Mittwoch, 16. Dezember 2009

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Rezept für Rückreise nach Hause in die Ferien (hö?!)

Man nehme:
- 4.5 Monate China
- Millionen von Impressionen
- Tausende Fotos
- 48 (+1) Blogeinträge
- Neue Freunde / Alte Freunde
- Etliche Schöpflöffel Vorfreude
- Ein Suppenlöffel Ungewissheit
- Eine Prise Nervosität
- Und ein Return Ticket Beijing - Bern

- Erhitzen sie die Monate in ihrem Kopf und dämpfen sie die Impressionen.
- Sortieren sie die Fotos. Schneiden sie die faulen Partien raus und vernichten diese. Kochen sie die Fotos für ein paar Stunden bis Monate auf und stellen sie sie dann weg.
- Verteilen sie die Blogeinträge auf die neuen, sowie auch die alten Freunde.
- Löschen sie nun die Ungewissheit mit der Vorfreude ab.
- Würzen sie das ganze mit der Nervosität und leeren sie das Return-Ticket darüber.

Die Zubereitung ist sehr zeitaufwendig, aber das Resultat äusserst schmackhaft.

PS: Für meinen CH-Aufenthalt vom 17. Dezember bis 5. Januar wird auch "Helvetia blogs Konfuzius" in den Ferien verweilen.
Geniesst die Ferien, geniesst das Feiern, geniesst die Weihnachtsguezli und lasst uns fett werden.

Freitag, 11. Dezember 2009

Der Mann in rot

Gestern war es soweit.
Gestern hat die Weihnachtsflut definitiv auch die schweizer Botschaft erreicht.
Die sogenannte "Christmas Reception 2009" wurde ausgetragen.

Fast ausnahmslos war die ganze Botschaft, samt Anhang und Nachfahren, vertreten, soviele Leute wie kaum je zuvor, die Botschaftsresidenz war einmal mehr bis zur beinahe Überspannung der Nähten randvoll.

Eine Show mit diversen Artisten stand auf dem Programm, das meiste davon Zauberer, welche Tische schweben liessen und ihre Gesichtsmasken so schnell verändern konnten, dass selbst Hudini sein Zaubertrickkasten zusammengepackt hätte.
Und dann kam er...
Gerade als die Show sich dem Ende zuneigte hörte man seine Glocke läuten und da er solch einen weiten Weg vom hohen Norden bis nach Beijing zurück gelegt hatte wart ihm und seinem Diener gewährt die Botschaftsresidenz zu betreten.

Schweren Schrittes machte er sich auf zur Mitte des Geschehens und setzte sich dort gebrächlich hin.
Seine Stimme liess in jünger scheinen als er war, doch an seinem gemächlichen Sprachgang erkannte man seine über viele Jahre angeeignete Weisheit.




So packte er sein schweres, rotes Buch aus und begann die Kinder, für welche er diesen beschwerlichen Weg in erster Linie zurückgelegt hatte, zu sich zu zitieren.




Die meisten wurden nur getadelt und durften sich mit einem Geschenk aus dem Staub machen, und doch wusste er bei einigen der Sprösslinge auch etwas zu sagen, wo man sich bis jetzt nicht erklären kann, wie er zu solch geheimen Informationen kommen konnte.




Seine Augen scheinen überall zu sein.


Und so verschwand er genau so geheimnisvoll wie er gekommen war, machte sich wieder auf seine langen Weg wohin auch immer.
Wer weiss, ob er die Botschaft nächstes Jahr wieder beehrt?

Allerdings kursieren bereits die ersten Gerüchte, dass es sich bei dieser ganzen Samichlaus-Geschichte um einen riesen Beschiss handelt!

Gewisse "Insider", welche nicht mit Namen erwähnt werden möchten, glauben beobachtet zu haben, wie sich der System Administrator der Botschaft kurz vor dem Auftritt des "Samichlaus" ein paar Gläser Weisswein reingeschüttet hat und dann plötzlich, TROTZDEM die Show noch in vollem Gange war, verschwand.

Obwohl diese "Beobachter" dies nicht mit hunderprozentiger Sicherheit bestätigen können, glauben sie aber den System Administrator während des ganzen Auftritts des "Samichlauses" nicht im Publikum erblickt zu haben, dieser tauchte erst kurz nach der Darbietung "des Mannes in rot" wieder unter Menge (erneut mit einem Glass Weisswein) auf und wurde vorallem am Dessertbuffet auffällig, wie er sich sein kleines Teller randvoll mit Schoggimouse füllte.

AUCH glaubt einer unserer Korrespondenten vor Ort mitbekommen zu haben, wie der Botschafter zu diesem System Administrator hinging und ihm den sehr verdächtigen Satz zuflüsterte: "Donc, on peut déjà vous fixer pour l'année prochaine?", welches der SA dezent mit einem leichten Kopfnicken goutierte.

Noch sind keine Fakten auf dem Tisch, aber wir bleiben dran, damit wir diesen Schwindel mit handfesten Beweisen auf dem Silbertablett servieren können.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Alt B.

Auf einer Botschaft, da läuft man schon ab und an mal in Prominenz rein, ohne es gross zu merken. Oder vielleicht ist Prominenz die falsche Bezeichnung, sagen wir doch: in Leute die etwas erreicht haben.
Oh nein, das geht ja dann wohl gar nicht, würde das also heissen, dass alle anderen nichts erreicht haben, und sind denn diese etwa schlechter als jene von welchen man behauptet sie hätten etwas erreicht, und würden diese von welchen ich jetzt behaupte sie hätten etwas erreicht dann womöglich zur Rechenschaft gezogen werden dürfen, weil ja die Minaretten jetzt mit oder ohne Lautsprecher trotz allem für ein Verbot und gegen Rassismus nicht erbaut erlaubt sind und dies dem Bären Finn, der gestern gemäss 2o Minuten noch im sterben lag, dem es aber heute gemäss SF schon wieder viel besser geht, schwer auf den Magen schlägt, obwohl ja plötzlich im Chalet von Polanski in Gstaad die Lichter brannten, dieser aber noch gar nicht hätte sollen dort sein dürfen, da ja der Hirschmann jetzt am Pranger steht?

Pardon, da ich ja sonst keine Probleme habe, produziere ich eben etwas viel Lärm um nichts!

Wie dem auch sei, auf einer Botschaft hält man wirklich zwischendurch mal Leuten die Türe auf, die Rang und Namen haben.
Hier einem Oberst, dort einem Staatssekretär, da einer Ministerin.
Und so dann kürzlich, gerade als wir die Botschaft zum Mittagessen verlassen wollten, erklang eine tiefe, massige Stimme hinter uns, wie von einem Bär, der gerade das Sprechen erlernt hat und sich aus seiner mehrjährig bewohnten und gemütlichen Bärenhöhle zum ersten mal etwas vor die Haustüre wagt:
"Guete Tag mitenand, chöit dir mir säge wo mä da zur Residenz chunnt!"
Und es war niemand geringeres als Alt Bundesrat Samuel Schmid.
Der kam mal auf Besuch, einfach so, ganz lescheer.

Vor ein paar Tagen hab ich hier einem wunderschönen Spruch lauschen können, und obwohl dieser jetzt genauso wunderschön, wie der Spruch selbst, auf Bundesrat Schmid zutreffen könnte, hat der wirklich genau so wenig mit Schmid zu tun, wie Minaretten mit der Bleikugel in Finns Magen.

Da steht ein etwas kleinerer Mann vor uns, mit einem umso grösseren Bauch.
Die Kravatte von dem Mann ist ein wenig kurz geraten.
Der einte: "Du, lug mau, däm sini Kravatte isch z'churz!"
Der andere: "*überlegt* Näi... Näi, de Buch isch z'lang!"

Dienstag, 1. Dezember 2009

Montag, 30. November 2009

Suit up!!! (part 1)

Heute werde ich etwas saugemeines machen.
Ich werde euch vom Swiss Ball erzählen.
Ich werde euch erzählen wie lustig dass es war und wie abartig herausgeputzt wir uns dafür haben und am Schluss, werde ich euch Fotos versprechen, die aber erst morgen kommen werden.
Fies!

Eben, Swiss Ball, elegant und so, etwa die halbe schweizer Botschaft vertreten und noch 300 andere Schweizer und Nicht-Schweizer dazu.
Unser Ziel war es, einen Tisch von 10 Personen zu füllen mit Leuten die auch in einer langweiligen Umgebung Stimmung bringen können.
Es ist uns gelungen. Unser Tisch war mit Abstand der lauteste.
Ob wir so die Schweiz diplomatisch vertreten haben? Nein. Dafür war der Diplomatentisch zuständig. Wir haben die Schweiz und ihre gute Laune vertreten.
Viele revolutionäre Sprüche wurden geboten, die meisten davon von unserem Mann aus Chur, Vize-Chef der Visasektion, welcher, wo ihm am Tisch als erstes ein Glas Wasser vor die Nase gestellt wurde und er eigentlich alles andere erwartete und erhoffte in seinem Glas vorzufinden nur meinte: "Warum Wasser?", oder wie galant er den nicht kleinen Gewürzebündel von seinem Fleisch auf den Tellerrand legte und kommentierte: "Dasch für Küngel!"
Zwischendurch gab es irgendwelche ganz formelle Ankündigungen und Vorführungen, die wir aber irgendwie ein wenig verpasst haben, zu guter Letzt waren wir die ersten und die letzten auf der Tanzfläche, wo gar der Botschafter sich vom Takt mitgerissen fühlte und einige von uns sich bis auf die Knie gehen liessen. Das ich zwischendurch gar einen Preis abgesahnt habe, wurde nebensächlich und der Abend war viel zu schnell um für den Aufwand den wir, allem voran die Frauen (4 Wochen vorher Kleid finden, 3 Wochen vorher mit Kleid zum Schneider zum anpassen, 2 Wochen vorher erneut Kleid anpassen, 1 Woche vorher letzter feinschliff am Kleid, 2 Tage vorher Kleid abholen, am Tag des Geschehens 3 Stunden Coiffure und Schminken), gehabt haben.
Aber es hat sich gelohnt und unsere Frauen waren dann auch wirklich die Schönsten.

Und mit diesem Satz ende ich die Berichterstattung des Balles.

Zur Auflockerung und zum zeigen, dass ich nicht nur am festen bin, mal wieder ein richtig chinesisches Erlebniss.
Am Sonntag bei einem Spaziergang durch den Park just hinter der verbotenen Stadt, war plötzlich ein Chor zu hören.
Aber so richtig!
Viele Stimmen, tiefe Stimmen, schöne Stimmen, es klang wie eine Oper, oder die Proben zu einem neuen chinesischen Filmepos.
Es zeigte sich, dass es die chinesische Version der Heilsarmee war, mit dem Unterschied, dass alle mitsingen, das noch beeindruckend gut und es scheinbar das ganze Jahr über praktiziert wird.

der Dirigent

der Männerchor /der Frauenchor













Ohne Probleme konnten wir uns in die Menschenmassen hineinmischen und der Gesangsqualität lauschen.
Die Chinesen scheinen auch die Gabe zu haben, sich nicht einsingen zu müssen. Nicht nur einmal erschrack ich wie plötzlich ein Chinese hinter mir stand und der ohne Vorankündung und Stimmbandeindehnung inbrünstig anfing zu singen.

Etwas weiter im Park wurde, nebst den Gesängen, noch getanzt und einmal mehr war bewiesen, in Peking muss man nur ein paar wenige Schritte vor die Haustüre machen und man läuft in eine Überraschung nach der anderen.

Mittwoch, 25. November 2009

9 gleich Alkohol

Langsam aber sicher bekomme ich "ein Gespür" für die chinesische Sprache.
Und damit meine ich weder, dass ich es schon verstehen, geschweige denn sprechen kann, nein, ich bin lediglich einen weiteren Sinn am entwickeln um diese Sache zu handhaben.

Das habe ich sicherlich nicht zuletzt meiner chinesisch Lehrerin zu verdanken, welche mittlerweile akzeptiert hat, dass ich schaurig lan (faul) bin und bu chang (nicht oft) zai wo de jia (zuhause) xue xi (lerne) han yu (chinesisch).
Da sie aber hen cong ming (sehr schlau) ist und erlickt hat dass ich feichang cong ming (äusserst schlau) bin, kommt es schon you shi hou (manchmal) vor, dass sie nur chinesisch mit mir shuo (spricht) und ich es sogar ming bai (verstehe), was ja aber auch fast Voraussetzung sein sollte, da ich immerhin yi ge xing qi lai xue xiao lang ci (zweimal pro Woche in die Schule gehe)!

Trotzdem stosse ich immer wieder an Grenzen und bin einfach erstaunt, dass sich die Chinesen so gut verstehen untereinander.
Denn...
Nein moment ich muss etwas ausholen. Ich lerne ja nicht die chinesischen Schriftzeichen, leider... jaja schon gut, irgendwann dann vielleicht mal... aber im Moment lerne ich Chinesisch in Pinyin. Das ist eine vereinfachte Version um die Sprache zu lernen, ohne deren Zeichen, also in unserem standard ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ.
Da es aber so einiges an Zeichen gibt (10'000 ist nur so ein Richtwert) und diese vorallem Betonungslastig sind, werden unsere Zeichen noch mit Betonungszeichen (Zeichenzeichen, überall Zeichen) versehen, davon gibt es 4 offzielle und 1 inoffizieller.
So wird z.B. mein chinesischer Name "Zhu Man Kai", im ersten und zweiten Wort im 4. Ton ausgesproch und das letzte im 3.
Ming bai ma? (Verstanden?)

Wenn nicht heisse ich euch willkommen im selben Boot.
Allerdings habe ich bereits ein Retungsboot gekappert und entferne mich nun langsam von euch.

...Aber eben, jetzt gibt es doch tatsächlich Wörter, die genau gleich geschrieben sind und die genau gleiche Betonung haben, aber etwas anderes bedeuten!!!
Ich meine, da hört doch jedes Verständnis auf oder nicht?!
So kann zum Beispiel "lou" im 2. Ton "Gebäude" und "Stock" heissen.
Oder "jia" im 1. Ton "Familie", oder "Zuhause".
Oder eben "jiu" im 3. Ton "Alkohol" und die Zahl "9".
Nicht auszudenken wäre das Gestürm, wenn es an der Bar einen Drink gäbe welcher "jiu" heissen würde und man von diesem noch gleich 9 Gläser bestellen möchte.

Auf meine Frage hin, was der Unterschied macht zwischen den genau gleich geschriebenen und genau gleich klingenden Wörtern, antwort meine Lehrerin jeweils:
Oh, different Symbol!
Aha!
Also muss ich wohl oder über, früher oder später, hin oder her, doch noch die Zeichen lernen.

PS: Ein kleines ps zum Schluss, heute in 3 Wochen sitze ich im feiji (Flieger) richtung ruishi (Schweiz).

Sonntag, 22. November 2009

Beschilderungswahn


Hier gehts immernoch eisig zu und her.
Und es hat etwas enorm eindrückliches wie schnell die Gewässer in dieser Stadt von einer Eisschicht überdeckt werden. Wo es in der Schweiz einiges unter Null braucht, bis schon nur ein "Glünggli" gefroren ist, passiert das hier bei einem Teich der grösse des Egelsees quasi über Nacht.
So kommt es, dass die Fischer am künstlich angelegten Kanal mit grossen Steinen Löcher in die Eissischt trümmern müssen, um ihrem Hobby immernoch nachgehen zu können.
Und obwohl man aus dieser Einleitung etwas ganz tiefgründiges erwarten könnte wie "du bewegst dich auf dünnem Eis", muss ich in dieser Hinsicht enttäuschen, denn ich habe hier viel interessanteres gefunden als dieses eisbrechende Schild...

...nämlich dieses Schild:


Der "Fresh Air Room", entdeckt in einem Wohnblock.
Da könnte man jetzt einiges drüber spekulieren. Es könnte sich zum Beispiel um einen Raum handeln, wo vom Ministerium für frische Luft empfohlen wird, mindestens 1 mal pro Tag da drin tief Luft holen zu gehen.
Oder vielleicht ist der Raum nur für Taucher.
Oder vielleicht verbirgt sich hinter dieser Tür ein Dschungel, oder eine gefälschte berner Alp.
Oder vielleicht war auch einfach einmal ein chinesischer Architekt in einer europäischen Stadt und hat dort den Begriff "Luftschutzkeller" etwas falsch aufgefasst.
Oder vielleicht erwartet ihr jetzt die Wahrheit meinerseits über diesen Raum, welche ich jedoch nicht liefern kann, da die Tür verschlossen war.
Ich bleib dran!


...dann war da noch dieses Schild:


Entschuldigt die miserable Qualität. Erkennt ihr es?
Dabei handelt es sich um die männlein- weiblein Beschilderung für das jeweilige WC. Aber seht ihr den Trick? Der dazugehörende "Töggu" ist durchgestrichen, wie ein Verbot.
Und jetzt, wo würdet ihr spontan rein gehen um euch eurer Blase oder Darm zu entledigen?
Vielleicht ist die schlechte Qualität des Fotos gar nicht so ungünstig, denn diese Toilette befindet sich in einem Club, wo man halt auch trinkt und so und dann die logische Folge daraus ist, dass man mal Wasserlassen muss und das noch bei eingeschränkter Auffaussungsgabe.
Ich jedenfalls bin natürlich prompt dort rein wo der männliche "Töggu" angeschrieben ist, ohne zu überlegen, dass es sich bei dem Schild ja um ein VERBOTSSCHILD handelt. Eine Busse habe ich zum Glück keine erhalten, ich kam mit einer leichten Verwarnung davon.
Es schien aber als war ich bei weitem nicht der Einzige, der in dieses Vergehen reingerast ist, denn bei einem zweiten Besuch stand bereits eine Angestellte dort, welche die Ankömmlinge von Anfang an artgerechte einteilte.

Montag, 16. November 2009

Nid Spinne!

Ich muss da kurz in die Gerüchteküche eingreifen, denn der Dampfkochtopf fängt schon an zu pfeifen!

Nun, die Dame die neben mir im Theater sass heisst Katharina Peter, ist 39 Jahre alt, das selbsternannte "Mädchen der Botschaft" ("d'meitä") und glücklich verheiratet mit ihrem Mann namens "Torsten".
Nicht das da nicht trotzdem etwas möglich wäre... aber nein!
Dieses ganze Thema ist vorerst für mich schubladisiert und zwar im Register "Z", wie "Zuhinterst".
Also mal schön am Boden bleiben da in den Alpen, ich würd doch nicht schon jetzt mit einer hübschen Chinesin im Gepäck unter dem Tannenbaum auftauchen... ;-)

Apropos Weihnacht, schon den neusten Gossip gehört?
Der alljährlich kommende Weihnachtsmann der schweizer Botschaft in China hat scheinbar seinen Dienst gekündet, es wurde aber ein würdiger Nachfolger gefunden.
Viel konnte man bis anhin nicht über ihn in Erfahrung bringen, er komme von weit her sagt man, seine Stimme sei sehr sanft und für einen Weihnachtsmann sei er etwas gar schlank, sein chinesisch sei auch noch verbesserungsdürftig, jedoch traut man seiner sportlichen Statur unter dem dicken Mantel und dem Kissen als falschen Bauch durchaus zu, ein unartiges Kind im Sack davonzutragen.
Und einer seiner Gehilfen schwört einmal rötliches Haar unter seiner weissen Perücke hervorschimmern gesehen zu haben.

Man darf gespannt sein...

Samstag, 14. November 2009

Alles Theater

Kritik wurde laut!
Kritik, dass nicht mehr ganz so regelmässig ein neuer Blogeintrag auf meinem öffentlichen Tagebuch erscheint.
Dafür möchte ich mich eigentlich nicht entschuldigen, sondern mich erklären.
Da ich mittlerweile nicht schlecht vom pekinger Fahrtwasser erfasst wurde und nun schon quasi in der Mitte des Flusses schwimme, bleibt mir schlicht nicht mehr ganz so viel Zeit zum schreiben, wie es Anfangs mal der Fall war.
Nehmen wir diese Woche als Beispiel.
An keinem Abend kam ich dazu neugeschriebenes zu publizieren, nein moment, stimmt zwar nicht ganz, an einem Abend hatte ich Zeit und prompt fand sich eine neue Geschichte elektronisch per Falschenpost übermittelt.
Aber besucht den Seefahrer im fernen Osten nur weiter, euch tuts gut und mir gibt es ein Hobby.

Übrigens, hier weihnachtets sehr.


Es hat wieder geschneit, saftige 10cm, diesmal vielleicht gar göttlich und nicht chemisch.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal so in Weihnachststimmung war. Hat wohl mehrere Gründe, nur noch 4,5 Wochen bis zu meiner ersten Rückkehr, der Schnee, die Kälte und das erste Fondue der Saison.
Wahrhaftig, wir hatten hier das erste Fondue!
Neinnein, kein Hotpot, wie man hier das berühmt, berüchtige "Fondue-chinoise" nennt, nein, so richtig mit Käse, moitiémoitié, Brot in Kirsch getunkt und bei Brotverlust gesungen!
Fehlen nur noch die Geschenke und dann kann Weihnachten kommen.

Jetzt noch eine Frage zum Schluss:
Was haben Schiller und Peking gemeinsam?
Genau, sprachlich verstehen sie sich nicht.
Trotzdem ist es zum 250. Jubiläum von Schiller so, dass er es mit seinem Stück "Kabale und Liebe" nach Peking geschafft hat.
Wir fanden uns also gestern im Theater wieder (in Peking) wo ein deutsches Stück (in Peking), in deutscher Sprache (ja, immernoch in Peking), mit deutschen Schauspielern (PekingPeking), aber mit chinesischen Untertitel (Peking I love you) aufgeführt wurde.
Sehr dramatisch das ganze. Da steckte so viel Drama drin, dass mir die Augen zu gefallen sind. Aber der Schlaf kam nicht vollends über mich, genau wie die Akteure auf der Bühne für ihre Gefühle kämpften, kämpfte ich gegen den Schlaf und, im Gegensatz zu dem Liebespaar der Aufführung, gewann den Kampf.

Mitten in meinem eigenen Kampf blickte ich kurz zu meiner Nachbarin und, man staune, sie hatte den Kampf verloren und war dem Schlaf komplett verfallen. Fehlte nur noch der Sabber an der Lippe und das Bild wäre perfekt gewesen.
Zu ihrer Verteidigung muss man sagen, dass sie schon 3 Jahre hier in Peking ist und ein paar chinesische Allüren wohl angenommen hat, so wahrscheinlich diese Gunst immer und überall schlafen zu können.

Und jene Stimmen, die jetzt laut werden und mich als "Banause" betiteln, weil ich während diesem weltberühmten und hochpikanten Stück gegen meinen inneren Sauschlaf ankämpfen musste, kann ich nur sagen, ihr habt ja recht, ein Banause bin ich und langsam noch ein chinesischer dazu.

Montag, 9. November 2009

Pure Lotus

Aufgewachsen in einem Restaurant, und mit Vater und Mutter aus dem Gastgewerbe, fühle ich mich quasi wie verpflichtet und berufen hier ein paar Worte über dieses Metier zu verlieren.

Negativ zuerst.
Die Überlebenschancen von Restaurants in Beijing beträgt in etwa 2 Jahre. Danach wird es entweder einfach stehen gelassen, bis es von verschiedenen Tieren erobert und zerstört wurde, oder es wird, nicht selten vom gleichen Inhaber, niedergemacht und mit neuem Konzept, neuem Schwung, neuem Budget und anders gekleidetem Personal neueröffnet.

Die Palette an "fan guan" wie diese Restaurants zu chinesisch genannt werden (ausgesprochen "fan guan(r)", erstes Wort im vierten Ton, zweites Wort im dritten) ist, wie die Stadt selbst, U-N-E-N-D-L-I-C-H!
Auch beachtlich, es ist einer meiner längsten Aufenthalte im Ausland und ich wurde, entgegen allen brutalen schon im vornherein magenverstimmenden Schauermärchen, von jeglichen Magenverstimmungen bis jetzt verschont (Für jene die es interessiert und somit vielleicht auch begreifen, ich habe soeben meinen Kopf angefasst) und ich habe keine Scheue gezeigt, auch mal am Strassenstand etwas zu essen.

Hier eine kleine Anekdote:
Die Chinesen wissen ja wirklich wie sparen. So kam einer auf die ganz schlaue Idee, das Übermass an Essensresten die es in dieser Stadt gibt zu sammeln, in einen Topf zu schmeissen, mit einer gewöhnlichen Friedhofsgärtnerschaufel selbst in diesen Topf, barfuss versteht sich, hineinzustehen und das Öl abzuschöpfen und billig weiterzuverkaufen zur Wiederverwendung.
Mmmmmhhhhhhh, öl!
Man muss und sollte nicht immer alles wissen was hier abgeht...

Oh, da kommt mir gerade noch eine zweite Anekdote in den Sinn:
Für Hotel gibt es verschiedene chinesische Wörter.
Eines davon lautet "jiudian" (tschiooooooooodiän)!
Dieses Wort besteht aus zwei Wörtern: Jiu und dian. "Jiu" steht für Alkohol und "dian" steht für "shop".
Geht man in ein Hotel hier, wohnt man also in einem Alkoholshop.
Auf meine Frage hin woher denn das komme, meinte meine Lehrerin: Na ja, früher wenn man unterwegs war und müde wurde, dann hielt man Ausschau nach einem Platz zum Schlafen, zum Essen, zum Ruhen und ja... halt auch zum Saufen.

So, der Faden habe ich jetzt vollends verloren, der Sauhund der ist schon über alle Berge.
Wie dem auch sei, was ich eigentlich erzählen wollte ist, letzten Samstag waren wir im besten Restaurant, das ich hier in meiner pekinger Zeit erleben durfte.
Eben, "Pure Lotus" und so, genau, der Name halt.
Das Konzept, simpel. Nämlich, vegetarisch.
Für all jene die es nicht wissen, nein, ich bin kein Vegetarier, oh nein, zwischendurch mal ein "flachgebrätschtes" Wiener-Schnitzel, botztussig, dem steht also kein schlechtes Gewissen im Wege. Aber ich respektiere die Vegetarier, sehr sogar. Und ich werde jeden einzelnen von denen in dieses Restaurant ausführen.
Beim Eingang werden einem als erstes die Hände gewaschen.
Man wird an einem viel zu grossen Tisch geführt, was seinen Grund hat, denn schon nur die Getränkekarte ist ca. 1 Meter breit.
Man kann alles bestellen, Fisch, Schwein und Poulet.
?!?!?
Jaja, weder ich habe mich falsch ausgeschrieben, noch habt ihr die falschen Linsen montiert.
Wir bestellten Fisch, der kam auch, sah auch aus wie Fisch, hatte die Konsistenz von Fisch, war Fisch, aber eben doch nicht. Irgendein MischMasch aus Bohnen, zum Glück KEINEM Tofu, und sonstigem Vegizeugs.
Überall riecht es herrlich frisch, die Musik säuselt einem in den Halbschlaf, alles wird in gezielt ausgelesenen Behältern, Tellern und Schalen serviert, so hat man vor sich eine Muschel als Teller.
Das Highlight, zum Dessert, nebst Schoggi- und Rüeblichueche, ein von Eisrauch rauchnender Topf voller Minimanderindli, die wirklich, aber noch so richtig nach Manderindli geschmeckt haben.
Wie das mit dem Tee funktioniert hat, der in einem Behälter bestehend aus zwei Behältern serviert wurde, wo der eine davon mit dem Wasser darin erhitzt wurde, dieser plötzlich kippte und das heisse Wasser in den wasserlosen Behälter mit den Kräutern floss, dort kurz blieb um am Schluss wieder in den heissen Behälter zurück zu fliessen, damit mag ich euch gar nicht erst plagen.

Zum Abschied bekommt man eine Lotus-Blume geschenkt.
Und übrigens, dieses Restaurant gibt es für pekinger Verhältnisse schon ewigs: satte 5 Jahre.
Ah voilà, und da wär er auch wieder der verlorene Faden.

Donnerstag, 5. November 2009

Let it snow, let it snow, let it snow

Man erinnere sich kurz an meinen letzten Blog Eintrag.
Genau, der Schnee und so.
Die Überraschung war gross, die Freude verteilte sich bei den Leuten so "plus ou moins".

Und was lese ich da plötzlich, notabene noch in einer CH-Zeitung, der Schnee war gar nicht echt!
Also halt, Korrektur, der Schnee war schon echt, aber er fiel nicht natürlich vom Himmel, nein, er wurde dazu genötigt.
Ein paar... ja was sag ich da, "ein paar" ist gut... 400!!! mit Silber-Sulfat gefüllte Raketen wurden gegen Himmel geschickt um die vorbeiziehenden Wolken ein wenig zu kitzeln und zum regnen zu bringen.
Das ist noch gang und gebe, weil hier das Klima äusserst trocken ist und sowieso schon absolute Wasserknappheit herrscht, ja in Beijing gar derart knapp, dass armen umliegenden Dörfern das Wasser diskusionslos abgezapft wird, wird jede passierende, potentiell wassergefüllte und zum regnen bereite Wolke mit diesen Raketen vom Wetterministerium Chinas bombadiert und so zum Wasserlassen motiviert.
Das ganze geht übrigens auch umgekehrt, so gesehen an der Eröffnung der Olympiade:
Raketen für einen klaren Himmel!

Was sie leider von Samstag auf Sonntag nicht berechnet haben, ist der Temperatursturz.
Aus Wasser wurde Schnee.
Aus einem geplanten Segen wurde das unerwartete Chaos.
Schon nur der Fakt, dass Winterreifen hier nicht sehr verbreitet sind, führte zu Unanehmlichkeiten, von der schweren, weissen Last geknickte Bäume versperrten unzählige Strassen, der Flughafen wurde für ein paar Stunden lahmgelegt und etliche Flüge mussten verschoben, oder gar abgeblasen werden.
Das Resultat von diesem Patzer ist ein Schaden in millionenhöhe und trotzdem sind sie elend stolz darauf, dass sie als bisher einziges Land der Natur ihren Job streitig machen können und machen ihr erreichtes auch demnach publik, siehe da, bis zur Mutter Helvetia.

Anfangs war ich über diese Naturbeeiflussung noch geschockt, jetzt sehe ich es schon ein wenig anders, so in etwa wie eine ganz moderne Bewässerungsart.
Hoffe nur, dass sie weiterhin die genau richtige Mischung aus Chemie verwenden, denn scheinbar, wenn diese zu schwer berechnet würde, fällt sie zu Boden, auf des Passanten seinen Kopf und lässt ihm die Haare ausfallen und ein drittes Ohr am Bauchnabel wachsen.
Sollte es soweit kommen, wäre es dann wohl wiederum die Natur, welche sich ins Fäustchen lacht.

Montag, 2. November 2009

It's gettin' cold in the kempinski

Der Titel lässt vieles erraten.
Zum einen ist die vollends gelungene Einweihungsparty meiner 4 und mehr Wänden überstanden. Die Leute hatten ihren Spass und ich hatte vorallem eine grosse Rechnung.
Das war ein Witz! EIN WITZ!
Wir hatten alle unseren Spass, so auch ich, trotz Rechnung, es wurde in einem atemberaubenden und tinitusbeschwörendem Pegel diskutiert und gelacht, in einer beachtlichen Geschwindigkeit getrunken und in einer nicht minder eindrücklichen Art und Weise alles bereitgestellte Essen zu Nichte gemacht. Alles blieb anständig, so hat auch niemand gekotzt, oder wenigstens nicht bei mir. Und plötzlich war es zwei Uhr morgens, über die Hälfte der Gäste nach wie vor in der Wohnung, welche ich geschickt mit dem Vorschlag in den Ausgang zu gehen von einer noch längeren Bleibe abhalten konnte.

(Mit denen zwei links auf dem Bild ist nicht zu spassen... mit dem rechts schon eher)

Zum anderen...
Dann kam der Schnee!
Das glaubt mir jetzt wohl niemand oder?!
Trotzdem dass ich am anderen Ende der Welt verweile, ist es mir, in enger Zusammenarbeit mit Wasser und Kälte, gelungen den Schnee in den Niederungen noch vor euch zu spüren.
Beijing war weiss!!!
Und es kam ziemlich plötzlich. Am Samstag noch draussen im T-Shirt Tennisgespielt, am Sonntag bei Minusgraden durch den knarrenden Schnee gewatschelt.
Der Herbst wurde hinterhältig hintergangen, betrogen und schlicht vergessen.
Darunter litten vorallem die Bäume, welche noch gar nicht dazu gekommen sind ihre Blätter abzuschütteln und somit viele von diesen Artgenossen ihre Ärmchen dem Schicksal überlassen mussten.

Für mich ganz speziell komisch daran ist das Bild der eingehüllt und vermummten Asiaten.
Bis anhin war ich immer in warm, bis äusserst heissen asiatischen Ländern unterwegs und beobachtete dabei auch ausschliesslich demnach bekleidete Asiaten, hier aber plötzlich begegne ich auf der Fahrradspur fahrenden Winterkleidersortimenten aus einem Schaufenster, getragen von einem munzigen Asiaten alleine.
Schon mal einen Chinesen in einer fetten Helly Hansen Daunenjacke gesehen?
Nicht?!
Kein Wunder, den sieht man dann auch nicht mehr, das ist nur noch Jacke.

Zu guter Letzt...
In letzter Zeit ist es kalt im EDA.
Es spuckt fast ein wenig, denn seit gut einer Woche werden wir von einem "Virus" (*huch* "jessesgott") geplagt.
Einige von euch haben mich schon darauf angesprochen, ob wir hier davon betroffen sind und ob ich dadurch sonderlich gefordert werde.
Nun, ja wir sind betroffen, ziemlich sogar, letzten Freitag hatten wir wegen dieser Supermade die in unseren System rumspuckt einen Komplettausfall aller Systeme. Mir wurde dann natürlich auch die Bude eingerannt und ich hab getan was ich konnte, bis alles wieder lief.
Klingt jetzt sehr heroisch, aber machen konnte ich nicht viel, und das Wenige dann auch nur in Zusammenarbeit mit Bern, welche ich aus ihren Träumen reissen musste.
Leider kann ich euch nicht viel über dieses Ding und seinen Zweck erzählen, wahrscheinlich wisst ihr von Tagesschau und Zeitung mehr als wir hier und was ich mehr wüsste, aber nicht tue und somit dieser Satz so überflüssig ist wie der Herbst bei den Jahreszeiten, dürfte ich es euch natürlich nicht sagen.
Aber die Küche der Gerüchte brodelt natürlich in die Höhe bis es Spritzflecken gibt, da wurde schon alles beigemischt, über Spionageattacke, bis zur Lybien-Affäre.

Gegen Mitte dieser Woche haben sie wieder einen Temperaturanstieg von 10 Grad prognostiziert, mal schauen, vielleicht bekommen unsere erkälteten Systeme auch etwas davon ab.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

It's gettin' hot in the kempinski

Mir ist aufgefallen, dass hier die Taxifahrer nie Musik hören. Nein, sie hören, und das weiss ich nicht nur von hören sagen, sondern vom selber hören sowohl auch vom gesagten, immer Hörspiele übers Radio. Meist ist es irgendeine sich überschlagende Stimme, welche eine der vielen Geschichten, welche China zu erzählen hat, herunterleiert. Sehr anstrengend und hält definitiv vom Sekundenschlaf ab, wie den Fahrer, so auch den Fahrgast.

Aber eigentlich wollte ich etwas anderes schildern.
Es geht, erneut (wie langweilig) ums feiern. Ich erzähle ziemlich viel vom Feiern nicht? Und da hab ich noch nicht einmal vom Ausgang erzählt.
Nun, wie dem auch sei, auch diesmal habe ich gute Gründe dazu, denn meine Wohnung muss, wie es bei den Schiffen so üblich ist, mit der Flasche getauft werden.

Dazu gibt es eine "Housewarming Party" und ihr seit ALLE dazu eingeladen.
Wir treffen uns am Samstag 31. Oktober (ja Halloween, ja Zufall) um 20:00 Uhr, im Kempinski jiudian, Apartement 422.
Zeigt euch von der besten Seite und nehmt eure bessere Hälfte auch gleich mit.

Es sind bereits 27 Leute angemeldet, es könnte also durchaus eine grosse Sause geben. Eigentlich wollte ich ja die ganze Botschaft einladen, samt Botschafter, da ich nun nach 3 Monaten glaube ich definitiv sagen kann, ein schwarzes Schaf befindet sich keines darunter und das passt dem einen roten Schaf in meiner Wohnung sehr, aber nicht nur hätten diese 70 Leute keinen Platz bei mir gefunden, sondern wäre dann mein wertvoll importierter Wein auch bei der Wohnungswillkommenseinweihungsfeier gleich verabschiedet worden.
Deshalb habe ich eine schwerwiegende Selektion getroffen, alles in Anbetracht, dass ihr Schweizerlein auch dabei sein könnt.
Also enttäuscht mich nicht.
See ya all on Saturday!

Und für alle jene die jetzt denken, "üüüü der würde aber staunen wenn plötzlich wirklich jemand aus der Schweiz anklopfen würde", ja das würde ich, aber da es ja sowieso niemand macht...
Und für alle jene die jetzt denken, "jetzt sollte man es ihm aber wirklich zeigen, damit ihm die Augen aus dem Kopf fallen, wenn er uns sieht", sag ich nur, tut euch keinen Zwang an.
Und für all jene die jetzt genug gedacht haben und sich just sicher sind, dass sie sowieso nicht kommen können, sag ich nur, alles Luschen!

Cheers!

Sonntag, 25. Oktober 2009

Patriotismusförderung

Ich möchte kurz ein wenig blöffen, denn wenn verdient, dann darf blöffen erlaubt sein.
Lassen wir das Bild, welcher Grund zum Blöff ist sprechen:


Jawohl, eines unserer Staatsoberhäupter war bei uns zu Besuch.
Die Frau Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.
Sie war zu Besuch mit ihrer Delegation und wurde Anlass auf der Botschaft mal die (Wein)Korken knallen zu lassen. Alle in Beijing, oder waren es jetzt ganz China... hmmm, jedenfalls etliche Schweizer wurden eingeladen, und die Landeswehr aus Freiburg, samt Trompeten, Trommeln, Fahnenschwinger und Alphörnern, kam gleich mit.
Mein Ziel des Abends war ein Foto mit der Bundesrätin. So fragte ich einmal scheu bei unserer Ministerin von der Botschaft nach, ob denn dies möglich sei, ob das im Vornherein abgeklärt werde müsse, Bewilligung einholen, Pass zeigen, Fieber messen, oder ob ich da sogar selbst hingehen und frage dürfe, ohne gleich von den Leibwächtern abgeknallt zu werden.
Sie werde schauen hiess es. Zwei Minuten später kam sie zurück und fragte, ob ich den Föteler parat habe, claro que si, der war ready.
Just bevor es losging, konnte ich die Ministerin gerade noch fragen, ob man die Frau Bundesrätin, mit Frau Bundesrätin ansprechen müsse, ihr reichte es knapp dies mit einem Kopfnicken zu bestätigen, als Frau Widmer-Schlumpf vor mir stand.
Ich "Grüessäch Frau Bundesrätin"
W-S "Grüessäch..."
Irgendeiner, hab nicht gesehen wer, ging alles so schnell "Das isch der Herr Tschuy, ä Botschaftsagsteutä"
W-S "Freut mi, was hättet dir gärn?"
Dann folgt der Dialog mit der Frage fürs Foto, klar kein Problem, Foto wurde vorbereitet, da kam die Anweisung vom Fotografen "Chöit dr no chli zämerücke?"
Da fragt mein Kollege Links auf dem Foto, Endre Adorjani, ein Visaangestellter, die Bundesrätin "Ja, isches erlaubt?" und deutete darauf etwas näher zusammenzurücken.
W-S "Ah ja sicher, gar ke Problem!"
BLING, Foto gemacht, Vielen Dank, Bitteeeee Adeeeeee

Aber wirklich, Frau Widmer-Schlumpf war extrem sympathisch, sehr unkompliziert, absolut menschlich, es wäre gar nicht nötig gewesen im Vorfeld abzuklären für ein Foto, die hat sowieso ständig mit allen geredet und posiert für Erinnerungsbilder. Leibwächter gab es keine auffällige, ein paar Leute waren immer mit ihr, aber ich glaube das waren eher Kollegen.
Als dann eine Kollegin, wo ich für sie das Foto mit der Bundesrätin schiessen musste, Frau Widmer-Schlumpf fragte, ob das hier nicht enorm der Stress sei für sie, meinte diese nur, nein, dass sei alles halb so wild.

Nach diesem Treffen bin ich noch eine Spur patriotischer geworden und als die Landswehr die Schweizer Hymne anstimmte, da spürte ich wie meine Rechte Hand leicht in Richtung Herz zuckte und sich da rauf schleichen wollte.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Stinkbomben

Lasst uns über Früchte sprechen.
Klingt wie in der Kirche:
Öffnet eure Bücher der Psalmen liebe Gläubige und lasset uns das Lied der Früchte singen.

Hier gibt es eine Frucht, sehr ausgeprägt vorallem im Botschaftsquartier, ich weiss leider nicht wie sie heisst, habs mal gewusst, war chinesisch und somit schwierig zu merken, jedenfalls irgendein Wort wo man die Zunge dazu bis an die Zerrgrenze dehnen muss damit es korrekt ausgesprochen wird, und diese für uns namenslose Frucht, die stinkt und zwar brutal.
Ich wurde vorgewarnt, Schauermärchen bekam ich schon vorher zu hören von meinen lieben Kollegen, "ui, jetzt fängts dann wieder an zu stinken wenn die *hier käme der chinesische Namen rein* von den Bäumen fallen".
Trotz heiliger Einleitung, habe ich dies ungläubig wie ich bin, nicht geglaubt.

Dann kam Wind auf.
Und ich musste während und mit dem Wind in meinen chinesisch Unterricht.
Zu dunkler Stund.
Mit Pigeon allein.
Die Früchte vielen vom Winde weggezerrt von den Bäumen und es stank.
Es stank als hätten sämtliche Botschaftsmitarbeiter von Botschaften aller Welt auf die Strasse geschissen.
Ohne Scheiss, oder doch, mit Scheiss, aber nur vom Gestank her.
Ich traute meinen Augen nicht, und meine Nase hat mir sogleich den Dienst gekündet.

Als wäre dies nicht genug, kamen dann noch die Chinesen, die lieben Chinesen die aus allem Geld schöpfen können, irgendwie und plötzlich aus dem Nichts, und fingen an die Früchte auf der Strasse und überall einzusammeln, denn man kann sie verkaufen diese Stinkbomben, zu gutem Preis, sie seien gesund sagt man, senken den Blutdruck und normalisieren den Cholesterinspiegel.
Plemplem vom Gestank musste ich auf alles herab also zusätzlich noch aufpassen keine Chinesen zu überrollen.

Zu dieser Stinkfruch die gerade Hochsaison hat, gibt es ein schönes Pendant: die chinesische Dattel (HA! Hier weiss ich den Namen).
Ganz munzigklein sind sie und schmenken wie miniatur Äpfel.


Und somit wären wir wieder bei der Bibel, denn die Stinkbombe, eh die Dattel, eh der Apfel spielt ja, so sagt man, da eine wichtige Rolle und somit habe ich mich entschieden vom Apfel, eh von der Dattel, eh von den angebotenen Stinkbomben die Hände zu lassen.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Neue Freunde

Jemand hier feiert ein Comeback.
Niemand geringeres als meine Nikon D50.
Läckdumir hab ich sie vermisst, wunderschön ist es wieder mit ihr Fotos schiessen zu dürfen, die Bilder werden einfach bunter, lebhafter, schöner und... ja auch kitschiger.
Voilà.



Und das Ausmass der Kitschigkeit hat nichts mit dem Fotografen zu tun, dass war nur Verdienst chinas und der Kamera.

Stimmen wurden laut, dass ich nie was vom Alltag schreibe.
Daran arbeite ich.
Auch hallten die Stimmen nach, dass ich bis anhin nichts über meine sportlichen Tätigkeiten zu berichten hatte.
Auch daran arbeite ich.
Und die lauteste von allen Stimmen, nämlich diese von der alumierten Palmolive, schrie nach Bildern von meinen Räumlichkeiten.
Da habe ich in letzter Zeit am meisten dran gearbeitet.

Aber solange die Wohnung noch nicht samt Tüpfelchen auf dem i und Schlagobershäubchen mit Kirsche oben drauf bereit steht, präsentiere ich gar nichts.
richtig gelesen, GAR NICHTS!

DOCH OKEY, etwas präsentiere ich gerne.
Ich habe nämlich zwei neue Kumpanen in meiner Wohnung. Haustiere sozusagen.
Eine Sau und ein Schaf!
Genau, nebst den zwei Enten, wo eine davon immernoch auf der Suche nach der schönsten Toilette ist, kamen jetzt, gar nicht zur Freude der Quietschtierchen übrigens, noch andere ganz funktionale Zoomitglieder dazu.

Stolz präsentiere ich: GREENEY WEENEY



Und: PUZZY


Puzzy ist weder Provokation noch Anspielung, der Name kommt daher, dass man dieses knallrote, leider nicht Gummi, aber Holzschaf, wie ein Puzzle auseinandernehmen kann.

Und wer jetzt denkt, du meine Güte, der Marco der sucht sich ja lauter imaginäre Freunde zusammen, zuerst Pigeon, dann spricht er von der Kamera wie von einer Person und jetzt hat er noch unlebendige Haustiere bei sich, hat den der keine Freunde gefunden?
Doch, er hatte Freunde gefunden, aber manchmal spinnt er halt einfach ein bisschen und probiert sich als Märchentante.
Aber wie gesagt, diese zwei Geschöpfe sind voll funktional, denn das Schaf hütet unter seiner Wolle Bücher und die Sau versteckt in seinem Mangen CDs.
Kein Grund zur Sorge also.

Und jetzt gehe ich mich noch sportlich betätigen mit dem "Heugümper"! ;-)

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Ankunft des Anhangs

Einmal, nein gleich zweimal mehr, gibt es Grund für mich zum Feiern. Diesmal gar so fest, dass ich etwas getan habe, was ich noch nie, versteht ihr, NIE, in meinem Leben vorher gemacht habe.
Aber erst mal der Reihe nach.

Grund Nummer eins:
Wir haben die Tausend geknackt!
Oder wahrscheinlich sollte ich eher sagen, ihr habt die Tausend geknackt.
Nicht tausend Nüsse, auch nicht tausend Rätsel, oder tausend Passwörter, weder Tresore mit tausenden von Franken drin, wo mehrere tausend Panzerknacker scharf darauf warten, noch tausend chinesische Herzen.
Nein.
Innerhalb von 2.5 Monaten mehr als tausend Besucher auf diesem Blog. Für so ein kleines Würstchen wie mich eines bin, ist dass ganz schön pas mal finde ich hein.
Vielen herzlichen Dank dafür.

Grund Nummer zwei:
Nach dreimonatiger Trennung, nach massiver Verspätung, vielen Nächten voller Angst, was passiert sei, untergegangen auf hoher See? Ausgeraubt und verschleppt von Piraten? Gekapert und verhöckert? Auf nimmer Wiedersehen? Ist nun meine Schifffracht aus der Schweiz heil in Beijing China eingetroffen.
Unglaublich.
Der Zufall wollte es, dass just am gleichen Tag zur gleichen Stunde auch meine hier vor Ort gekauften Möbel eintreffen wollten. Dies führte dazu, dass ich zur Lieferungs-Rush-Hour bis zu 10 Zügelmänner, alle ausgerüstet mit einem Schuhpariser, in meiner Wohnung hatte.
Aber jetzt ist alles da, viel neues und noch viel erfreulicher, all das Alte.
Jetzt mit dem alt bekannten Bett in den vier Wänden, ist es nochmals eine Spur heimeliger.

Und jetzt kommts, zur Feier der heilen Ankunft von allen Utensilien, kam ich zum Schluss, dass dies gefeiert werden muss und zwar mit nichts wenigerem als mit ein bisschen Wein, der zwar geschüttelt, aber auch heil eingetroffen ist und schliesslich getestet werden musste.
Da aber in all den Paketen keiner meiner Freunde aus der Schweiz drin zu finden war, musste ich dies alleine machen und genau DAS ist der Punkt den ich NOCH NIE gemacht habe:
Ich habe für mich alleine eine Flasche Wein geöffnet.
Wenn ich das geschriebene jetzt so lese, ist ja das ein riesen Theater für überhaupt nichts spektakuläres, denn ich kann nicht einmal schreiben, dass ich die Flasche gleich an einem Abend geleert habe... pfff, wie langweilig.

Ebenfalls äusserst erfreulich ist, dass mein über alles geliebter Sitzsack, nicht gemagert, sprich keine "Bölleli" verloren hat, also er noch genau gleich massig ist und ich bereits auf ihm in den Genuss kommen durfte einen Film zu schauen, wo ich herrlich dazu eingeschlafen bin... ganz wie in alten Zeiten.

Natürlich möchte ich euch mein neues Gemach nicht vorenthalten.


Also das weisse hinten ist eine Wand, das braune da rechts und links sind die leeren Kisten, im Vordergrund der Turnschuh und irgendwo schaut noch Homer hervor.
Zugegeben, sehr modern die Einrichtung.

Ich geh jetzt den Wein fertig saufen, seit gestern steht er da so alleine der arme, dem muss jetzt mal einer klar machen, dass er saugut ist.
Adieu.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Bremsverlust

Pigeon ist manchmal ein bisschen übermütig.
So preschte sie mit mir durch die Strassen, mit ansatzweise überhöhter Geschwindigkeit und sah leider gerade nicht, dass der grosse Buick, welcher zuerst den Anschein machte uns freie Fahrt zu gewähren, sich dies noch anders überlegte und in seiner massigen Grösse vor uns stehen blieb.
Der Sauhund der.
Meiner Wenigkeits Können war gefragt und ich musste Pigeon bremsen und zwar so wie ich das bei ihr noch nie gemusst habe.
Ja so sehr eingreifen musste ich, dass es Pigeon gleich ihre Gummisohle vom Bremsschuhsockel sprengte und es diesen in ihren Speichen verhederte.
Glücklicherweise geschah diese Eskapade gleich bei einem mobilen Doktor, welcher seine Praxis am Strassenrand aufgestellt hatte.
Der winkte mich und Pigeon ohne etwas zu sagen zu sich, nahm seine Operationsutesillien zur Hand und machte sich ein meinem schönen Drahtgestell zu schaffen. Der hat an ihr gefummelt, dass ich mich anstrengen musste, meine Eiversüchtsschübe unter Kontrolle zu halten und ihm nicht mit seiner unsterilen Klemmzange eine zu panieren.
Nach knapp 2 Minuten, ohne Öl- oder Schmierfettnarkose, aber mit meiner Assisstenz, hatte Pigeon eine neue Gummisohle samt Bremsschuhsockel montiert.
Gekostet hats 75 Rappen.
Für dieses Heidengeld hätte ich in der Schweiz beim Velomech nichteinmal ein Ventildeckelchen bekommen.

Übrigens, weil wir über die Besuchszeit von Simon und Chandra soooooo viele schöne Föteli von uns und der Nebendarstellerin Peking geknipst haben, hat es ganz vorweihnachtlich eine neue Gallerie geschneit.

Check: www.firstiwasblind.ch/beijing

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Visit is over!

Kennt ihr das Sprichwort?
"Besucher sind wie Fische, irgendeinmal fangen sie an zu stinken!"

Nun, meine wohlriechenden, ersten Besucher haben mich heute verlassen und auch wenn sie gestunken hätten, was sie wirklich nicht haben, ich hätte ihren Gestank liebend gerne noch länger ertragen.
In den letzten Tagen haben wir so viel unglaubliches, amüsantes und unvergessliches erlebt, dass ich gar nicht weiss, was in diesem Blog überhaupt platzt hat.
So lassen wir doch zuerst einmal schlicht ein Bild sprechen:



Und was soll ich mir nun als nächstes vom Hirn schreiben? Vielleicht ein paar kleine Geschichten, den liegt in diesen nicht am meisten Würze mit viel Pfeffer?
Vielleicht wie wir uns durch eine halbe Milliarde (mindestens) Chinesen durchgekämpft haben um unter dem Gemälde Mao hindurch in die verbotene Stadt zu gelangen, welche am Ende von dieser das nett auffordernde Schild aufgestellt hatte "Visit is over!"?
Oder wie Simon beim temple of heaven zum ersten mal in den Geschmack der Zuvorkommenheit (im wahrsten Sinne des Wortes) der Chinesen kam, und durch den von ihnen angeeigneten Charakterzug schlicht sein Rucksack nicht auf das Fliessband zur Sicherheitskontrolle legen konnte, da er immer wieder von etwa halb so grossen Einheimischen weggeschubst wurde?
Oder wie Chandra, als sie entdeckt hatte, dass ihr mühsam erkämpftes VIP-Ticket vom Schwarzmarkt für das laufende Tennisturnier das falsche war, zu der Verkäuferin zurück polterte, den Finger auf sie richtete und voller Emotion klarmachte "Don't cheat me!!!" und diese im Eiltempo sich daran machte das richtige Ticket für Chandra zu besorgen, wo sie, also die Schwarzmarkthändlerin, schlussendlich noch selbst draufzahlen musste?
Oder wie wir einem Nadal Fan erklärten, dass auf seinem Willkommensschild für seinen Star, dessen Name falsch geschrieben war und er diesen von "Nadel", noch auf "Nadal" korrigierte, damit der Satz "Nadal Welcome to China" doch noch richtig war?
Oder wollt ihr nur hören, wie wir im Birdsnest an einer Puccini Oper waren, leider so einiges derart nicht gestummen hatte, zum Beispiel der Lautsprecherturm just nebenan, der uns unerträglich ins Ohr brüllte, oder die Popcornfresser vor uns, die Eingeschlafenen auf der Seite, jener an seinem I-Phone, welcher statt sich der Oper zu widmen, lieber ein Buch las, all die unruhigen Umherlaufenden, oder die Bühe welche für uns zur Hälfte vom anderen Lautsprecherturm verdeckt war, dass wir diese Weltsoper in der Halbzeit verlassen haben?

Ich weiss nicht wo weiter erzählen, denn auf der Mauer waren wir ja auch noch, wo wir die "Do not Trespass" schilder ignorierten und gemütlich auf dem dort von Pflanzen überwucherten Weltwunder weiterliefen.
Oder schon nur unsere Hungerabstecher in die verschiedensten Restaurants, mit unseren ersten chinesischen Sprachgehversuchen (dreimal dürft ihr raten, welcher Satz zum Bestellen Simon als erstes korrekt im Griff hatte: "san ge pijiu" "drei Bier"), wären einen ganzen Blog wert.
Und wie wir aus der ersten Reihe hautnah beobachten konnten, wie Roddick todfrustriert sein Racken nahm und es am Boden zerschmetterte, das ist ebenfalls der Rede wert.

Es hat keinen Sinn, schon jetzt ist dieser Eintrag ein riesen Tohuwabohu, noch ewigs könnte ich so weiter aus unseren 6 Tagen zittieren, deshalb lassen wir doch besser einfach noch ein paar Bilder mehr sprechen, den von denen haben wir viele gemacht, immer ganz ungestelllt und sehr natürlich, genau so wie es sein soll, den wie wir alle wissen, sprechen Bilder mehr als tausend Chinesen und das erst noch in einer Sprache die man versteht.






















Okey, auch Bilder haben wir zuviele, auch da werde ich eine eigene Gallerie für machen müssen.



@Simon und Chandra:
XieXie für aues, absolut hammer gsi, gueti zyt u bis gli!
Zai Jian!

Samstag, 3. Oktober 2009

Panzer und Feuerwerk

Heute nur kurz, denn wie ihr wisst hab ich Besuch.
Hier übrigens ein gutes Beispiel davon, wie sich Besuchende bei mir optimal einschmeicheln können. So bin ich natürlich auch jederzeit bereit, die Gäste noch viel mehr zu geniessen ;-)

Bis zu Weihnachten sollte ich also was das Süsse betrifft, versorgt sein.

Kurz zu unserer Landesgeburtstagsfeier hier.
Nein, ich habe davon nichts mitbekommen, wie eigentlich die wenigsten Chinesen, welche hier leben. Nichteinmal die Kriegsflugzeugarmada, welche über die Stadt gedonnert ist, habe ich gehört.
An die Parade eingeladen waren nur Super-Ultra-Krasse-Oberchef-VIPs (unter anderem unser Botschafter). Alle anderen, selbst jene die unmittelbar an der Paradenstrassen wohnen, wurden in ihre Häuser verbannt und aufgefordert die Festivitäten am Fernseher zu schauen.
So wurde auch das Hotel Grand Hyatt über diese paar Tage von der Regierung diskussionslos übernommen, geschlossen und war nur noch für die zu beherzubergenden VIPs zugänglich.
Am Tag danach und seither ist am TV eigentlich nur noch die Parade zu sehen, in den Zeitungen wird vom "Day of Glory" gesprochen und Bilder von den abartigsten Waffen, unter anderem der "Intercontinental nuclear-capable missile", zieren die Titelseiten.
New China shows its pride to the world.
Also legt euch nicht mit dem Land der Mitte an.

Seit zwei Tagen sind wir brutal unterwegs in der Stadt und ihrer Umgebung.
Das Wetter könnte perfekter nicht sein, so betreiben wir Sightseeing pur, erbarmungslos (mein wortschatz ist so agressiv, hat die Parade doch einen gewissen Hirnwascheffekt auf mich ausgeübt?), und jetzt erst recht wird mir bewusst, wieviel es hier zu zeigen gibt. Auch ich, mit gerade mal zwei Monaten Aufenthalt hier, habe so viel gezeigt bekommen, was es weiterzugeben gilt, dass ich kaum weiss wo anfangen und aufhören mit Besuch herumführen möchte ich sowieso nie.
Wenn man sie also nicht will, dann bekommt man hier die Ruhe nicht.
Apropos Ruhe, der Lärmpegel dieser Stadt ist in diesen Tagen noch um einige Dezibel höher als sonst, die Menschenmasse die ich bis anhin als extrem empfunden habe, je nach Ort wo man sich gerade aufhält, haben sich gar verdoppelt. Es macht auch keinen Sinn, dass ihr irgendwie versucht euch das vorzustellen, denn das sprengt schlicht die Fantasie eines Schweizers, der in einem Land wohnt, wo gerade mal die Hälfte der Einwohner beinhaltet, wie in der gesamten Stadt Beijing.
Aber es ist grandios, ich habe noch nie einen Fleck von unserer Erde entdeckt, wo man gleichviel, oder mehr erleben kann, wie hier auf diesem Teil der Welt.
Wirklich, an einem Tag wie diesem, welcher im Gym begonnen hat, mit der U-Bahn in die Stadt führte, dort von einer Menschenmasse über den Tian'men Platz getragen, in die Qianmen Strasse gedrückt und irgendwie zum Himmelstempel spaziert wurde und von dort über den Nachtmarkt an der Wangfujin, in der unterirdischen Marktallee endete, da stösst man schon an die Grenzen seiner Auffassungsgabe und kratzt an jeder seiner Reizüberflutung.

Nur so als kleiner Leckerbissen möchte ich euch ein abartiges Kunstwerk, welches wir gestern im Künstlerviertel endeckt haben, nicht vorenthalten.
Der Name davon: Emergency Exit
Lassen wir zuerst das Bild sprechen.Ein Stier, welcher wie eine Rakete losprescht und an der Wand ein Menschenstier plattdrückt.
Ja, da macht man sich schon so seine Gedanken, was wohl genau zu welchen Zeitpunkt in seinem Leben, wie gravierend bei diesem Künstler schiefgegangen ist.
Aber es steckt wirklich etwas dahinter, hinter diesem Teil von Kunst.
Wir befinden uns im Jahr des Stiers in China, und was dieses Gebilde zeigen möchte ist, die Zeit geht so schnell voran, dass es seine Bürger zerdrückt.
Aber trotzdem, auf so eine Idee muss man zuerst einmal kommen.
Ich mache mich jetzt an den Wein, den Appenzeller und den Berg Schokolade ran, die ich geschenkt bekommen habe, mal schauen was für Kunst dabei herauskommt, wenn ich das alles auf einmal geniesse.

Dienstag, 29. September 2009

yi, ar, san, GANBEI!!!

Vor ein paar Stunden hatte ich ein Kurzreferat vor der ganzen Botschaftsmannschaft...

Aber eigentlich wollte ich etwas ganz anderes erzählen, etwas wirlich wichtiges.
Ich war "meiner lebtig" noch nie an einem Oktoberfest. Dieser Satz war so etwas vom letztem Samstag, denn nun war ich an einem.
Man stelle sich ein Festzelt vor, lange Tische, Buffet mit deutschen Speisen, eine Band, die alles je da gewesen an nervigem (inklusive s!Närvt) in den Schatten, oder besser gesagt ins Bier stellt und ja eben, überall Bier.
Bier en Masse, oder in der bierigen Sprache: Bier im Mass.
Das ganze allerdings nicht mit Deutschen (die hatte es auch, aber mächtig in der Unterzahl), sondern mit Chinesen.
Schon mal ein Chinese im Geisenpeter-Outfit gesehen. Ja gell, da muss man schon ein wenig schmunzeln bei der Vorstellung.
Diese riesen "Party, Party, Party" wurde nicht von irgendwem organisiert, sondern vom Crowne Plaza, also ein "Prost, Prost, Prost" auf diese Edelhotelkette.

Anfangs habe ich noch gedacht, das halte ich nicht aus, auch wenn mein Niveau noch Verbesserungspotential hat, aber sollte ich hier bleiben, macht es gar keinen Sinn mehr je wieder anzufangen Niveau aufzubauen.
Dieser komplizierte Gedankengang wurde aber schnell mit der weiss scheumenden Flut weggespült.
Irgendeinmal war ich also am Buffet und nahm gerade den grossen Löffel zur Hand um die "Spetzle" auf mein Teller zu schaufeln, da spielte diese Band, mit der Frontfrau die auf der Bühne aussieht wie zwanzig, aber aus der nähe dann klar die fünfzig überschritten hat, doch tatsächlich "and now a song from switzerland: HEIDI!!!" und im nächsten Moment johlten hunderte von Chinesen "Heidiiii, HEIIIDIIII!!! Komm zurück in die Beeergeeee!"
Ganz speziell, wirklich... ganz speziell.

Ein wenig mühsam allerdings, immer wenn ich gelassen am essen war, den Parkettboden im Magen noch mit einem Filz überziehen wollte, damit das Bier etwas leichter fällt, kam wieder das Kommando aufzustehen und zu singen "ein prooossit, ein prooosit, ein prooosit auf Gemütlichkeit" gefolgt von "yi, ar, san, GANBEEEEEIII!!!" und alle mussten mit jedem anstossen, dann noch Bolognese (nicht die Spaghetti) und erst nach dem ganzen Affentheater durfte ich zurück zu meinem Teller, wo das Essen erkältet auf mich wartete.

Plötzlich klöpfelte mir jemand auf die Schulter, ich drehte mich um und ein Chinese, doppelt so breit wie ich, stand vor mir. Er deutete mit seinem Bierglas auf mich und fragte "ganbei?", ich, natürlich nicht zimperlich, der will ja nur anstossen, klar dabei, wir schlagen also die Gläser zusammen und er ext sein volles Mass leer. Ich deute nur so, bravo, gut gemacht, tolle Leistung und er deutete mir, jetzt sei ich dran. Ich winke ab, mein Glas war voll und ich war voll, ich wollte mich nicht überfüllen. Da klöpfelt es von der anderen Seite auf meine Schulter und die Deutsche neben mir erklärt mir, ja wenn wir eben ganbei gemacht haben, dann muss ich da jetzt mitziehen.
Scheisse!
Ich exte mein Glas und blieb wacklig stehen, trotz dem mir geltenden Applaus drehte ich mich von den Chinesen weg, nur um nicht Gefahr zu laufen noch mehr Kampfexen zu müssen.

Doch sie erwischten mich hinterlistig erneut, zwar später und nachdem ich all mein Bier in mir mit reichlich Wasser verdünnt hatte, aber trotzdem, sie erwischten mich und der dicke Chinese wollte ein neues ganbei.
Ich gab dem dicken zu erklären, er sei aber viel dicker als ich, siehst du, du: dick, ich: schlank, sei nicht fair so zu spielen.
Aber der Dicke hatte ein As im Ärmel, da zauberte er einen seiner dünnen chinesen Kollegen aus der Menge und stellte diesen, welcher bereits kaum mehr stehen konnte, mit vollem Glas vor mich hin.
Ja, was will man machen, Pflicht ist Pflicht.
Jedoch gelang es mir ein wenig zu bescheissen, denn ich tauschte mein volles Glas geschickt mit einem nur halb vollen Glas auf dem Tisch vor mir und exte nur dieses, die chinesische Geisenpeter-Meute bemerkte dies zum Glück nicht.
(Die Fotos wurden übrigens mit der Handykamera geschossen, deshalb die fragwürdige Qualität, aber wirkt irgendwie noch authentisch. Und nein, das da links bin NICHT ich!)

Als dann der Band, nach dem Glöckchen Konzert, dem Nasentrompeter, den Zaubertricks, dem Alphornblasen, dem Trinkwettbewerb, dem Hawaitanzen und jeglichen Solos auch nichts mehr in den Sinn kam, endete mein erstes Oktoberfest.
Sind also ganz witzige diese deutschen Chinesen.
Dagegen war das Bollywood Musical von gestern gleich langweilig dagegen.
Keine Handlung gemischt mit den wildesten Tänzen.
Wenigstens durften wir da ohne ganbei sitzen bleiben und geniessen.

Donnerstag, 24. September 2009

Here, have my card!

Mein Leben verändert sich ja rasant hier, mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit donnere ich durch Neuerungen, die unter Umständen noch lange nachhallen werden.
Denn nicht nur bin ich bereits bereit im Massimo Dutti (schon der Name, er purzelt so schön über die Zunge heraus, ich glaube wenn man nichts sagen wollen, die Zunge zusammenrollen, den Mund öffnen und seine Zunge sich aufrollen lassen würde, sie würde automatisch die Worte "Massimo Dutti" ausspucken) herumzustolzieren, oder mich auch wirklich jeden morgen kurz nach dem Aufstehen zu kämmen und aus einer beachtlichen Palette von Parfums (die haben sich in der Luftfracht irgendwie vermehrt) je nach Lust und Laune und ganz dem Zufalle entsprechend eines von diesen mit schlaftrunkenen Augen auszuwählen und anzuspritzen, nein, jetzt ist auch noch was anderes persönlichkeitsbeinflussendes dazugestossen.
Gerne präsentiere ich euch:
Meine Visitenkarte!












Aus Prinzip habe ich mich dieser lange verweigert, aber wie so vieles, ist auch das mit diesem Kärtchen hier ganz anders.
Einer meiner ersten Kontakte mit einem Chinesen lief nämlich so ab, dass er mir am Schluss vom Gespräch seine Karte überreichte und ich mich ganz nett dafür bedankte. Darauf folgte plötzlich eine etwas zu lange Stille, so eine Art Stille, dass es schon fast peinlich wird, weil niemand mehr etwas sagt, wir reden hier nur von Sekunden der Stille, aber trotzdem, diese paar wenigen Sekunden die können es ausmachen. Schlussendlich war ich es, der sich dafür entschied, diese schon zu viele Sekunden dauernde Stille zu durchbrechen und meinte nur plump:
"Sooooo, goodbye then!"
Da war der Chinese paff.
"What?! What about your card?"
"Oh, sorry, I don't have one."
Und bei dieser Aussage war er dann nicht nur noch mehr paff, sondern noch gleich beleidigt dazu.
So kam ich zum Entschluss, da ich in diesem Land Gast bin etcetera und ich auch nicht gekommen bin um mehrheitlich die Chinesen zu beleidigen, diese komischen Karten mir fabrizieren zu lassen.

Auf Vorrat habe ich jetzt hundert Stück, davon habe ich bereits ein paar in meinem Büro und in den naheliegendsten Büros verschenkt. Die Freude der Beschenkten war riesig (Null, aber das waren ja auch keine Chinesen). Daher bin ich noch ein birebizeli zweifelhaft, ob ich diese hundert Stück festen Papiers im Trambillie-Format in den besagten 4 Jahre auch wirklich loswerde.

Aber möglich ist es, denn irgendeinmal vor ein paar Tagen, oder Wochen, nein Monate waren es nicht, jedenfalls war ich auf dem Markt, so ein richtiger stinke Markt, wo es aber alles gibt, unter anderem die besten Früchte, und irgendwo zwischen dem blutverspritzten Metzger und der Madame die duftende Blumen verkauft, war ein kleines Teelädeli.
Nach meinem Einkauf dort, welcher der Verkäuferin wahrscheinlich den Umsatz vom Monat beschert hat, streckte sie mir auch ihre Visitenkarte entgegen.
Die Schuhe verlöchert, die Kleider zerrissen, aber Visitenkarten, claro que si!
Daher, doch, vielleicht, wenn Mao es so will, werde ich meine 93 Stück die ich noch habe vor 2013 allesamt los.

Montag, 21. September 2009

Luzern mit Mailand in Peking

Es ist ja schon so, dass ich hier in eine Gesellschaft reingeraten bin, die Wert darauf legt, oder sogar die Pflicht hat, sich ein wenig herauszuputzen.
Lustigerweise ist es bei den anderen so, dass sie sich für die Arbeit fein machen, und in der Freizeit kommen sie in den Strandsandalen.
Also eigentlich genau umgekehrt wie ich es handhabe.
Wie werden sehen, wie sehr sich das noch ändern mag.
Jedenfalls im Moment behalte ich diese Einstellung noch ein bisschen bei und so war ich letzten Sonntag in der Zwickmühle. Den am Sonntag stand ein klassisches Konzert auf dem Programm, dieses besagte Konzert fand nicht irgendwo statt, sondern im National Centre of Performing Arts, also im KKL von China, und diesem famosen Centre durfte ich als tüpfelchen auf dem "i" noch in Begleitung einer eleganten Dame einen Besuch abstatten. Für mich also Grund genug sich von der bemüht besten Seite zu zeigen.
Folgendes war allerdings das Problem:
Mein Container aus der Schweiz, gefüllt mit all den anderen Kleidungsutensilien, unter anderem dem EINEN Anzug vom Boss namens Hugo, ist nach wie vor am Zoll und wird dort wahrscheinlich von oben bis unten verwantzt (so jedenfalls stelle ich mir das vor), Konkret, die aktuell, eintönige Garderobe musste aufgerüstet werden. Ich bin nicht der absolute Armani was Kleider betrifft und da leider jegliche weibliche und von mir so hochgeschätzte Beratung in der Schweiz zurückgeblieben ist, musste ich mir anderswo weiterhelfen.
Ich setze nun einmal voraus, dass jeder wer diesen Blog liesst über meine sexuelle Orientierung orientiert ist, richtig? gut! Dann kann es ja keine Missverständnisse geben, denn der Zufall, wenn es ihn den gibt, will es so, dass der grösste Styler auf der Botschaft schwul ist, und sich genau dieser bereit erklärt hatte, mir als Beratung zur Seite zu stehen.

So endeten ich in brandneuem Massimo Dutti Anzug und äusserst charmanter, weiblicher Begleitung in diesem National blablabla Center, besser bekannt unter dem Namen "Egg".
Durch den Abend wurden wir vom mailänder Claudio Abbado dirigiert, welcher mit seiner luzernischen Truppe die Halle vom ersten Ton an in seinem Bann hatte.
Das Konzert war sensationell und unsere Plätze noch besser. Hinter dem Orchester gelegen, waren wir quasi im Orchester drinn. Nicht viel hat gefehlt und ich hätte auf die Kommandos des Dirigenten ebenfalls reagiert und mich mit welchem Utensil auch immer an der Musik beteiligt.
Der erste Teil bestand aus einem Pianokonzert und es war schlicht unglaublich, wie schnell die Hände dieser chinesisch abstammenden Frau zu den Noten von Prokofiev über die Tasten flitzten. Wie Spinnen im schnelldurchlauf.
Der zweite Teil dann war nur noch Orchester, welches die Launen von Mahler in Musik umsetzten. Atemberaubend was ein Musiktrupp von wahrscheinlich gegen 70 Personen für eine Stimmung heraufbeschwören kann. Und wenn die Gas geben, wenn jede einzelne Fidel fidelt wie wild, jeder Bläser bläst bis zum beinahe Bersten der Lungen, wenn die Perkussionisten auf ihre Trommeln hämmern, dass es einem durch Mark und Bein geht und der Dirigent vorne auf seinem Podest abzuheben droht, dann wird einem ganz anders.
Das ist Musik!
Ich könnte stundenlang so einem Orchester zuschauen, wie es funktioniert, was jeder macht, wie er es macht, nie satt sehen kann ich mich da und wenn die Augen müde werden vom beobachten, ist es genau so schön diese zu schliessen und nur noch der Musik zu hören.

Bitte entschuldigt, ich hab mich gehen lassen.
Etwas möchte ich aber gerne einmal erklärt bekommen, falls es jemand von euch weiss.
Diejenigen an den Trommeln, sie waren nicht komplett ausgelastet sage ich mal, so zwischendurch mussten sie mal das Fell (oder was für ein Belag es auch immer ist) ein wenig streicheln oder antüpfen. Aber ihre Hauptarbeit bestand vorallem darin, so jedenfalls kam es mir vor, nach jedem Ton an der Trommel zu lauschen. Ganz intensiv!
Wieso?
Damit diese nicht mehr schwingt?
Oder ob sie noch richitg gestummen ist?
Oder haben sie doch allesamt ihren Hotelschlüssel in den Trommeln verloren?

Samstag, 19. September 2009

Attention to detail

Peking rüstet sich!
Ja Peking rüstet sich für den National Day.

Wie glaube ich schon erwähnt, wird seit ein paar Wochen geprobt, getestet, ausprobiert, geplant, dirigiert und organisiert für die besagten "National Day Parade".
So wird auch heute zum zweiten mal das ganze, inklusive Feuerwerk, durchgespielt, was natürlich zur Folge hat, dass wiederum das gesamte Stadtzentrum abgesperrt ist und mit erheblichen Verkehrsbehinderungen gerechnet werden muss.
"Stau, oder stockender Verkehr auf folgenden Strecken: 1. bis 6. Ringstrasse Peking!"
Fast täglich wird in der Zeitung "China Daily" auf der Frontseite darüber berichtet, wie die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen.


So auch dieses Bild, welches am 8. September zuvorderst anzutreffen war in der Zeitung, und welches sehr schön die Liebe zum Detail der Chinesen darstellt.
Wenn es uns auch sehr abwegig erscheinen mag, aber diese Truppenformationen und allem voram deren Synchronität sind extrem beeindruckend. Da sind die Chinesen absolute Meister darin und werden es wahrscheinlich punkto Asthetik dieser Paraden auch noch eine Weile bleiben.
Auch schön mit anzusehen ist, wie die Stadt regelrecht aufblüht in Anbetracht der Nationalfeiertage. Überall werden nun die allwelt bekannten, chinesischen Lampions aufgehängt, Fahnen in allen Farben gehievt, und geputzt was das Zeug hält.
Dies ist sowieso etwas, was man Beijing zu gute halten muss, es ist entgegen allen Annahmen und Gerüchten, und wenn man einmal die Smogbelastung ausser Acht lässt, eine sehr saubere Stadt. Vielleicht nicht gleich wie Singapore, wo man gar vom Boden der öffentlichen Toilette am Flughafen seine Röschti essen könnte, aber trotzdem in einem sehr angenehmen Rahmen.

Und zum Schluss noch etwas vom Botschafter:
Wir hatten auf der Botschaft ein Event am Donnerstag Abend. Sofern ich das richtig mitbekommen habe, war es zur Zelebration der Hotelfachfrauen- und Männer der Hotelfachschule in Lausanne, die Treffen sich scheinbar jeden Monat irgendwo in Beijing und dieses Mal war es bei uns.
Der Botschafter, übrigens ein Neuenburger und sehr erfreut über die Wahl des neuen Bundesrats aus Neuenburg, hat ein paar Flaschen Champagner offeriert.
Plötzlich wurde ich angestüpft von einer Kollegin und sie sagt mir:
"Du, ich glaube der Champagner hat zapfen."
Im gleichen Moment können wir aus dem Augenwinkel beobachten, wie der Botschafter sein Glas nimmt und es wegleert, die ganze "zapfenhaltige" Flasche gleich hinterher.
"Gäuet Herr Botschafter, dä Champagner hett zapfe gha?" fragt ihn meine Kollegin.
Der Botschafter gesellt sich zu uns:
"Ah, sie hend das gmerkt?" fragt er in seinem äusserst charmanten Schweizerdeutsch mit französischen Akzent.
Natürlich ist das nicht so einfach, bei einem edlen Tropfen, offeriert vom Botschafter, gestehen zu gehen, dass er wahrscheinlich Zapfen hat.
Darauf meinte der Botschafter dann nur:
"Wenn sie mich hätte beeindrucke wolle, denn hätte sie das müesse sage, will das sind diä sache won ich au würkli tun wärt druf leggä!
Und was isch mit öich, hend ihr no vo de alte Flasche bekomme?" fragte er mich.
Nein, ich glaube meiner habe auch Zapfen, aber ich sein nicht hundertpro sicher, meinte ich.
So nimmt der Botschafter mein Glas, riecht daran, ist sich auch nicht sicher, deutet mir mit einer Geste an, ob er probieren dürfe, ich deute ihm: klar, er nimmt einen Schluck von meinem Glas, wartet zirka zwei Sekunden und leert den Inhalt in die Büsche.
Das ist Diplomatie, ohne Umschweife und direkt.
Es wurde ein sehr lustiger Abend, sehr Alkoholhaltig, diese Serviceangestellten, sie haben einem wirklich immer schön hinter dem Rücken das Glas wieder aufgefüllt, was dann zum ersten brutalen Kater meinerseits geführt hat.
Ob es auch der letzte war?
Wohl kaum!
Aber vielleicht der letzte mit Zapfen.

Mittwoch, 16. September 2009

new zong ton in ruishi

Das schöne an anstrengenden Tagen ist ja, wenn sie mal vorbei sind.
Meiner war sehr anstrengend und er ist noch nicht vorbei.
Das hat viel damit zu tun, dass die Schweiz einen neuen Bundesrat gewählt hat, denn dies wollte hier live verfolgt werden, wofür ich irgendwie verantworlich war, was dann auch soundso geklappt hat, aber am Schluss halt doch nicht und jetzt hat der Didier seinen Schwur abgelegt und wir haben es trotzdem alle hier und da erfahren.
Verwirrt?
Yes dear, ich auch.

Und jetzt folgt noch Schule. Wie lange war ich schon nicht mehr in der Schule? 10 Jahre müssen es sein, vielleicht sogar 20, an der Auffassungsgabe gerechnet, wenn ich anfangs noch sehr aufnahmefähig war und man meinen Stand jetzt anschaut, sind es wahrscheinlich 30 Jahre.
Trotzdem, da muss ich durch. Noch viel mehr, weil ich diesbezüglich diesen Morgen einen Dämpfer erhalten habe.
Voller Elan mein neues Chinesisch etwas auszuprobieren, ging ich zu unserem Techniker, Mister Xu (schü), ein Chinese und sagte ihm:
"Woo schöö ruiischöö ren!"
Er meinte dann nur:
"Oooohh, it is not very good, but I can understand."
Ein wenig getüpft fragte ich nach:
"Okey, how do you say it then?"
Xu:
"Wuuuooooooooooo schöööööööööööö ruischööööööööööööööö ruuueeennn!"

Trotzdem, egal wie meine zukünftige chinesisch Lektion ausgehen wird, es gibt mal wieder Grund zum feiern, denn es hat sich schon erster Besuch angekündet.
Am 1. Oktober darf ich hier die schweizer Delegation Hefti und Wenger begrüssen.
Wahnsinn! Krasser als jeder Bundesrat!
Und ein schönes Beispiel davon, wie schnell ich meine Grundprinzipien über Bord werfen kann. Pffff, wieso ein halbes Jahr warten, bevor Besuch erwünscht ist.
Hüüüü, ihr seit alle eingeladen! Ab Jetzt!

(Alle Angaben in diesem Mail sind ohne Gewähr)

Sonntag, 13. September 2009

Auf der Mauer, auf der Lauer!

Gestern war ich kurz in der Schweiz.
Ich hab mir nach langer Hörpause endlich anhören dürfen wie der Held Julian den Weg Granada - Bern mit dem Fahrrad zurück gelegt hat.
Respekt!
Ich bitte euch kurz aufzustehen und für diese Meisterleistung zu applaudieren.
Bravo!
Danach haben wir noch zusammen gegessen, ich zu Abend, er irgendetwas zwischen Mittag und Abend.
Wahnsinn was die heutige Technik alles zu Stande bringt.
(Scotty, beam me up!)

Ich bin ja hier nicht gerade der Hauptsehenswürdigkeitskiller, so war ich bis jetzt noch nie in der verbotenen Stadt, oder beim Himmelstempel. Das hat zwei Gründe:
Erstens, es ist ja nicht so, dass ich stress hätte, da 4 Jahre... sie wissen schon und zweitens habe ich noch ein- zwei andere Sachen die Zeit in Anspruch nehmen. So bin ich zum Beispiel jetzt fix und fertig umgezogen, habe meine Höhle in Beschlag genommen, welche mir hoffentlich für die... sie wissen schon, so und soviel Jahre, treu bleiben wird. Neue Möbel mussten ausgesucht werden, und alte Möbel aus der Schweiz warten immernoch auf ihre Verzollung.


Trotzdem habe ich es gestern auf eines der Weltwunder geschafft. Auf die chinesische Mauer.
Als Hahn im Korb, in Begleitung von 4 des anderen Geschlechts, was gar nicht zur Freude von "Pigeon" war (Hahn, Pigeon, wer hier nicht à jour ist könnte bei diesen Textereien also noch auf Ideen kommen... aiaiai), machten wir uns in aller Früh auf hinaus aufs Land.
Bereits die Fahrt gehört mit zum Erlebnis. Da sieht man Unfälle, sitzende Hühner auf der Strasse, welche von dieser schlicht nicht mehr weichen wollen (Suizid?), geschlachtete Schafe am Strassenrand, den selbsternannten "romantischsten Garten von ganz China", trostlose Dörfer, wo man die Armut sieht und spürt, lange Strassen, der länge entlang geziert von rustikalen Verkaufsständen, unterhalten von Bauersfrauen, welche ihr Leben lang wahrscheinlich nichts anderes tun, als tagaus- tagein versuchen etwas Geld zu machen, heruntergekommene, trotzdem bewohnte Hütten, zwischendurch ein Gebäude, noch eingepackt von der Baustelle, keine Arbeiter mehr, Geld ausgegangen, Bauprojekt abgeblasen, das halb fertige Gebäude wird stehen gelassen, bis es eine Ruine und schlussendlich nichts mehr ist.
Schlicht einmal etwas anderes als der Grossstadtdschungel.
Die Mauer dann, um hundertachzig Grad ein anderer Gefühlsauslöser. So weit das Auge reicht zieht sie sich in die Länge und wir hatten Glück, das Auge reichte weiter, als das mir bis anhin bekannte Auge in China reichen kann, wir wurden von Prachtswetter förmlich erschlagen, keine Wolke trübte das blaue Himmelsbild, die Hitze war bei den Aufstiegen erdrückend und bei den Abschiegen ermutigend. Vier Stunden wanderten wir dieser Steinkerbe durch die Natur entlang.
Rauf, runter, rauf, runter.
Es mussten verschiedene Architekten am Werk gewesen sein, denn die Stufen der Steintreppen waren aber wirklich ausschliesslich, nicht eine einzige gleich hoch, oder gleich breit wie die anderen.
Das ergibt allerdings noch eine praktisches Laufmuster, sehr abwechslungsreich, so werden Knie-, Waden-, Oberschenkel- und Füddlespann-Muskeln alle mal beansprucht.
Zur Belohnung gab es zurück in Beijing eine 3 Sterne Fussmassage. Sehr interessant was man aus den Füssen alles lesen kann, für einen gelernten Masseur sind Füsse wie offene Bücher über den zu massierenden.
"Ah hier, dieser Punkt, da sind sie verpannt, sie haben diese Woche nicht gut geschlafen nicht wahr?" hiess es zur Bernerin, welche effektiv letzte Woche aus der Schweiz zurückkam und so noch vom Jetlag geplagt wurde.
Ich wurde jedenfalls meines Erachtens ziemlich grob dran genommen, und lustigerweise habe ich heute Muskelkater von der Massage und nicht vom Weltwunder. Ob das jetzt für die Masseuse spricht, oder nicht, sei dahingestellt.

Und für alle die es noch nicht wissen, aber die Mauer ist aus dem Weltall NICHT ersichtlich, dies war ein PR-Gag der Chinesen um den Tourismus zu pushen.