 2010

Elektrisierend!

Tokio!
Schon manch einer hat wohl versucht die Stadt in einem Satz zu beschreiben. Ob es wem gelungen ist sei dahin gestellt. Eines ist sicher, mir gelingt es nicht.
Tokio hat so viele verschiedene Gesichter, wie das Meer Strömmungen.

Faszinierend die Lichterpracht in den Strassen, wie sie einem mit Neonbeschilderung berieselt.
Im Gegenzug fast schon beängstigend, wie sich Teile der Jugend in den vielen Spielhallen verschanzt um sich virtuel zu prügeln.

Kleider machen Japaner.
An die 90 Prozent der Männer stolzieren im Anzug durch die Strassen. Der Jungeselle auf dem Weg zur Arbeit, sowie der Ätti an seinem freien Tag.
Im Gegenzug tragen die Frauen zu 90 Prozent Stiefeln, und wagen dies nicht selten in ganz abgefahrenen Kombinationen zu mischen.
Pinke Socken bis zur Kniehöhle? Halb Meter Absatzschuhe mit Strapsen und Tütü?
Fällt alles kaum auf, auf dem Laufsteg Tokio.

Wo es in London nur einen piccadilly circus gibt, findet man Plätze dieser Art in Tokio an jeder zweiten Ubahn Station. Die Erlebnissdichte ist so aneinander, wie die Fische auf dem Fischmarkt.
Und für den lohnt es sich noch vor dem Gockel aus den Federn zu hüpfen.
Der Fischmarkt Tokio. Der grösste der Welt (obwohl die Chinesen sicher anderes behaupten).
Wer Zirkus und Musicals mag, wird den Fischmarkt tokios lieben. Dies eine Show, welche seines Gleichen sucht.
Das Gebrüll der Händler und das Kreischen der Fische zersagenden Sägen, machen die Musik. Die waghalsigen Fahrkünste der speziellen Lastfahrzeuge sorgeb fürs zirkusartige Spektakel.

Natürlich gibt es auch in der japanischen Metropole Bars in luftiger Höhe. So einmal mehr gefunden im Park Hyatt.
Und plötzlich ist man ganz klein, schaut auf dieses enorme Lichtermeer und fragt sich, ob der Fischmarkt wirklich genug Sashimi liefern mag, für diese enorme Masse an Menschen.

Viel philosophischere Gedanken kamen mir leider nicht. Dies könnte sich jedoch bald ändern. Denn nun sind wir in Nikko, eine Tempelhochburg nördlich der Hauptstadt.
Riechen tuts schon mal gut hier, die saftigen Tannen wecken Heimatgefühle. Mal schauen wie spektakulär es hier so ganz ohne Neon und Tütüs wird.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Übrigens...

...es waren ja noch die National Days.
Und da Shanghai so eine langweilige Stadt ist, kamen ein paar von denen dort zur Feier des Tages und der Nation und überhaupt zu Besuch.
Wir haben zelebriert, als wäre es unser eigener Nationalfeiertag. Das hat viel Aufsehen erregt und so haben wir neue Freunde gefunden.
Gleich adoptiert haben wir sie und jetzt sind wir eine Familie.


Und noch was übrigens.
Jetzt ist Japan angesagt. 4 Wochen. Zur Zeit konkret und mittendrin in Tokio.
Tokio, dessen Puls vom Lärm lebt, das Blut die Lichter sind und ihr Charakter von der abgefahrenen und schrillen Mode der Leute bestimmt wird.

Hier könnte man wahnsinnig werden.
Wahnsinnig süchtig!

Montag, 27. September 2010

Lets queue!


Die Expo in Shanghai ist ja alles andere als erholsam.
Ganz schlimm ist es für die armen Chinesen, die doch tatsächlich, koste es noch so viel Zeit, Geduld und Nerven, in jeden einzelnen Landespavillon einen Blick werfen möchten. Dafür würden sie Stunden anstehen. Und machen es auch. Da sei ihnen wenigstens der Mittagsschlaf vergönnt.

Die Expo 2010 zweifellos ein Erlebniss. Und in aller Munde. Manche Münder würgen auch schon wenn sie nur Expo hören. so gesehen auf dem Konsulat, wo dieses Ereigniss wirklich durchgelutscht ist, wie das Ricola, bevor es sich im Mund auflöst.
Aber die Sache vor Augen geführt zu bekommen ist imposant. Da haben sich aber einige Architekten austoben dürfen. Abgefahrene Designs sind an der Tagesordnung. Vom lila Tamagotshi Pavillon aus Japan, reicht es rüber bis zum highend hightech Teil der Engländer, das Aussieht, als seien ein paar Stahlspähne unter Strom gestellt worden.
Am imposantesten natürlich der chinesische Pavillon, welcher alleine die Fläche bedeckt, wo normalerweise etwa 6 Länderpavillons stehen. Und in der Höhe überragt er die anderen sowieso in etwa um das Doppelte.
Einer der längsten Schlangen jedoch, natürlich und selbstverständlich, vor dem schweizer Pavillon. Bestehend aus einer klobigen Betonmasse, welche die Ausstellung wie eine Bergspitze aus dem Nebel aller anderen Pavillons hervoheben lässt, einzigartig weit und breit.
Lustig mit anzusehen, wie die Chinesen vor einer breiten Leinwand stehen, und mit ihren vielen Kameras einen Film filmen, der unsere schönen Alpen in aufregendem Grossformat präsentiert. Jeweils ein Raunen geht durch die Menge, wenn das Publikum aus der Vogelperspektive über ein Bergmassiv gleitet.

Da uns abgeraten wurde mehr als 15 Minuten anzustehen um das Innere eines Pavillons anzusehen, und wir beim schweizer Beton Monument mit unserem CH-Pass bescheissen konnten, setzten wir wenig Fuss in die verschiedenen Länder.
Voller Stolz darf ich allerdings sagen, dass wir in Kuba waren. Dies der Pavillon mit der kürzesten Schlange und mit einer der höchsten Authensitäten. Der Pavillon war nämlich schlicht eine Bar. Es gab Mojitos, viel Rum und Salsa. Welch ein Klischee. Aber dafür steht ja der Name Expo sowieso, eine Zelebrierung der Klischees.


Die Frage bleibt aber schon an einem hängen, was den genau mit dieser riesen Fläche Land geschieht, wenn die Expo mal vorbei ist.
Hierfür gibt es ein Reglement. Dieses besagt, dass der Pavillon des Gastgebers stehen bleiben darf. Dazu kommen 10 weitere, der vom Publikum und Komitee bestimmten beliebtesten Pavillons, plus die grossen Arenen, die ebenfalls für die Ewigkeit bleiben dürfen.
Ja liebe Brüder, ihr dürft euch ans Herz fassen, der schweizer Pavillon ist auf gutem Wege auf chinesischem Boden stehen zu bleiben.
Allerdings müssen sie dann aber schauen, dass dieser von Problemen besessene Sessellift mal läuft, denn nur durch einen Betonbunker zu laufen, ohne dessen Aussicht bestaunen zu können, dass können die Touristen auch zu Hause in ihren Wohnblöcken.

Und jetzt möchte ich euch noch beweisen, dass ich kein Mann leerer Worte bin.


Jawohl, die Ente war auf der höhsten und edelsten Schissi von ganz Asien.
Erstaunlicherweise war sie nur mässig beeindruckt. Gerade der säubernde Rinnsal bekam ihrem sanften Gummipo nur mässig.
Aber ich glaube es liegt vorallem daran, dass sie sich einen neuen Flo ins Ohr gesetzt hat.
Sie möchte die von Philip Starck designte Toilette im Club LAN in Beijing beschei... eh besuchen gehen.
Dieses Prinzeschen aber auch!
Aber so sind sie nun mal die Enten, die haben immer was zu knar... eh quaken.

Mittwoch, 22. September 2010

Grossstadtsturm

Gewusst, heute ist Vollmond.
Und, heute beginnt in China das Mondkuchen Festival.
Das sind so kleine, runde Küchlein, lebkuchenartig, mit den wildesten Füllungen.
Da kann man schon einiges drin antreffen. Zum Beipiel rote Bohnen, oder Erdnüsse, oder so Algenzeugs. Wie der Weinkenner sagen würde, wenn er gerade einen Wein gekostet hat, der ihm nicht so entspricht... mhm, interessant.
Die ganz Glücklichen haben übrigens ein Ei drin.
Ich hatte Pech, in meinem ersten Mondkuchen den ich je angefasst habe, war Tabak drin. Schon mal ein Biss vom Tabak genommen, den man in der ShiSha raucht?
Eben, ganz hässlich.
Obwohl die Euphorie auf diese Küchelchen wahnsinnig ist, und jeder jedem so eins schenkt, ja ich da vor mir vom Kempinski eine ganze Packung habe, riskier ich nicht mehr so schnell in diese chinesischen Kinderüberraschungen zu beissen.

Gerne hätte ich euch laufend auf dem Laufenden gehalten über den weiteren Verlauf meiner Konsulatsreise. Dies war aber nur in Hong Kong möglich. Im restlichen Bereich des Landes, wie ihr ja wisst, ist mein Blog verbannt.
Deshalb, hier nach und nach ein Nachtrag über das vergangene Gelaufene (herrlicher Satz nicht wahr?).


Eben, Hong Kong.
(Das Bild zeigt die Aussicht aus dem Konsulat)
Es war Freitag Abend und ich in einem dieser gemütlichen Beizen draussen auf der Strasse. Die Temperatur perfekt. Dann plötzlich, ein Blitz, ein Donner und die Storen der Restaurants wurden heruntergekurbelt und fürs ganze Wochenende nicht mehr eingezogen.
Es hat durchgehend gewittert. Ich fand das nicht mal übel, denn Regen bekomme ich ja nicht mehr so viel mit in Beijing. Und ein Gewitter in Hong Kong ist absolut spektakulär. Bei all diesen Pflöcken von Hochhäusern, muss quasi jeder zweite Blitz in ein solches einschlagen. Und das Donnergrollen, grollt von den Mauern auf allen Seiten abgelenkt, auf einem hernieder. Die diversen Soundspezialisten, die THX etc. entwickelt haben, müssen von einem Gewitter in Hong Kong inspiriert worden sein.

Eine kleine Nebenmission habe ich in Hong Kong ebenfalls erfolgreich absolviert.
Ich habe ein Iphone4 ergattert.
Bei den meisten Geschäften wurde ich mit dem Schild "out of stock" wieder davon geschickt. Dort wo ich fragen ging, haben sie mich gar teilweise ausgelacht. Die Wartelisten seien zu lang, aktuelle Wartezeit betrug bei den meisten 2 Monate.
Kurz vor dem Aufgeben, fand ich dann noch ein Händler, der mir für einen aktzeptablen Aufpreis eines dieser Prestige-Geräte vermacht hat.
Zeit zu blöffen bleibt mir jedoch nicht viel, musste ich hier zurück in Peking erfahren. Denn die Regierung hat entschieden nun das Iphone doch unzensiert dieses Wochenende in Beijing zu lancieren.
D'oh!
Immerhin musste ich für meines hart arbeiten, und es hat Heimatort Hong Kong. Das wertet es nochmals massiv auf.


Dann kam Guangzhou.
(Auch diese Bild, zeigt die Aussicht aus dem Konsulat.)
Eine Provinz-Stadt, so wurde sie mir angekündet. Nichts interessantes. Nichts schönes.
Obwohl ich nur gerade ein Tag dort war, kann ich beides dementieren. Klar, es hat keine Sehenswürdigkeiten wie eine verbotene Stadt zu bieten, dafür eine Promenade am Fluss entlang, die mehr zeigt als der Zirkus Knie vor ausverkauftem Publikum. Mit bettelnden Affen, Karaoke-Fährräder und Fischer, die aus dem Fluss auf unerklärliche Weise Schildkröte hinaus fischen.
Und dann hat Guangzhou vorallem das berühmte Essen, welches, obwohl immernoch in China, ganz anders daher kommt, als alles bisher probierte. Weniger scharf, dafür umso würziger.
Die Leute gaben sich mir gegenüber sehr offen und warm. Als ich am Abend meiner Ankunft, ein Sonntag, um die Stadt und ihre Leute zu erkunden in eine Bar ging, musste ich keinen einzigen Drink selbst bezahlen. Und es waren keine Ausländer, die das für mich übernommen haben.


Das Konsulat an sich, befand sich mit dem 26. Stock ebenfalls in luftiger Höhe. Um dort hin zu gelangen musste ich als erstes einmal Schlange stehen. Sei normal um 9 Uhr morgens, hat man mir erklärt, da wollen einfach zu viele die zwei mikrigen Lifte gleichzeitig benützen. Demnach klaustrophobisch musste man sich auch in diese hineinzwängen.
Als eines der jüngsten Konsulate, kam dieses dann etwas steril daher. Mit nur gerade 12 Angestellten, ist es auch ein drastischer Unterschied, zu unserer Botschaft in Peking, wo ich mittlerweile 75 Stationen betreuen muss.
Kleine Randbemerkung übrigens: Beijing ist nun offiziell die grösste Botschaft der Schweiz. Wir haben Washington überholt.
HA! Bitte stehen sie hinten an!
(Sorry Herr Beuliger! :-) )

Ganz anders Shanghai!
Da herrscht leben!
Wenn ich so mein erstes Bild aus der Gehirnschublade hinaus wühle, dann sehe ich da, ebenfalls eine schöne Aussicht auf ein gerade losgebrochenen Wolkenbruch, viele Arbeitsplätze mit einem Haufen Zeugs drauf, paar Ballöne, etliche Visakunden, überstellte Gänge, HaiBao, dieses blaue Expo-Maskottchen, überall, und eine elektrisierende Arbeitsatmosphäre.

Ich weiss nicht, ob ich jemals zuvor in solch kurzer Zeit, derart vielen neuen Leuten die Hand geschüttelt habe. Manche von ihnen waren mir schon per Mail bekannt und bekamen ein Gesicht verleit, von anderen habe ich im vornerein Geschichten gehört und traff diese Hauptakteure nun persönlich.
Eines haben sie alle gemeinsam, allesamt haben sie vieles zu erzählen.
Diese Reise war ultra intensiv. Mit wenig Schlaf und einer riesen Termosflasche gefüllt mit Erlebnissen fürs Erfahrungsrucksäckchen.

Danach folgten noch ein paar Tage Ferien in Shanghai.
Dies ist jedoch eine andere Termosflasche und soll in einem anderen Blog geöffnet werden.

Freitag, 10. September 2010

Central Plaza HK

Geschrieben wird dies von den Mid-Levels in Hong Kong.
Robinson Street um genau zu sein.
Und da die Stadt gerade anfängt so richtig zu erwachen, werden es nur paar Zeilen sein.

Seit gestern bin ich also offiziell auf Dienstreise.
Erster Hilfehalt, das schweizerische Konsulat in Hong Kong.
Einfach zu finden im Central Plaza. Noch einfacher zu finden, da in dieser Stadt die Taxifahrer englisch sprechen. Und noch noch einfacherer zu finden, da die Taxifahrer hier ihre Stadt kennen und es bei der Bekanntgabe des Zielortes nicht heisst "hein!?!?!"

Als ich im Central Plaza den Customer Service, wo hinten dran ein edler Flügel, ohne dementsprechenden Pianist, vor sich hinklimpert, nach dem schweizer Konsulat frage, muss der erst einmal ein Ordner so dick wie drei Telefonbücher durchwühlen, bevor er mir die Antwort parat hat.
"62 Floor sir"!
So hoch, dass man einmal Lift-Umsteigen muss!
Ä hä!
Die höchste Vertretung der Schweiz!
Ä HÄ!

So war sie auch demnach atemberaubend, die Aussicht. Die Stadt überblickend. Die Welt quasi zu Füssen. Nur die Saudis seien noch höher, hat man mir gesagt.
Kaum abwenden könnend von dieser Aussicht, durfte ich in dieser Atmosphäre dem kleinen, 10 köpfigen Team etwas über die Informatik des EDA erzählen.
Ob ich jemals wieder in solch luftiger Höhe einen Vortrag halten werde, wird sich zeigen.
Jedenfalls fühle ich mich nun perfekt ins Weekend erhoben, darf hier auch noch bis am Sonntag Abend bleiben, bevor dann die Reise per Zug weiter auf Guangzhou geht.

Alleine Reise ich nicht, die Ente sie hat darauf bestanden mich zu begleiten. Sie freut sich vorallem auf Shanghai, denn da hat sie noch etwas gut bei mir! ;-)

Sonntag, 5. September 2010

CN=Ch hoch 60

Es ist so:
Die Schweiz und China feiern dieses Jahr das 60 jährige bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen. Da die Schweiz mit paar wenigen anderen Ländern, eines der ersten war, wird dies natürlich auch demnach zelebriert.
Sicherlich habt ihr mitbekommen, dass die Leuthard hier im Land war. Ist mittlereweile auch schon wieder paar Wochen her. Ich hinke da wie ein alter Pirat mit Holzbein und wenig Wind in den Segeln hinterher.
Dieser Unaktualität bin ich mir vollends bewusst, brauche sie ja auch nur als Einleitung.
Was ihr vielleicht nicht mitbekommen habt ist, das Sicherheistaufgebot für unsere Bundespräsidentin. Nicht etwa von seiten der Schweiz, nein, die Chinesen waren für das Wohlbefinden von Frau Leuthard verantworlich und nahmen sich dies sehr zu herzen.
Sie bekam, wie so üblich bei einem Staatsbesuch von höchstem Grade, die Sicherheiststufe 1.
Sprich, Leibwächter auf Schritt und Tritt, sowie eine Eskorte, wenn sie sich mit dem Auto von A nach B bewegte und Strassensperren, als würde Hu Jintao höchstpersönlich im gepanzerten BMW vorbeibrausen.
Dieses Grossevent wurde sicherlich über ein Jahr auf der Botschaft vorbereitet.
Ein riesen Aufwand!
Glücklicherweise sind jetzt, wo alles vorbei ist, alle zufrieden.
Als Erfolg wurde der Besuch abgehackt.

Diesem 60 jährigen Geburtstag folgten nicht nur hohe Staatsbesuche und nette, wohl gewählte Worte, sondern auch viele kleine Anlässe.
So auch eine Ausstellung.

Mit Stolz kann ich sagen, dass ich es endlich geschafft habe!
Über Jahre hinweg war diese eine Ausstellung quasi mein Nachbar in Bern, nur ein paar Laufschritte von der Haustüre entfernt, aber einen Fuss hineingesetzt habe ich nie.
Wenn mir da jemand über den Weg gelaufen wäre und mir gesagt hätte, keine Angst, du wirst dann in Peking über 45 Minuten mit der U-Bahn zu dieser Ausstellung hinaus fahren und sie mit etlichen Chinesen zusammen bestaunen gehen, ich hätte ihn oder sie lauthals ausgelacht, als Spinner abgetan und nach Hause zurück in die Zwangsjacke geschickt.

Gestern habe ich es also geschafft. Ich besuchte die Einstein Ausstellung, welche hier in Peking zum Jubiläum gastiert.Gute Ausstellung. Nicht zu viele Infos, für simple Menschen wie mich einfach fassbar und verständlich erklärt.


Komisch die Momente, wo ich vor einem laufenden Film stehe und der meine Heimatstadt Bern zu alten Zeiten zeigt. In Peking.
Noch komischer eine virtuelle Fahrt per Fahrrad durch die Altstadt von Bern.
So gesehen war ich gestern kurz zu Hause. Habe dem Bundeshaus gewunken, beim Zytglogge auf die Uhr geschaut und im Tramdepot ein Bier geprostet. Irgendwie.

Die Attraktionen, wo die Idee gewesen wäre diese auszuprobieren, waren jedoch grösstenteils defekt.

Auf der Botschaft wurde mir erzählt, dass diese Geräte die ganze Ausstellungszeit in der Schweiz makellos überstanden hätten und nach zwei Wochen in Peking kaputt waren.
Aber so funktionieren sie nun mal die Chinesen. Gibt es etwas auszuprobieren, dann wird dies betastet, begrabscht, gequält und auseinandergenommen, bis es als Totalschaden deklariert werden muss, oder eine Vollrevision benötigt.

Die Schweiz in China. Einstein von Bern nach Peking.
In solchen Momenten frage ich mich dann, was wohl als nächstes kommt.
Vielleicht schreibe ich schon nächste Woche:
Hätte mir jemand vor 2 Jahren gesagt, dass ich innerhalb von einem Tag, zu Kosten von umgerechnet 80 Rappen, einen chinesischen Fahrausweis erwerben werde, hätte ich ihn oder sie nur verduzt angeschaut, und wäre wahrscheinlich ohne einen Kommentar auf diese Absurdität über die Lippen zu bringen, einfach ohne diese Person zu beachten weitergelaufen.
Auch das übrigens schon geschehen.
Aber ist ja nur relativ das ganze.

Mittwoch, 25. August 2010

DJ neroDOLL

And the winner is...
*Trommelwirbel*
TOUBY!!!!
*SchlagaufsSchlagzeugBecken*
Er hat es fast genau auf den Punkt gebracht.
Ganz genau wäre es "Chinatown Kuala Lumpur aus der Sicht einer Ratte" gewesen.
Touby, der glückliche Gewinner, kann sich an folgende Adresse, von eben einem der Schweigenden, wenden um das Geld für seine Reise nach China entgegen zu nehmen.

*Vom Autor entfernt!*

Der Sponsor freut sich auf dich!

Alle Resultate der Session gäbe es übrigens hier zu sehen (wenn dann der Remo endlich seine heraufladen würde):
http://firstiwasblind.ch/malay_rats/
(einfach Login klicken, ohne Passwort)

Und jetzt zu was komplett anderem.
Der folgende Bericht ist etwas riskant für mich und das Bild, dass ihr von mir habt. Den mit folgender Schilderung riskiere ich Punkte zu verlieren, die ich mir mit Mühe angeeignet habe. Wahrscheinlich werdet ihr enttäuscht sein und denken, "nein, doch nicht der Marco", und doch muss ich hier dieses Geständnis niederlegen, meine Seele bereinigen, mein erlebtes irgendwie teilen, auch wenn ich dadurch Respekt und Achtung verliere.
Bereit?
Los!

Letzten Samstag, wage ich zu behaupten, habe ich die schönste Frau auf Erden gesehen!
Zugegeben, es war Alkohol im Spiel.
Zugegeben, sie hatte einen Bonus, den sie war DJ und verfügte somit über den "DJ-Bonus".
Und trotzdem, ich war hin und weg und über alle Berge.
Wir tanzten, bis wir direkt vor ihren Drehtellern waren.
Ihre Musik liess einem nicht still stehen.
Obwohl, sie hätte wahrscheinlich Musikantenstadl auflegen können und ich hätte es abartig geil gefunden.
So bewegten wir uns rhytmisch zu ihren Musikwellen, bis sie ihre Kopfhörer hinlegte und ihre Platten einsammelte.
In der Annahme, dass sie durch ein Hintertürchen verschwinden würde, wendete ich mich von der Bühne ab. Enttäuscht über das Ende des Augenfeuerwerks.
Und dann plötzlich huschte sie hautnah an mir vorbei und da kreuzten sich unsere Blicke.
Sie lächelte mich an.
..
...
....
Um ein Haar wäre ich da in Ohnmacht gefallen. Ich muss ausgesehen haben, wie einer der unglücklicherweise gerade den Kopf in die Kircheglocke steckte, wo diese anfing zu schlagen. Sprichwörtlich gab es mir den Gong!
Ich konnte nicht mehr aufhören vor mich hin zu lächeln.
Zu diesem Zeitpunkt hätte man mir Pfefferspray direkt unters Augenlid sprayen, mich an den Grännihaare aufhängen, mein Sack als Boxsack verwenden, sprich die Welt unter gehen können, mein Lächeln wäre durch nichts zu verderben gewesen.
Seither weiss ich, den Himmel und seine Engel gibt es! Und irgendwie ist alles gut!
Jetzt ist es auch offiziell bestätigt, dass ich ein einfach gestrickter Mann bin, der sich von hübschen DJs blenden lässt.
Und sollte ich einmal einen scheiss Tag haben, wo alles schief läuft und sich das Glück gegen mich gewendet zu haben scheint, dann weiss ich nun, an was ich da denken werde.
DJ neroDOLL!


Samstag, 21. August 2010

Rat mal!


Schaut euch das obenstehenden Bild mal an.
Was kommt da in euch hoch. Galle? Heimatgefühle? Hunger? Abscheu? Geborgenheit?

"First I was blind" war mal wieder unterwegs.
"First I was blind" der Name der Gruppierung bestehend aus mir, Remo Tschuy und Simon Hefti. Notiert euch den Namen schon mal, speichert ihn in einer freien Ecke im Hirn, denn der wird noch zu reden geben (auch Überheblichkeit soll gelernt sein).
Wie auch immer.
Wie auch immer übersetzt sich übrigens auf chinesisch wie folgt:
Ai ni ma, shei shei shei!
Was so viel heisst wie:
Liebe deine Mutter, wer wer wer!
So viel zu dem Thema. Ich lass es euch wissen, wenn ich die Chinesen begriffen habe.
Eben, ai ni ma, shei shei shei, zwischendurch, wenn wir zu Dritt unterwegs sind, geben wir eine "Session". Das heisst, wir als ambitionierte Hobbyfotografen bestimmen ein Thema und dann wird der Auslöser gedrückt, bis das beste Foto im digitalen Kasten ist.
So geschehen in Kuala Lumpur, Malaysia.
Das Thema war... ah ah ah, eben, da wurmt mich der Apfel.
Mich nimmt es Wunder, ob es an Hand der Fotos für Drittpersonen möglich ist, das von uns vorgegebene Thema herauszufinden.
Darum, hier sind meine Fotos.
Und jetzt rattet mal drauf los. Schmeisst eure Ideen in den Kommentar, schleudert es mir auf meine Email (marco@firstiwasblind.ch), oder knallt es auf mein Handy.
Der Hauptpreis ist eine Reise nach China, all inclusive!
Und diejenigen die schweigen bezahlen dem Gewinner die Reise.
Also HÜÜÜÜÜ!!!

Tipp 1: Für alle scheuen unter euch, Kommentare kann man auch Anonym abgeben.
Tipp 2: Mir ist ein kleiner Fehler unterlaufen im Text, der euch auf die richtige Fährte lockt.








Sonntag, 15. August 2010

I got hooked!

Shit!
Ihr habt es vergessen!
Ich habe es vergessen!
Wir alle haben es vergessen!
Verdammte Sch*****!!!

Nein, nicht so schlimm. Gibt schlimmeres. Sehr sehr ziemlich sicher viel Schlimmeres.
Aber eben, mein 1 jähriges Jubiläum ist durch. Am 3. August war es soweit. Ich weiss nicht einmal mehr was für ein Tag das war, so wichtig war es mir.
Aber gestern wurde mir die ganze Sache irgendwie bewusst. Denn gestern habe ich einen richtigen Traveller kennengelernt. Und wir haben ein wenig philosophiert. Momentan eignet es sich hier ausserordentlich zum philosophieren. Zu heiss für grossartige Sprünge, genau richtig zum still sitzen.
Er, ein Bergsteiger der üblen Sorte, schon Jahre unterwegs, schreibt zwischendurch mal Artikel für Magazine, macht Fotos, sucht Sponsoren und zieht weiter.
Aber Asien hat es ihm angetan. Schon Jahre lebt er hier.
Dann die Frage an mich, wie lange ich schon hier sei. Da fiel der Räppeler im Kopf. "Ein Jahr... Ah ja, genau ein Jahr, HA!"
Ob ich die Schweiz vermisse, fragte er mich.
Und da stolperte die Nadel in meinem Kopf kurz über den Plattenrand.
Hier möchte ich nun meinen Gedankengang in dieser etwas längeren Gesprächspause wiederlegen.
Ich war versucht zu antworten "Nein, eigentlich nicht!" und ich glaube ich habe auch so angefangen um Zeit zu gewinnen. Aber die Antwort wäre so blutt zu brutal gewesen und ich hätte sofort ein schlechtes Gewissen, der Schweiz, so wie meiner geliebten Familie und den besten Freunden gegenüber.
ABER!!! Ich glaube ich habe darauf genau den richtigen Satz zusammen gestagelt, der eigentlich all das auf den richtigen Punkt bringt, und der funktioniert leider irgendwie nur auf English:
At the moment, I wouldn't wanna be anywhere else but here!
Dieser Satz fasst so ziemlich mein ganzes letztes Jahr zusammen und bringt die Gefühle auf den Punkt und sollte, so meine ich, niemanden verletzen.
Er meinte darauf "Congratulations my friend, so you got hooked!"
Seiner Meinung nach sei man nach einem Jahr über dem Berg, da habe man die härteste Zeit ausgestanden, das Zuhause schon mal so richtig vermisst und wenn man diese Zeit durch hat und es einem gut geht, dann geht man höchstwahrscheinlich nicht mehr zurück.
Dies seine Meinung.

Das gab mir zu denken.
So sehr, dass ich es gerne mit etwas heruntergeschüttet hätte. Leider wurden wir dann nach Hause geschickt. Der Blick auf die Uhr sorgte für Verwirrung, da es erst 1 Uhr morgens war. Aber heute ist "National mourning day". Eine Schlammlawine hat über 1000 Menschen unter sich begraben in der Gansu Provinz, deshalb sind heute alle Fernsehsender abgeschaltet, alle Bars geschlossen, in Gedenken an die Opfer.
Ein sehr tragisches Geschehnis, dass eine Gedenkzeit verdient.
Und doch hange ich momentan nur an einem Hirngespinst:
I got hooked!
Das gibt mir wirklich zu denken...

Sonntag, 8. August 2010

Ruishi de gege zai Beijing

Eben...
Und nach all den untenstehenden Highlights, hat es dann das erste Familienmitglied nach Beijing gewagt. Dazu gesellte sich noch sein süsses Zuckerspätzli, und so durften die zwei Turteltauben Hand in Hand die Stadt unsicher machen. ;-)
Das ganze hat begonnen mit einem Hammer. Mit einem Vorschlaghammer an überwältigender Hitze!
Am ersten Tag entschieden wir, etwas ganz traditionell chinesisches zu unternehmen. Wir wollten einen Drachen steigen lassen. Der Wind dafür, vorhanden. Die Hilfe von ein paar alt- eingesessenen Chinesen, bereit. Die Euphorie, gross.


Am End war der Drachen in der Luft. Dieser zog so brutal an seiner Leine, dass man das Gefühl entwickeln konnte, er möchte fliehen. Als ich nach 10 minutigem Kampf diesen Saudrachen immernoch nicht wieder am Boden hatte, war ich gerade bereit seinen Wunsch zu erfüllen, als er sich doch noch entschied abzustürzen.
Er hat knapp überlebt. So wie wir auch. Allerdings war unser Problem die Hitze. Diese liess uns das ganze aufgesaugte Meer aus Komodo, gleich wieder hinaus schwitzen. Wie ein Schwamm an der Sonne, vertrockneten wir langsam dahin.
Die Woche blieb so, teilweise mit Nächten über 30 Grad. Doch liessen es sich die Besucher nicht nehmen, jeweils auf eigene Faust die Stadt zu erkunden, währenddem ich in der Botschaftsmine, angescheffelte Kohle abfertigte.

Und zu so einem richtigen Besuch in Beijing, gehört nebst der Peking Ente und einem Salut an Mao, natürlich ein Besuch auf der Mauer.
Da diese lang ist, und vielerorts sich durchschlängelt, entschieden wir uns ein Stück zu erklimmen, wo nicht schon jeder zweite Chinese ein Glacé oben gekauft hat. Mit noch zwei weitern Freunden machten wir uns auf nach Jiankou.
Gemäss Lonely Planet sollte es ein Aufstieg von 40 Minuten werden. Diese Meinung wurde bereits am Fusse des Berges von einer Chinesin dementiert. Die schaute uns an und meinte, ihr habt 1 Stunde, wenn ihr gut seit, sonst anderhalb. Wir haben uns zwar für die Auskunft bedankt, aber hinter ihrem Rücken darüber gelacht.
Wir sollten eines Besseren belehrt werden. Der Aufstieg führte durch ein Dschungel-Stück, das genau so gut irgendwo auf Borneo hätte sein können. Mit allem was dazu gehört. Um die Birne surrende Rieseninsekten, viel Lärm von unbekannten Tieren und ich behaupte einen Steinbock gesehen zu haben, wobei meine Kollegin meint, sie habe einen Wolf gesehen. Dummerweise keine Zeugen weit und breit.
Man hat darüber diskutiert, ob es auf Halluzinationen der Hitze zurück zu führen sein könnte. Obwohl ich dies vehement dementiere, wäre es durchaus im Bereich des Möglichen gewesen. Denn auch bei diesem Aufstieg, blieb des Schweises wegen nichts trocken.
Im Dilirium kam unsere Gruppe gerade noch so just in der Verlängerung der angegebenen Zeit oben an.
Belohnt wurden wir aber mit einer Aussicht, die Seinesgleichen sucht.
Und auch hier wurden wir zu Cabriolen empor gehoben.


Bei unteren Bild muss allerdings gesagt sein, dass der Bruder da betrügt. Der hat irgendein Trick herausgefunden, wie man sich am Bilderrahmen festhalten kann. Fräche Hagel!

Der Entscheid, ob Beijing auf einer Romantik-Skala, gar Paris zu verdrängen mag, sei meinem Bruder RemoNemo und der Sara überlassen. Die beiden sind auf jeden Fall noch zusammen, und sind auch ohne Scheissereien nach Hause zurück gekehrt.
Die Begeisterung war gross, vielleicht haben sie mich diesbezüglich auch gekonnte belogen, aber in einem bin ich sicher. So viel wie mein Bruder an Essen reingeschoppt hat, kann von der kulinarischen Seite nichts bestritten werden. So auch nicht vom anderen reinschoppen. Den beide Besucher liessen schneidern, was die Naht hält. Und vom Sightseeing her, hat eine Woche auch nicht gereicht um die ganze Palette zu bestaunen.
Von dem her, Peking ist meines Erachtens eine der attraktivsten Städte geworden überhaupt.
Remo und Sara wissen dies nun.
Jetzt muss es nur noch die Welt schnallen!