Donnerstag, 29. Oktober 2009

It's gettin' hot in the kempinski

Mir ist aufgefallen, dass hier die Taxifahrer nie Musik hören. Nein, sie hören, und das weiss ich nicht nur von hören sagen, sondern vom selber hören sowohl auch vom gesagten, immer Hörspiele übers Radio. Meist ist es irgendeine sich überschlagende Stimme, welche eine der vielen Geschichten, welche China zu erzählen hat, herunterleiert. Sehr anstrengend und hält definitiv vom Sekundenschlaf ab, wie den Fahrer, so auch den Fahrgast.

Aber eigentlich wollte ich etwas anderes schildern.
Es geht, erneut (wie langweilig) ums feiern. Ich erzähle ziemlich viel vom Feiern nicht? Und da hab ich noch nicht einmal vom Ausgang erzählt.
Nun, wie dem auch sei, auch diesmal habe ich gute Gründe dazu, denn meine Wohnung muss, wie es bei den Schiffen so üblich ist, mit der Flasche getauft werden.

Dazu gibt es eine "Housewarming Party" und ihr seit ALLE dazu eingeladen.
Wir treffen uns am Samstag 31. Oktober (ja Halloween, ja Zufall) um 20:00 Uhr, im Kempinski jiudian, Apartement 422.
Zeigt euch von der besten Seite und nehmt eure bessere Hälfte auch gleich mit.

Es sind bereits 27 Leute angemeldet, es könnte also durchaus eine grosse Sause geben. Eigentlich wollte ich ja die ganze Botschaft einladen, samt Botschafter, da ich nun nach 3 Monaten glaube ich definitiv sagen kann, ein schwarzes Schaf befindet sich keines darunter und das passt dem einen roten Schaf in meiner Wohnung sehr, aber nicht nur hätten diese 70 Leute keinen Platz bei mir gefunden, sondern wäre dann mein wertvoll importierter Wein auch bei der Wohnungswillkommenseinweihungsfeier gleich verabschiedet worden.
Deshalb habe ich eine schwerwiegende Selektion getroffen, alles in Anbetracht, dass ihr Schweizerlein auch dabei sein könnt.
Also enttäuscht mich nicht.
See ya all on Saturday!

Und für alle jene die jetzt denken, "üüüü der würde aber staunen wenn plötzlich wirklich jemand aus der Schweiz anklopfen würde", ja das würde ich, aber da es ja sowieso niemand macht...
Und für alle jene die jetzt denken, "jetzt sollte man es ihm aber wirklich zeigen, damit ihm die Augen aus dem Kopf fallen, wenn er uns sieht", sag ich nur, tut euch keinen Zwang an.
Und für all jene die jetzt genug gedacht haben und sich just sicher sind, dass sie sowieso nicht kommen können, sag ich nur, alles Luschen!

Cheers!

Sonntag, 25. Oktober 2009

Patriotismusförderung

Ich möchte kurz ein wenig blöffen, denn wenn verdient, dann darf blöffen erlaubt sein.
Lassen wir das Bild, welcher Grund zum Blöff ist sprechen:


Jawohl, eines unserer Staatsoberhäupter war bei uns zu Besuch.
Die Frau Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.
Sie war zu Besuch mit ihrer Delegation und wurde Anlass auf der Botschaft mal die (Wein)Korken knallen zu lassen. Alle in Beijing, oder waren es jetzt ganz China... hmmm, jedenfalls etliche Schweizer wurden eingeladen, und die Landeswehr aus Freiburg, samt Trompeten, Trommeln, Fahnenschwinger und Alphörnern, kam gleich mit.
Mein Ziel des Abends war ein Foto mit der Bundesrätin. So fragte ich einmal scheu bei unserer Ministerin von der Botschaft nach, ob denn dies möglich sei, ob das im Vornherein abgeklärt werde müsse, Bewilligung einholen, Pass zeigen, Fieber messen, oder ob ich da sogar selbst hingehen und frage dürfe, ohne gleich von den Leibwächtern abgeknallt zu werden.
Sie werde schauen hiess es. Zwei Minuten später kam sie zurück und fragte, ob ich den Föteler parat habe, claro que si, der war ready.
Just bevor es losging, konnte ich die Ministerin gerade noch fragen, ob man die Frau Bundesrätin, mit Frau Bundesrätin ansprechen müsse, ihr reichte es knapp dies mit einem Kopfnicken zu bestätigen, als Frau Widmer-Schlumpf vor mir stand.
Ich "Grüessäch Frau Bundesrätin"
W-S "Grüessäch..."
Irgendeiner, hab nicht gesehen wer, ging alles so schnell "Das isch der Herr Tschuy, ä Botschaftsagsteutä"
W-S "Freut mi, was hättet dir gärn?"
Dann folgt der Dialog mit der Frage fürs Foto, klar kein Problem, Foto wurde vorbereitet, da kam die Anweisung vom Fotografen "Chöit dr no chli zämerücke?"
Da fragt mein Kollege Links auf dem Foto, Endre Adorjani, ein Visaangestellter, die Bundesrätin "Ja, isches erlaubt?" und deutete darauf etwas näher zusammenzurücken.
W-S "Ah ja sicher, gar ke Problem!"
BLING, Foto gemacht, Vielen Dank, Bitteeeee Adeeeeee

Aber wirklich, Frau Widmer-Schlumpf war extrem sympathisch, sehr unkompliziert, absolut menschlich, es wäre gar nicht nötig gewesen im Vorfeld abzuklären für ein Foto, die hat sowieso ständig mit allen geredet und posiert für Erinnerungsbilder. Leibwächter gab es keine auffällige, ein paar Leute waren immer mit ihr, aber ich glaube das waren eher Kollegen.
Als dann eine Kollegin, wo ich für sie das Foto mit der Bundesrätin schiessen musste, Frau Widmer-Schlumpf fragte, ob das hier nicht enorm der Stress sei für sie, meinte diese nur, nein, dass sei alles halb so wild.

Nach diesem Treffen bin ich noch eine Spur patriotischer geworden und als die Landswehr die Schweizer Hymne anstimmte, da spürte ich wie meine Rechte Hand leicht in Richtung Herz zuckte und sich da rauf schleichen wollte.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Stinkbomben

Lasst uns über Früchte sprechen.
Klingt wie in der Kirche:
Öffnet eure Bücher der Psalmen liebe Gläubige und lasset uns das Lied der Früchte singen.

Hier gibt es eine Frucht, sehr ausgeprägt vorallem im Botschaftsquartier, ich weiss leider nicht wie sie heisst, habs mal gewusst, war chinesisch und somit schwierig zu merken, jedenfalls irgendein Wort wo man die Zunge dazu bis an die Zerrgrenze dehnen muss damit es korrekt ausgesprochen wird, und diese für uns namenslose Frucht, die stinkt und zwar brutal.
Ich wurde vorgewarnt, Schauermärchen bekam ich schon vorher zu hören von meinen lieben Kollegen, "ui, jetzt fängts dann wieder an zu stinken wenn die *hier käme der chinesische Namen rein* von den Bäumen fallen".
Trotz heiliger Einleitung, habe ich dies ungläubig wie ich bin, nicht geglaubt.

Dann kam Wind auf.
Und ich musste während und mit dem Wind in meinen chinesisch Unterricht.
Zu dunkler Stund.
Mit Pigeon allein.
Die Früchte vielen vom Winde weggezerrt von den Bäumen und es stank.
Es stank als hätten sämtliche Botschaftsmitarbeiter von Botschaften aller Welt auf die Strasse geschissen.
Ohne Scheiss, oder doch, mit Scheiss, aber nur vom Gestank her.
Ich traute meinen Augen nicht, und meine Nase hat mir sogleich den Dienst gekündet.

Als wäre dies nicht genug, kamen dann noch die Chinesen, die lieben Chinesen die aus allem Geld schöpfen können, irgendwie und plötzlich aus dem Nichts, und fingen an die Früchte auf der Strasse und überall einzusammeln, denn man kann sie verkaufen diese Stinkbomben, zu gutem Preis, sie seien gesund sagt man, senken den Blutdruck und normalisieren den Cholesterinspiegel.
Plemplem vom Gestank musste ich auf alles herab also zusätzlich noch aufpassen keine Chinesen zu überrollen.

Zu dieser Stinkfruch die gerade Hochsaison hat, gibt es ein schönes Pendant: die chinesische Dattel (HA! Hier weiss ich den Namen).
Ganz munzigklein sind sie und schmenken wie miniatur Äpfel.


Und somit wären wir wieder bei der Bibel, denn die Stinkbombe, eh die Dattel, eh der Apfel spielt ja, so sagt man, da eine wichtige Rolle und somit habe ich mich entschieden vom Apfel, eh von der Dattel, eh von den angebotenen Stinkbomben die Hände zu lassen.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Neue Freunde

Jemand hier feiert ein Comeback.
Niemand geringeres als meine Nikon D50.
Läckdumir hab ich sie vermisst, wunderschön ist es wieder mit ihr Fotos schiessen zu dürfen, die Bilder werden einfach bunter, lebhafter, schöner und... ja auch kitschiger.
Voilà.



Und das Ausmass der Kitschigkeit hat nichts mit dem Fotografen zu tun, dass war nur Verdienst chinas und der Kamera.

Stimmen wurden laut, dass ich nie was vom Alltag schreibe.
Daran arbeite ich.
Auch hallten die Stimmen nach, dass ich bis anhin nichts über meine sportlichen Tätigkeiten zu berichten hatte.
Auch daran arbeite ich.
Und die lauteste von allen Stimmen, nämlich diese von der alumierten Palmolive, schrie nach Bildern von meinen Räumlichkeiten.
Da habe ich in letzter Zeit am meisten dran gearbeitet.

Aber solange die Wohnung noch nicht samt Tüpfelchen auf dem i und Schlagobershäubchen mit Kirsche oben drauf bereit steht, präsentiere ich gar nichts.
richtig gelesen, GAR NICHTS!

DOCH OKEY, etwas präsentiere ich gerne.
Ich habe nämlich zwei neue Kumpanen in meiner Wohnung. Haustiere sozusagen.
Eine Sau und ein Schaf!
Genau, nebst den zwei Enten, wo eine davon immernoch auf der Suche nach der schönsten Toilette ist, kamen jetzt, gar nicht zur Freude der Quietschtierchen übrigens, noch andere ganz funktionale Zoomitglieder dazu.

Stolz präsentiere ich: GREENEY WEENEY



Und: PUZZY


Puzzy ist weder Provokation noch Anspielung, der Name kommt daher, dass man dieses knallrote, leider nicht Gummi, aber Holzschaf, wie ein Puzzle auseinandernehmen kann.

Und wer jetzt denkt, du meine Güte, der Marco der sucht sich ja lauter imaginäre Freunde zusammen, zuerst Pigeon, dann spricht er von der Kamera wie von einer Person und jetzt hat er noch unlebendige Haustiere bei sich, hat den der keine Freunde gefunden?
Doch, er hatte Freunde gefunden, aber manchmal spinnt er halt einfach ein bisschen und probiert sich als Märchentante.
Aber wie gesagt, diese zwei Geschöpfe sind voll funktional, denn das Schaf hütet unter seiner Wolle Bücher und die Sau versteckt in seinem Mangen CDs.
Kein Grund zur Sorge also.

Und jetzt gehe ich mich noch sportlich betätigen mit dem "Heugümper"! ;-)

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Ankunft des Anhangs

Einmal, nein gleich zweimal mehr, gibt es Grund für mich zum Feiern. Diesmal gar so fest, dass ich etwas getan habe, was ich noch nie, versteht ihr, NIE, in meinem Leben vorher gemacht habe.
Aber erst mal der Reihe nach.

Grund Nummer eins:
Wir haben die Tausend geknackt!
Oder wahrscheinlich sollte ich eher sagen, ihr habt die Tausend geknackt.
Nicht tausend Nüsse, auch nicht tausend Rätsel, oder tausend Passwörter, weder Tresore mit tausenden von Franken drin, wo mehrere tausend Panzerknacker scharf darauf warten, noch tausend chinesische Herzen.
Nein.
Innerhalb von 2.5 Monaten mehr als tausend Besucher auf diesem Blog. Für so ein kleines Würstchen wie mich eines bin, ist dass ganz schön pas mal finde ich hein.
Vielen herzlichen Dank dafür.

Grund Nummer zwei:
Nach dreimonatiger Trennung, nach massiver Verspätung, vielen Nächten voller Angst, was passiert sei, untergegangen auf hoher See? Ausgeraubt und verschleppt von Piraten? Gekapert und verhöckert? Auf nimmer Wiedersehen? Ist nun meine Schifffracht aus der Schweiz heil in Beijing China eingetroffen.
Unglaublich.
Der Zufall wollte es, dass just am gleichen Tag zur gleichen Stunde auch meine hier vor Ort gekauften Möbel eintreffen wollten. Dies führte dazu, dass ich zur Lieferungs-Rush-Hour bis zu 10 Zügelmänner, alle ausgerüstet mit einem Schuhpariser, in meiner Wohnung hatte.
Aber jetzt ist alles da, viel neues und noch viel erfreulicher, all das Alte.
Jetzt mit dem alt bekannten Bett in den vier Wänden, ist es nochmals eine Spur heimeliger.

Und jetzt kommts, zur Feier der heilen Ankunft von allen Utensilien, kam ich zum Schluss, dass dies gefeiert werden muss und zwar mit nichts wenigerem als mit ein bisschen Wein, der zwar geschüttelt, aber auch heil eingetroffen ist und schliesslich getestet werden musste.
Da aber in all den Paketen keiner meiner Freunde aus der Schweiz drin zu finden war, musste ich dies alleine machen und genau DAS ist der Punkt den ich NOCH NIE gemacht habe:
Ich habe für mich alleine eine Flasche Wein geöffnet.
Wenn ich das geschriebene jetzt so lese, ist ja das ein riesen Theater für überhaupt nichts spektakuläres, denn ich kann nicht einmal schreiben, dass ich die Flasche gleich an einem Abend geleert habe... pfff, wie langweilig.

Ebenfalls äusserst erfreulich ist, dass mein über alles geliebter Sitzsack, nicht gemagert, sprich keine "Bölleli" verloren hat, also er noch genau gleich massig ist und ich bereits auf ihm in den Genuss kommen durfte einen Film zu schauen, wo ich herrlich dazu eingeschlafen bin... ganz wie in alten Zeiten.

Natürlich möchte ich euch mein neues Gemach nicht vorenthalten.


Also das weisse hinten ist eine Wand, das braune da rechts und links sind die leeren Kisten, im Vordergrund der Turnschuh und irgendwo schaut noch Homer hervor.
Zugegeben, sehr modern die Einrichtung.

Ich geh jetzt den Wein fertig saufen, seit gestern steht er da so alleine der arme, dem muss jetzt mal einer klar machen, dass er saugut ist.
Adieu.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Bremsverlust

Pigeon ist manchmal ein bisschen übermütig.
So preschte sie mit mir durch die Strassen, mit ansatzweise überhöhter Geschwindigkeit und sah leider gerade nicht, dass der grosse Buick, welcher zuerst den Anschein machte uns freie Fahrt zu gewähren, sich dies noch anders überlegte und in seiner massigen Grösse vor uns stehen blieb.
Der Sauhund der.
Meiner Wenigkeits Können war gefragt und ich musste Pigeon bremsen und zwar so wie ich das bei ihr noch nie gemusst habe.
Ja so sehr eingreifen musste ich, dass es Pigeon gleich ihre Gummisohle vom Bremsschuhsockel sprengte und es diesen in ihren Speichen verhederte.
Glücklicherweise geschah diese Eskapade gleich bei einem mobilen Doktor, welcher seine Praxis am Strassenrand aufgestellt hatte.
Der winkte mich und Pigeon ohne etwas zu sagen zu sich, nahm seine Operationsutesillien zur Hand und machte sich ein meinem schönen Drahtgestell zu schaffen. Der hat an ihr gefummelt, dass ich mich anstrengen musste, meine Eiversüchtsschübe unter Kontrolle zu halten und ihm nicht mit seiner unsterilen Klemmzange eine zu panieren.
Nach knapp 2 Minuten, ohne Öl- oder Schmierfettnarkose, aber mit meiner Assisstenz, hatte Pigeon eine neue Gummisohle samt Bremsschuhsockel montiert.
Gekostet hats 75 Rappen.
Für dieses Heidengeld hätte ich in der Schweiz beim Velomech nichteinmal ein Ventildeckelchen bekommen.

Übrigens, weil wir über die Besuchszeit von Simon und Chandra soooooo viele schöne Föteli von uns und der Nebendarstellerin Peking geknipst haben, hat es ganz vorweihnachtlich eine neue Gallerie geschneit.

Check: www.firstiwasblind.ch/beijing

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Visit is over!

Kennt ihr das Sprichwort?
"Besucher sind wie Fische, irgendeinmal fangen sie an zu stinken!"

Nun, meine wohlriechenden, ersten Besucher haben mich heute verlassen und auch wenn sie gestunken hätten, was sie wirklich nicht haben, ich hätte ihren Gestank liebend gerne noch länger ertragen.
In den letzten Tagen haben wir so viel unglaubliches, amüsantes und unvergessliches erlebt, dass ich gar nicht weiss, was in diesem Blog überhaupt platzt hat.
So lassen wir doch zuerst einmal schlicht ein Bild sprechen:



Und was soll ich mir nun als nächstes vom Hirn schreiben? Vielleicht ein paar kleine Geschichten, den liegt in diesen nicht am meisten Würze mit viel Pfeffer?
Vielleicht wie wir uns durch eine halbe Milliarde (mindestens) Chinesen durchgekämpft haben um unter dem Gemälde Mao hindurch in die verbotene Stadt zu gelangen, welche am Ende von dieser das nett auffordernde Schild aufgestellt hatte "Visit is over!"?
Oder wie Simon beim temple of heaven zum ersten mal in den Geschmack der Zuvorkommenheit (im wahrsten Sinne des Wortes) der Chinesen kam, und durch den von ihnen angeeigneten Charakterzug schlicht sein Rucksack nicht auf das Fliessband zur Sicherheitskontrolle legen konnte, da er immer wieder von etwa halb so grossen Einheimischen weggeschubst wurde?
Oder wie Chandra, als sie entdeckt hatte, dass ihr mühsam erkämpftes VIP-Ticket vom Schwarzmarkt für das laufende Tennisturnier das falsche war, zu der Verkäuferin zurück polterte, den Finger auf sie richtete und voller Emotion klarmachte "Don't cheat me!!!" und diese im Eiltempo sich daran machte das richtige Ticket für Chandra zu besorgen, wo sie, also die Schwarzmarkthändlerin, schlussendlich noch selbst draufzahlen musste?
Oder wie wir einem Nadal Fan erklärten, dass auf seinem Willkommensschild für seinen Star, dessen Name falsch geschrieben war und er diesen von "Nadel", noch auf "Nadal" korrigierte, damit der Satz "Nadal Welcome to China" doch noch richtig war?
Oder wollt ihr nur hören, wie wir im Birdsnest an einer Puccini Oper waren, leider so einiges derart nicht gestummen hatte, zum Beispiel der Lautsprecherturm just nebenan, der uns unerträglich ins Ohr brüllte, oder die Popcornfresser vor uns, die Eingeschlafenen auf der Seite, jener an seinem I-Phone, welcher statt sich der Oper zu widmen, lieber ein Buch las, all die unruhigen Umherlaufenden, oder die Bühe welche für uns zur Hälfte vom anderen Lautsprecherturm verdeckt war, dass wir diese Weltsoper in der Halbzeit verlassen haben?

Ich weiss nicht wo weiter erzählen, denn auf der Mauer waren wir ja auch noch, wo wir die "Do not Trespass" schilder ignorierten und gemütlich auf dem dort von Pflanzen überwucherten Weltwunder weiterliefen.
Oder schon nur unsere Hungerabstecher in die verschiedensten Restaurants, mit unseren ersten chinesischen Sprachgehversuchen (dreimal dürft ihr raten, welcher Satz zum Bestellen Simon als erstes korrekt im Griff hatte: "san ge pijiu" "drei Bier"), wären einen ganzen Blog wert.
Und wie wir aus der ersten Reihe hautnah beobachten konnten, wie Roddick todfrustriert sein Racken nahm und es am Boden zerschmetterte, das ist ebenfalls der Rede wert.

Es hat keinen Sinn, schon jetzt ist dieser Eintrag ein riesen Tohuwabohu, noch ewigs könnte ich so weiter aus unseren 6 Tagen zittieren, deshalb lassen wir doch besser einfach noch ein paar Bilder mehr sprechen, den von denen haben wir viele gemacht, immer ganz ungestelllt und sehr natürlich, genau so wie es sein soll, den wie wir alle wissen, sprechen Bilder mehr als tausend Chinesen und das erst noch in einer Sprache die man versteht.






















Okey, auch Bilder haben wir zuviele, auch da werde ich eine eigene Gallerie für machen müssen.



@Simon und Chandra:
XieXie für aues, absolut hammer gsi, gueti zyt u bis gli!
Zai Jian!

Samstag, 3. Oktober 2009

Panzer und Feuerwerk

Heute nur kurz, denn wie ihr wisst hab ich Besuch.
Hier übrigens ein gutes Beispiel davon, wie sich Besuchende bei mir optimal einschmeicheln können. So bin ich natürlich auch jederzeit bereit, die Gäste noch viel mehr zu geniessen ;-)

Bis zu Weihnachten sollte ich also was das Süsse betrifft, versorgt sein.

Kurz zu unserer Landesgeburtstagsfeier hier.
Nein, ich habe davon nichts mitbekommen, wie eigentlich die wenigsten Chinesen, welche hier leben. Nichteinmal die Kriegsflugzeugarmada, welche über die Stadt gedonnert ist, habe ich gehört.
An die Parade eingeladen waren nur Super-Ultra-Krasse-Oberchef-VIPs (unter anderem unser Botschafter). Alle anderen, selbst jene die unmittelbar an der Paradenstrassen wohnen, wurden in ihre Häuser verbannt und aufgefordert die Festivitäten am Fernseher zu schauen.
So wurde auch das Hotel Grand Hyatt über diese paar Tage von der Regierung diskussionslos übernommen, geschlossen und war nur noch für die zu beherzubergenden VIPs zugänglich.
Am Tag danach und seither ist am TV eigentlich nur noch die Parade zu sehen, in den Zeitungen wird vom "Day of Glory" gesprochen und Bilder von den abartigsten Waffen, unter anderem der "Intercontinental nuclear-capable missile", zieren die Titelseiten.
New China shows its pride to the world.
Also legt euch nicht mit dem Land der Mitte an.

Seit zwei Tagen sind wir brutal unterwegs in der Stadt und ihrer Umgebung.
Das Wetter könnte perfekter nicht sein, so betreiben wir Sightseeing pur, erbarmungslos (mein wortschatz ist so agressiv, hat die Parade doch einen gewissen Hirnwascheffekt auf mich ausgeübt?), und jetzt erst recht wird mir bewusst, wieviel es hier zu zeigen gibt. Auch ich, mit gerade mal zwei Monaten Aufenthalt hier, habe so viel gezeigt bekommen, was es weiterzugeben gilt, dass ich kaum weiss wo anfangen und aufhören mit Besuch herumführen möchte ich sowieso nie.
Wenn man sie also nicht will, dann bekommt man hier die Ruhe nicht.
Apropos Ruhe, der Lärmpegel dieser Stadt ist in diesen Tagen noch um einige Dezibel höher als sonst, die Menschenmasse die ich bis anhin als extrem empfunden habe, je nach Ort wo man sich gerade aufhält, haben sich gar verdoppelt. Es macht auch keinen Sinn, dass ihr irgendwie versucht euch das vorzustellen, denn das sprengt schlicht die Fantasie eines Schweizers, der in einem Land wohnt, wo gerade mal die Hälfte der Einwohner beinhaltet, wie in der gesamten Stadt Beijing.
Aber es ist grandios, ich habe noch nie einen Fleck von unserer Erde entdeckt, wo man gleichviel, oder mehr erleben kann, wie hier auf diesem Teil der Welt.
Wirklich, an einem Tag wie diesem, welcher im Gym begonnen hat, mit der U-Bahn in die Stadt führte, dort von einer Menschenmasse über den Tian'men Platz getragen, in die Qianmen Strasse gedrückt und irgendwie zum Himmelstempel spaziert wurde und von dort über den Nachtmarkt an der Wangfujin, in der unterirdischen Marktallee endete, da stösst man schon an die Grenzen seiner Auffassungsgabe und kratzt an jeder seiner Reizüberflutung.

Nur so als kleiner Leckerbissen möchte ich euch ein abartiges Kunstwerk, welches wir gestern im Künstlerviertel endeckt haben, nicht vorenthalten.
Der Name davon: Emergency Exit
Lassen wir zuerst das Bild sprechen.Ein Stier, welcher wie eine Rakete losprescht und an der Wand ein Menschenstier plattdrückt.
Ja, da macht man sich schon so seine Gedanken, was wohl genau zu welchen Zeitpunkt in seinem Leben, wie gravierend bei diesem Künstler schiefgegangen ist.
Aber es steckt wirklich etwas dahinter, hinter diesem Teil von Kunst.
Wir befinden uns im Jahr des Stiers in China, und was dieses Gebilde zeigen möchte ist, die Zeit geht so schnell voran, dass es seine Bürger zerdrückt.
Aber trotzdem, auf so eine Idee muss man zuerst einmal kommen.
Ich mache mich jetzt an den Wein, den Appenzeller und den Berg Schokolade ran, die ich geschenkt bekommen habe, mal schauen was für Kunst dabei herauskommt, wenn ich das alles auf einmal geniesse.