Sonntag, 30. August 2009

Die Strassen von Peking

Pigeon und ich waren heute mal wieder unterwegs. Wir besuchten den Lama- und den Konfuziustempel. Wie diese sind, könnt ihr auf Wikipedia nachlesen, oder dann wenn ihr mal hier seit selbst schauen...

...viel interessanter für euch werden die Strassen sein, den da bläst ein ganz anderer, aus einer komplett anderen Richtung kommender Wind, als in der Schweiz.


Erstens mal die Grösse. Peking ist umgeben von den sogenannten Ringstrassen, davon gibt es glaube ich deren sechs und diese umkreisen die Stadt. Diese Strassen gehen also voll durch Peking! Die Ringstrassen, welches eigentlich Schnellstrassen sein sollten, aber von morgens um 5 bis in der Nacht um 11 Uhr eigentlich immer Stau herrscht, diese somit also eher auf Schleichstrassen umbenannt werden sollten, sind auf einer Linie 3 bis 6 spurig. Daneben kommt noch die normale Strasse dazu, welche auch nochmals 3 spurig ist und neben dieser normalen Strasse, hat es dann noch eine Velostrasse, keine Velosspur, eine richtige Strasse. Das ergibt dann schon noch so ein beachtliches Stück Beton.

Zu den Regeln: es gibt keine!
Doch eine gibt es, und die ist genau umgekehrt wie in der Schweiz: der Stärkere hat Vortritt!
Auf Fussgänger, das schwächste Glied in der Kette, wird NULL Rücksicht genommen. Wirklich NULL! Einmal war ich daran so eine dieser hunderspurigen Strassen zu überqueren, und da die grüne Ampel für diesen halben Kilometer den man da zurücklegen sollte, einfach nicht genug lange grün war, stand ich mittendrin, irgendwo zwischen A und B, wo die Autos plötzlich grün bekamen. Sie fuhren einfach. Ich konnte nur noch darauf achten, meine Füsse im richtigen Moment zurückzuziehen, wenn einer etwas gar nahe kam. Sie hupten und machten und liessen mich einfach da stehen, aber auf gar keinen Fall weiter gehen, um mich in Sicherheit zu bringen.

Es gilt noch zu sagen, dass hier auf den Strassen ein spektakuläres Hupkonzert läuft, ständig, zu jeder Zeit. Hier bedeutet Hupen auch nicht "du Arschloch!" sondern es ist eher freundlich gemeint, so im Sinne von "Vorsicht, ich komme, ich bremse nicht, ich habs dir gehupt!".

Zwischendurch hat es auch Fussgängerstreifen, aber die werden genau so wenig beachtet, wie die Fussgänger die sich darauf befinden. Wahrscheinlich hat das mal ein Chinese irgendwo in Europa gesehen und gedacht, ah sieht noch geil aus, das malen wir bei uns auch auf die Strassen, aber das da etwas dahinter stecken würde schnallt keiner.

Letzten Freitag kam es hier in der Stadt zum kompletten Verkehrskollaps, weil im Zentrum die Parade für den "National Day" am 1. Oktober gepropt wurde. Und wirklich, was das anbelangt sind Chinesen glaube ich einfach dumm. Eben die Strassen waren verstopft, also wirklich kein durchkommen mehr, nirgends. Ampeln wurden auch nicht mehr beachtet, es wurde einfach gefahren, was heisst, dass auf einer grossen Kreuzung Auto in Auto war, wie Maden in der Büchse und sobald auch nur 1 Millimeter vor einem Auto frei wurde, fuhr dasjenige Auto welches den Millimeter zuerst entdeckt hatte drauflos und beanspruchte diesen für sich.
Schlicht und einfach dumm.

Zwischendurch passiert es uns Schwächeren auch, dass wir am Strassenrand warten, denken, okay die Luft ist rein, laufen wir und dann macht es WUUUSCH und haarscharf ist an einem ein Elektrofahrrad vorbeigehuscht. Diese Scheissdinger hört man wirklich gar nicht, kein bisschen. Gestern habe ich erfahren, dass in der Schweiz diese Elektrofahrräder scheinbar einen gewissen Lärmpegel haben müssen, ansonsten sind sie verboten. Besser so, hier bin ich wirklich schon ein- zweimal fast gestorben, wenn da plötzlich wie aus dem Nichts, einem ein paar Speichen um die Ohren sausen.

Aber was solls, ich und Pigeon kommen gut voran, sind zwischendurch sehr beeindruckt über die Beladungskünste die man da sieht, ganze Schränke werden auf einfache Fährräder verladen.


Auch haben wir keine Hemmungen mal so ein Chinese, wenn er uns zu nahe kommt, auf Schweizerdeutsch anzufluchen, denn trotz Sprachbarriere, das verstehen sie irgendwie schon.

Freitag, 28. August 2009

Zweimal Sprache

Habe ich schon erwähnt das die Botschaft über ein Pool verfügt und einen Aufenthaltsraum hat mit Ping-Pong und Billiardtisch?
Voilà!

Am Donnerstag hatten wir ein kleines Ping-Pong Turnier, wo ich (natürlich) allen den Meister zeigte! Boyevoye!
Nach darauffolgendem mexikanischem Essen, durch welches ich hier in China endlich einmal den "shitter" etwas näher kennen lernte, der ist also genau gleich konsistent wie in anderen Ländern, gönnte ich mir ein Taxi um nach Hause zu kommen. Sehr bescheiden.
Der Taxifahrer hat konstant auf mich eingestusst, mir die Birne gefüllt, bis die Leuchtdiode dem Platzen nahe war, nichts habe ich verstanden, irgendetwas hat er erzählt, mit Händen und Füssen, dann und wann dachte ich, schau besser auf die Strasse Junge und antwortete jeweils nur gehemmt mit "dui" (ja). So wie er gefahren ist, glaube ich, er war besoffen.
Am Schluss, heil am Ziel, überglücklich, habe ich bemerkt, er hat die ganze Zeit versucht mit mir Englisch zu reden.

So kann es ja wohl nicht weiter gehen und gestern besuchte ich somit die erste chinesisch Schnupperlektion.
Sie hat zwei Stunden gedauert. Kleine Klasse, nur ich und zwei Kanadierinnen. Sie hatten schon 6 Doppelstunden hinter sich, ich Null. Ich dachte mir, pfff, ich kann schon paar Sachen, werde sicherlich mitkommen und den Anschluss finden und gleich mit ihnen weiterfahren können.
Der Lehrer kam und es ging los: "So Ma(r)co, ni shi cong nar lai de?"
So zog es sich durch, manchmal musste der Lehrer lachen, dass sein Unterkiefer wackelte und wenn er mir etwas zum vorlesen auf die Tafel schrieb sagte er "So Ma(r)co, pliiiiiiiis" ganz lang gezogen, als wäre es so leicht und ich soll es doch einfach vorlesen. Ich hab mir wirklich alle Mühe gegeben und am Ende dieser Doppellektion habe ich mir genau ein Begriff merken können:
xiang jiao!
Banane!
Ich ging zum Schalter und habe mich für Anfänger, Lektion 1 eingeschrieben.

PS: Der "r" bei "Ma(r)co" jeweils in Klammern, weil sie schon einen "r" aussprechen können, aber fast unmerklich, einfach die Zunge zusammengerollt an den Gaumen gedrückt "aaarrr"

Dienstag, 25. August 2009

Unverbunden

Ja mein Pigeon hat Wellen geschlagen.
Ich kann euch aber beruhigen, der Ständer ist meiner und der Gido hat sie nur dabei, um mich eifersüchtig zu machen.
Und eins sag ich euch, eine Ausfahrt mit meinem Pigeon, fährt mächtig ein (ich glaube dieses Spiel könnte man endlos weiterziehen).

Jedenfalls stehe ich jetzt vor einer schwierigen Herausforderung. Ich muss nämlich 3 komplett unzusammenhängende Ereignisse, irgendwie zusammenfügen, damit dieser Blog nicht so geschnibselt daherkommt.
Ich versuche es:

Hier gibt es eine herrlich, dämliche Modebewegung:
Übergrosse Hornbrillen!
Könnt ihr euch jetzt nicht vorstellen was? Aber sieht grandios aus, vorallem bei Frauen die diese Brille tragen, als hätte sie gar keine Brille auf. Und zuerst denkt man nur: Streber, aber danach, wenn man sich mal daran gewöhnt hat, perfekt.
Hoffentlich schwappt dies einmal auf Europa über.

Apropos Hornbrillen, heute habe ich zum ersten Mal Frosch gegessen. Das ist jetzt kein Witz, entspricht absolut der Wahrheit. Ganz normal beim Mittagessen. "Komm wir bestellen Frosch", meinte mein Kollege. Und schon war er bestellt und vor uns in der Mitte auf dem Tisch.
Schmeckt wie Tofu, das ein wenig nach Hühnchen schmeckt.

Apropos Tofu, heute kam Madame Cho zu uns ins Büro, sie ist diejenige welche mich auf "Zhu Mankai" getauft hat, und erzählte uns einen chinesischen Brauch, welchen ich genial fand.
Wenn einem sein Kind das erste Jahr erreicht, wird es vor einen Tisch gestellt, welcher voller Dinge ist wie z.B. Filzstifte, Papier, Spielzeugautos, Mobiltelefon, CDs, Essen, einfach ein bisschen von allem.
Danach lässt man das Kind etwas vom Tisch aussuchen und je nachdem WAS das Kind aussucht, kann man in etwa abschätzen, was einmal aus ihr oder ihm wird.
Nimmt es zum Beispiel das Flugzeug, stehen die Chancen gut für eine(n) Pilot(in), entscheidet es sich für den Schraubenzieher wird es Mech, nimmt es die Tastatur auseinander und schluckt ein paar Tasten wird es Autor, greift es zum Pommes Frites wird es dick und so weiter, und so weiter...
Hätte man das mit mir gemacht, dann hätte ich mich wohl für die Schokolade und das Rucksäckchen entschieden:
Ein glücklicher Weltenbummler!
(Ah, könnte da die Idee für ein neues Buch dahinter stecken?! Wir werden sehen...)

Apropos glücklich, jetzt hab ich es doch noch gefunden, das Skorpion am Stiel.

Sonntag, 23. August 2009

Es ist Liebe

Ihr habt gewonnen. Die Wetten können eingestellt werden, der Gewinn ausbezahlt.
Ich hab mich verliebt!
Oh ja und wie!
Gestern kennengelernt, ganz durch Zufall und völlig unverhofft.
Es war wohl bisher der schönste Tag hier in Beijing, nicht zu heiss, strahlend blauer Himmel, Laune gut. Wir besuchten das Art District von Beijing namens "798". Der absolute Hammer dieses district, jeder von euch der mich besuchen kommt, werde ich dorthin schicken.
In einem verlassenen Industriequartier eingerichtet, mit unzähligen Gallerien und netten Cafés. Zur Zeit laufen gerade zwei schweizer Ausstellungen, eine die nennt sich "The Chinese" und die andere "Our World at War". Beides Fotoausstellungen mit atemberaubenden Bildern, die einem nicht so schnell aus dem Kopf wollen. Bald, ja bald werde ich noch mehr Fotos für euch bereitstellen, damit ihr auch bildlich etwas mehr erfahrt über meine neue zweite Heimat.
Aber eben, das interessiert euch sicherlich alles überhaupt nicht, ihr wollt mehr über SIE erfahren.
Wir waren auf dem Rückweg von 798 (ihr müsst wissen, ich bin ja schon sehr lange auf der Suche nach der Richtigen) und wir liefen gerade an ein paar vorbei, welche quasi allesamt mir ins Auge stachen. Erste Blickkontakt wurde ausgetauscht, ich sah sie nur kurz an, sie war schlank und hübsch gekleidet, aber zuerst viel sie mir nicht wirklich auf und probierte spontan eine andere aus. Diese musste zuerst ein bisschen überredet werden, damit sie mir überhaupt passt, aber schlussendlich durfte ich sie dann doch noch ausführen. Mir wurde schnell klar, es ist nichts, das harmoniert nicht, das Gefühl fehlt, irgendwie wirkt alles so unbequem, gerade bei den Weichteilen ging sie mir schon ein bisschen zu hart ran.
Ich liess sie links liegen. Zum Glück, denn so fand ich die wahre Leidenschaft. Dem Zuhälter erklärte ich, ich möchte jetzt trotzdem noch die elegante Schwarze aus Shanghai testen. Er zügelte sie und wir durften uns zum ersten mal berühren.
Funken haben gesprüht, ich wollte nichts mehr anderes als auf ihr weitere Hochgefühle erleben. Ich bezahlte den überhöhten Preis sogleich ohne darüber zu verhandeln und jetzt ist sie mein. Mein ganz allein. Ich sage ihr "Pigeon", weil man nennt sie so, dort wo sie herkommt, aus Shanghai. Sie hat ein unglaubliches Fahrwerk und wenn nichts dazwischen kommt, sollte sie nicht vorzeitig altern, ich sie immer etwas einöle vor dem Schlafen gehen und sie mir nicht ausgespannt wird, dann könnte ich mir sogar vorstellen, sie mit nach Hause in die Schweiz zu nehmen und mit ihr alt zu werden.
Ist sie nicht wunderschön?


Heute haben wir unseren ersten Ausflug gemacht, Pigeon und ich. Und zwar, man höre und staune, ins IKEA.
Ein weltklasse Ausflug, obwohl er für mich nichts mehr mit Möbel zu tun gehabt hat, sondern mit Theater.
Die Chinesen, die gehen ins IKEA zum schlafen!!!
Kein Witz!
Die liegen überall nur rum und pennen. Man muss sagen, zum Glück gibt es solche die sich eine Auszeit nehmen und nicht im Wege stehen, den sonst gäbe es kein vorwärtskommen mehr, so voll war der Laden heute. Aber vom Inhalt her war es genau das gleiche wie in der Schweiz, nur anders angeschrieben.

Freitag, 21. August 2009

Getting Chinese

Ich hab zwei, nein, drei gute und keine schlechte Neuigkeit.
Also erstens: die Schokolade aus der Schweiz ist angekommen.
Gott! Einfach göttlich!
Ich hoffe ich beleidige niemanden wenn ich sage, ja, die Schokolade habe ich bisher am meisten vermisst.

Zweitens (und auf diese zweitens bin ich ganz schön stolz): ich bin den gefälschten Hunderter losgeworden. HA!
Ich war auf dem Schwarzmarkt Schuhe kaufen, und diese Abzocker dort gaben wirklich einen absoluten Abzockerpreis für das Paar Schuhe an, welches ich wollte. Da dachte ich, euch „Schlawiner“ zeig ichs, hab gefeilscht wie ein König, einigermassen meinen Preis hingekriegt, 300 Yuan, und dann beim zahlen ganz geschickt ein Bündel Hunderter gegeben und in der Mitte eingeklemmt den Falschen. Und weg war er!
Im Nachhinein musste ich von meinen Kollegen auf der Botschaft erfahren, dass man für solche Schuhe maximal 100 Yuan bezahlt. Aber trotzdem, ich bin die falsche Sau los und darauf bin ich stolz!


Drittens: Nach langer Sucherei habe ich eine Wohnung gefunden.
Die Suche war schlussendlich doch noch anstrengender, als es am Anfang den Anschein gemacht hat. Anfangs hatte ich noch eine Agentin, welche für mich auf Wohnungssuche ging (soviel zum Thema Selbständigkeit), diese hat auch wirklich etwas tolles gefunden, im 26. Stock, Aussicht auf einen Park, riesengross. Ich wollte es, der Landlord war einverstanden. Vertrag wurde geschickt, es gab ein paar Anpassungen zu machen, so zum Beispiel die „diplomatisch Klausel“ welche rein musste, es ging ein paarmal hin und her, was bei den Chinesen normal ist, weil man immer das Gefühl hat, doch jetzt hat er es verstanden, und am Schluss ist alles noch genau gleich falsch, nur einfach anders formuliert, und dann plötzlich fand der Landlord, nein, er will jetzt nicht mehr, er hat jetzt jemanden der mehr bezahlt.
Vielen Dank für nichts, Kommunist!


Die Suche ging weiter und mir wurde es immer wohler im Apartment vom Hotel. So kam mir die Idee, warum nicht das Hotel fragen ob sie ein Plätzchen haben?
Nein, sorry, kein Platz oder zu teuer.
Das war aber der Startschuss zu einer neuen Idee. Im Moment gibt es in Beijing viel zu viele Hotels, welche wirklich um ihre Kunden kämpfen. Jedes dieser Hotels bietet auch „longstay“ Apartments an. So kam just an diesem Tag ein wunderschöner Flyer mit einem luxusapartment Angebot vom „The Ascott“ rein.
Einmal per Mail kontaktiert, hatte ich 5 Minuten später schon das Telefon für den Termin beim „luxury homestay“, wie sie es so schön genannt haben. Angekündigt wurde mir ein „Penthouse“ auf zwei Stockwerken.
Ich war noch nie vorher in einem Penthouse, wusste aber, dass es schon noch so berüchtigt ist.
Beim The Ascott angekommen, mussten ich erfahren, dass dieses Luxusding nicht beim The Ascott ist. Ooookeeeey, wo denn? Nur etwas weiter „10 Minutes by Taxi“. Hier muss erwähnt werden, dass in Beijing aus „10 Minutes by Taxi“ glatt ein Tagesausflug werden kann.
Glücklicherweise war das Luxuryblablateil wirklich nur 10 Minuten weiter weg, aber schon von Aussen wurde klar, so Luxus ist das nicht.
Von „Vincent Li“ wurde ich in Empfang genommen und zum Lift geführt. Es riechte etwas geschimmelt und der Teppich hätte auch mal wieder ein Schamponierung vertragen. Lustigerweise war Mister Li sehr stolz auf den Business-Bereich, ja welcher sogar „with Fax“ daherkam.
Jede Türe die wir passierten musste mit einer Karte geöffnet, und auch nur so konnte der Lift in Betrieb genommen werden. So waren wir also im Lift und Mister Li machte sich an diesem Kartenschlitz zu schaffen. Einmal durch und ein rotes Lämpchen leuchtet "Piep", zweimal durch "Piep", dreimal durch "Piep", das zog sich gemütlich so weiter und beim 25 Mal ganz schnell und zackig durchgezogen wollte der Lift dann auch.

Nun das Penthouse: beim Eintreten hat es bereits gestunken. Die Putzfrau war gerade noch daran, das Schlimmste zu kaschieren, aber der beissende Geruch nach irgendwelchem Leben in der Küche konnte sie nicht verbergen. Das Gästeschlafzimmer hatte einen Balkon, welcher aber zu verglast war und zwar von allen Seiten, also auch von der Zimmerseite her und man so diesen nicht betreten konnte, das war also einfach... nichts.
Im Masterbedroom (ich liebe diesen Ausdruck: „Masterbedroom“) hatte es so eine kleine Tür beim Fenster, welches aber nicht wie ein Schrank aussah. Ich fragte Mister Li „What’s this?“ „Oh...“ meinte Mister Li, offensichtlich auch unwissend, und öffnete die Tür. Auch da, nichts, es war nichteinmal genügend Raum da um Etwas zu verstauen. „Maybe if you open, it’s more bright!“ Meinte Li. Hmmmm.
Dann bekam ich noch den richtigen Stauraum, einen begehbaren Schrank zu Gesicht, dieser war aber der absolute Panikraum, mit losen Rohren die an der Decke hingen, eingetrockneten Blutlachen am Boden und kratzspuren an den Wänden...
Natürlich nicht, aber es hätte schon gut gepasst.

Zwischenzeitlich meldete sich ganz Überraschend das Kempinski, in welchem ich ja jetzt wohne und unterbreitete mir ein Hammerangebot. Ja und die Wohnung welche mir da vorgeführt wurde war alles andere als übel.

Jedenfalls, so in dem Stil habe ich einiges gesehen, vieles davon in Hotels. Es war auch schönes darunter, so zum Beispiel gestern ein Apartment im richtigen The Ascott. Als ich Vincent klar gemacht habe, dass dieses „Penthouse“ nicht wirklich nach meinem Geschmack war, setzte der plötzlich alles in Gang für mich etwas passendes zu finden.
Er kam mir überall entgegen, ich wurde abgeholt, mehrere Stunden durchs Hotel begleitet, mir wurde alles gezeigt und erklärt und nochmals durfte ich eine noch bessere Wohnung anschauen, zu noch besseren Konditionen, wenn ich meinte, uh der Teppich gefällt mir aber nicht, hiess es gleich „no problem, we take it out“, und so wirkte irgendwie alles sehr verzweifelt.
Und ist es nicht auch so mit den Frauen, wenn sie zuerst bocken, macht es sie nur noch interessanter?
Bei mir ist es jedenfalls so, und deshalb habe ich mich entschieden bei der Zicke Kempinski einzuziehen.

Ps: Fotos gibt es nicht, wer diese Wohnung gern einmal sehen möchte, muss schon selber vorbeikommen!

Mittwoch, 19. August 2009

Vollautomatische Email-Benachrichtigung

Sind sie auf der Suche nach etwas mehr Zeit im Leben?
Sind sie auch gerne bequem?
Sind sie es also Leid immer selber auf "Helvetia blogs Konfuzius" nachschauen zu gehen, ob es neue Beiträge hat?

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Auf was warten sie noch, registrieren sie sich und werden sie reich an Zeit und reich an neuen Geschichten.

Es grüsst der Autor,
Marquis de Lugnorre

PS: Es gibt keinen neuen Beitrag, bevor sich nicht MINDESTENS 20 User angemeldet haben. ;-)

Dienstag, 18. August 2009

Zu kurz

Heute hatten wir Kanzleisitzung hier auf der Botschaft, und ich war der einzige ohne Kravatte!

Ist mir nur so ganz nebenbei aufgefallen...

Montag, 17. August 2009

Kurios

Am Wochenende erlebte ich vereinzelnt ein paar sehr kuriose Szenen.
Am Samstag in der Garderobe zum Pool.
Ein alter, kleinwüchsiger Mann, mit Stock und Augenklappe, auf der Bank vor meinem Garderobenschrank. Ich grüsse, er sagt nichts.
Ich entledigte mich des Tuches welches um meine Hüfte geschlungen war, da spricht mich der kleine, alte Mann an:
"Is there a red and white bag outside the door?"
Über die unhöffliche Art vom Nichtgrüssen einmal drüber hinwegschauend, wollte ich nicht so sein, schwang das Tuch wieder um die Hüften und schaute draussen nach.
Trocken gab ich dem Mann ein "No" zurück. Erstaunlicherweise bedankte er sich und verschwand im Gang.
Beim hinausgehen kam der Kleinwüchsige gerade humpelnd zurück, seine Tasche hinter sich herschleipfend.
Macht keinen Sinn, war einfach nur kurios.
Im extravaganten "Beach-Club" (auf dem Dach, Openair und voller Sand) dann, gab sich eine Gruppe Chinesen neben uns mit einer 4.5L Flasche Absolute Vodka die Kante. Einer davon blieb den Rest des Abends wie ein Toter auf dem Sofa liegen. Wirklich wie tot. Er bewegte sich nicht mehr, reagierte nicht wenn man ihn ansprach, war wie im Koma. Das einzige Lebenszeichen: zwischendurch kötzelte es ein bisschen zu seinem Mund heraus.
Stunden später sah er aus wie eine Leiche, atmete aber.
Kurios, aber scheinbar normal hier.
Am nächsten Tag, nach wenig Schlaf und mit einem Unterbestand an Gehirnzellen, gingen wir Möbel für meine zukünftige Wohnung anschauen. Deprimierend. Asiaten sind entweder "sackstarch" im Design, oder abgrundtiefe Nieten. Denn das Möbel vom Grossi, lässt sich nicht mit schrillen Farben kombinieren und eine Rosentapette funktioniert auch nicht auf einem schlichten Designermöbel.
Vor der Möbelhalle dann aber eine abartige Limo mitten auf die Strasse stellen, das funktioniert. Kurios.
Wir besuchten noch ein Schwarzmarktspielwarengeschäft, wo einem konstant ein Spielzeughelikopter um die Ohren säuselte. Eine vermumte Muslimin vor mir, war gerade daran am Militärspielzeugstand die Knarren auszuprobieren. Sie ballerte ein Weile rum und entschied sich schlussendlich für das Maschinengewehr. Ist das jetzt voller Vorurteile, oder gar diskriminierend? So wäre es nicht gemeint, für mich war es schlicht nur... ihr wisst schon.
Und zum Schluss noch etwas paradoxes:
Am 1. Juli wurde zu meiner und der Mehrheits grosser Freude in der Schweiz das Rauchverbot durchgesetzt, und jetzt bin ich in einem Land wo man überall rauchen darf und irgendwie, wenn man nicht ersticken möchte, immer und überall und vorallem auch draussen, zwangsläufig mitraucht.
Es lebe der Kommunismus!

Samstag, 15. August 2009

DA Place (aufdatiert)

Ich nehme meine Aussage vom untenstehenden Blog zurück, der Schweinehund von einem Velotaxifahrer hat mich trotzdem übers Ohr gehauen.
Er hat geschickterweise meine Hunderternote, mit einer gefälschten getauscht und mir diese zurück gegeben. So hiess es dann gestern an der Bar (und seither überall) "this is a false" und wird nirgends mehr akzeptiert. So habe ich eigentlich für die gestrige Fahrt 120 Yuan bezahlt.
Cleveres Kerlchen, kann man ihm schon fast nicht mehr übel nehmen.

Freitag, 14. August 2009

DA Place

Langsam fange ich an mir Sorgen zu machen.
Wo ich mich sonst immer auf meinen Orientierungssinn verlassen konnte, scheint er hier irgendwo auf der Strecke geblieben zu sein.
Heute wieder, ich wollte der Mall "The Place" (was für ein arroganter Name für ein Shoppingcenter "THE Place", oder wie man hier im Slang so schön sagt: "DA Place") einen Besuch abstatten. Nicht weil ich etwa die Lust zum shoppen stoppen wollte, nein, schlicht weil es dort eine spektakuläre Leinwand gab!
Hm, okey! Wie spektakulär kann das schon sein?
Jedenfalls, stieg ich meiner Meinung nach bei der richtigen Metrostation aus. Der Trick bei den Stationen ist, dass es immer 4 Ausgänge gibt: A, B, C und D. Bei der Station hängt jeweils ein schöner Plan davon, welcher Ausgang wohin führt. Vielleicht muss man hier noch erwähnen, dass diese Pläne meist ausschliesslich auf chinesisch sind und man somit die Geografie irgendwie selbständig übersetzen sollte.
Auf jeden Fall muss ich beim falschen Buchstaben ausgestiegen sein, denn ich lief sicher eine halbe Stunde, ständig die Karte konsultierend, nie einen Anhaltspunkt findend und plötzlich stand ich wieder vor einer Metrostation, die gar nicht mehr auf der Karte war, sondern um 180 Grad in die andere, der gewünschten Richtung lag.
Bedenklich!
Immerhin schaffte ich es dann doch zum Place, und war sogar zu früh. Es war noch hell und die Leinwand war es nicht. Allerdings schon ausgeschaltet, war sie beeindruckend. Über eine ganze Promenade hin, wie ein überaus langes Dach, streckt sich diese Ledwand sicherlich über 100 Meter.
Size does Matter!
Nach einem Teller "flied liz" und nach der Dämmerung ging ich also nochmals zurück und begutachtete das gute Led-Dings.
Überaus spektakulär und somit wirklich "Da Place".
Müde gelaufen, entschied ich mich ausnahmsweise eine Taxi zu mir zu pfeifen. Dies erwies sich auch als leichter gesagt, als gepfiffen. Immer schön vor der Nase wurde mir die Kutsche weggeschnappt, oder dann entschied sich kurzerhand der Taxifahrer dafür, doch nicht den Kapitän Rotbart in sein Schiff zu lassen.
So blieben nur noch die überaus aufsässigen Velotaxis.
Verhandeln war angesagt.
Der erste wollte 50 yuan, der wurde von mir ausgelacht, den das Taxi kostet ca. 10 (10 yuan ist in etwa 1 Euro). Ich lief ihm davon und er kam schlagartig herunter auf 30. Zugegeben, für mit dem Velo, das zwar mit einem kleinen Elektromotor ausgerüstet ist, wäre es sicherlich ein beachtliches Stück zum trampeln bis zum Hotel, aber trotzdem, aus Prinzip immernoch nein. Er kam nochmals herunter auf 20 Yuan, ich schlug dann 12 vor und der Deal war gemacht.
Die fahrt war schön, abgesehen vom Verkehr der absolut vorsichtslos mit den Schwächeren umgeht, schon fast gemütlich. Auf halber Strecke merkte dann auch mein Chauffeur, dass es eine ziemliche Runde ist und wollte plötzlich den Preis anheben. Ich aber blieb hart. Geschäft ist Geschäft.
Heil am Ziel angekommen, dachte ich, okey, er war wirklich nett, hat noch ein Foto von mir gemacht und wirklich geschwitzt, ich geben ihm 20 Yuan. Er aber bestand auf 30! Strikte wollte er meine 20er Note nicht annehmen, stürmte irgendetwas auf chinesisch, hatte schon das Wechselgeld für meinen Hunderter parat, quaselte weiter auf mich ein, riesen Szene, alle Passanten schauten schon! Blabla! Ich gab nach, was sind schon 3 Euro, hier nimm sie.
Und dann geschah etwas, dass habe ich noch nie erlebt bei einem Asiaten. Ich bin mir bewusst, meine Mimik ist ganz einfach zu lesen und immer sehr prägnant, aber dass es sogar Auswirkungen auf einen Chinesen haben kann, das hätte ich nicht erwartet. So sah er wahrscheinlich den Frust mir ins Gesicht geschrieben und gab mir das Geld zurück!!!
Ich glaubte es zuerst gar nicht, hatte das Gefühl der will mich irgendwie übers Ohr hauen, doch er sagte nur "Oke, Oke" nahm die abgemachten 20 Yuan und ging davon.
So auch ich, wenn auch misstrauisch. Sicherheitshalber schaute ich die zurück erhaltene Hunderternote nochmals genauer an, überprüfte ob mein Föteler noch da war, die Kreditkarte und ob ich die Hosen noch an hatte.
Bis jetzt habe ich keinen Verlust bemerkt.
Unglaublich! Und da sagt man die Chinesen seien erbarmungslose Geschäftemacher.

Dienstag, 11. August 2009

Über Überraschungen

Wisst ihr was wirklich ankackt?! Ich habe soeben zwei bereits geschriebene Blogs verloren! :-(
Keine Zeit zum trauern, halt nochmals von vorn:

Beijing steckt voller Überraschungen.
Heute nach der Arbeit, und die Arbeit hat ja so was von schon angefangen, wollte ich den Tian'anmen Platz besuchen. Und wo bekanntlich ein Wille ist, ist auch ein Weg, oder in meinem Fall eine "brätsch"-volle Metro.
An der richtigen Station ausgestiegen, aber bereits ein bisschen verlaufen, stand ich plötzlich vor einem UFO (National Centre for Performing Arts, man beachte bitte auch den strahlend blauen Himmel).
Das UFO schon wieder vergessen, machte ich mich auf die Suche nach dem Eingang zum Park, was leichter gedacht ist, als getan. Allerdings glaube ich auch, dass ich mich heute besonders blöd anstellte. Jedenfalls kam ich irgendeinmal an einen Punkt, wo man Eintritt bezahlen musste, was ich ehrlicherweise auch getan habe (ca. 90 Rappen). Im Bewusstsein, dass ich heute nicht so auf der Höhe bin, folgte ich einfach der grösseren Menschenmasse. Nachdem ich durch diverse schöne Tore hindurch war, einem Fluss entlang lief, wieder durch ein paar Tore ging, immernoch kein Platz da war, ich brav weiterlief, immer mehr ganz alleine und ich plötzlich vor den Toren stand zur forbidden city, welche aber bereits geschlossen waren, für mich also forbidden blieb, war ich ein bisschen angepisst. Als ich weiter ging um die Mauern draussen herum um wieder in den Park hinein zu kommen (wo genau dass ich rausgekommen bin habe ich auch nicht bemerkt) und mir dann bei einem anderen Eingang mitgeteilt wurde "sil, closed!" da war ich dann angeschissen.
Im Frust dachte ich, die Metro kann mich mal und ich suche einen Ort zum essen. So lief ich, und in Beijing kann man laufen. Laufen und laufen, es hört nie auf.
An einer neuen Metrostation angekommen, dachte ich, ich schau noch kurz in die nächste Strasse hinein und da hier in dieser Gegend so oder so nur monströse Hotelblocks stehen, wird dort auch nichts sein und nehm dann die Metro.
Jedoch eröffnete sich um diese Ecke eine andere Welt.
Lichter überall, Läden, Malls, Fussgängerfreiezone (!!!), in den Seitenstrassen Ketten von den typisch, chinesischen Laternen und sicherlich etwas zu essen.
Und wie!
Ich fand einen Markt wie wir uns das alle immer vorgestellt haben und er kündigte sich schon früh an, und zwar in der Luft. Plötzlich roch es vertraut angebraten und gleichzeitig unvertraut Fremd. Es mischten sich verbratenes mit totem, fischiges mit fleischigem, süss mit lemongrass, Gerüche wo mein Magen Alarm schlug, aber der innere Sauhund danach bellte.
Und da war er, eine ganze Strasse lang, und alles wurde angeboten, frittierte Schlangen, geröstete Käfer, caramelisierte Früchte.
Und dann hab ich es getan.
Ich habe eine frittierten Seestern gekostet!
Jawohl!
Nicht wirklich nein... ich habe es gerade einmal zu fried noodles geschafft, und auch diese haben irgendwie nach dem Kalmar von nebenan geschmeckt und so ging ich trotzallem hungrig, aber satt geschaut nach Hause.
Ich war aber sicherlich nicht zum letzten mal dort, schliesslich muss ich noch einen dieser farbigen, blubernd-dampfenden Drinks probieren.
Cheers!
PS: einen Vorteil habe ich an meinem Sprachmanko entdeckt, etwas dass mich in der CH immer gestört hat, aber hier werden mir die Werbeflugblätter nicht einmal angeboten!

Sonntag, 9. August 2009

Über Sehenswürdigkeiten

Gerne möchte ich euch bei dieser Gelegenheit etwas über Beijing und seine Sehenswürdigkeiten berichten, ein Erfahrungsbericht sozusagen. Behaltet aber im Hinterkopf, dass dies der erste und ein sehr jungfräulicher Erfahrungsbericht ist.

Nun, an meinem freien Tag entschied ich mich den Olympic Park zu besuchen. Natürlich wollte ich um dahin zu gelangen nicht touristisch sein und entschied mich für die U-Bahn. Dann wurde mir eines Bewusst, es war Wochenende und ich war bei weitem nicht der einzige der sich für einen Ausflug an seinem freien Tag entschied.

Wenn in der Schweiz irgendein grosses Event ansteht, wo alle hin wollen, alle die gleiche Idee haben, zum Beispiel an ein Rockkonzert, dann ergibt sich da vielleicht eine Menschenmasse von sagen wir... 15‘000 Menschen und da denkt man dann schon, botztussig, schon noch viele Leute.

Wenn hier in dieser Stadt nur EIN PAAR die gleiche Ausflugsidee haben, sind plötzlich auf einen Streich 3 MILLIONEN Menschen zusammen unterwegs. Und genau das habe ich gestern realisiert.

Ich stieg also in diese U-Bahn, wo alles chinesisch angeschrieben war und ich schon nur eine halbe Stunde gebraucht habe, bis ich irgendwie mit Händen, Mund, Bauchnabel und Füssen zu meinem Ticket gekommen bin. Es waren bereits viele Leute in dieser Röhre, etwa so wie in Bern um 5 Uhr Abends im Bus, aber so ein klein wenig Platz hatte es schon noch. Jedoch fuhren wir plötzlich in einer Station ein und da warteten unzählige, ja tausende Chinesen auf die U-Bahn und mein einziger Gedanke war, pah, die kommen nie im Leben alle noch hier rein.

... bei diesem Gedankengang habe ich kurz vergessen, dass ich in China bin.

Es wurde gemostet, gedrückt, gezwängelt, klaustrophobische Gedanken kamen auf, mussten aber schnell wieder vergessen werden, denn das wäre der sichere Tod gewesen, und schlussendlich waren unglaublicherweise all die wartenden Chinesen in der U-Bahn drin und ich fühlte mich wie das unterste Flöckchen in der Corn Flakes Packung. Ich dachte schon, das wars, ich werde nie mehr im Leben aus dieser U-Bahn aussteigen können, oder sicherlich nicht da wo ich möchte. Bei meiner für asiatische Verhältnisse überdurchschnittlichen Grösse, sah ich nur einen Wald voller Köpfe mit schwarzen Haaren. Durch unwahrscheinliches Glück öffnete sich dann aber die Tür auf meiner Seite, was allerdings auch nicht mehr relevant war, den diese Menschenmasse wollte auch dort aussteigen, wo ich.

Ein bisschen Pech, oder Glück, war auch im Spiel, denn so habe ich vergessen, dass gestern der olympia Jahrestag war, es viele Attraktionen vor Ort gab und deshalb so viele Leute dahinströmmten. Jedoch hat das Ganze mir bewiesen, in Beijing gibt es unzählige Sehenswürdigkeiten, aber die eigentliche Sehenswürdigkeit ist die Stadt Beijing an sich, alles wird zur Attraktion hier.

Ah und übrigens: doch, das Birds Nest ist sehr schön!


Donnerstag, 6. August 2009

Zhu Mankai

Etwas vom ersten was mir bei der Ankunft gesagt wurde war: "du findest alles hier!"
Und etwas wo mir in letzter Zeit immerwieder durch den Kopf schiesst ist: "es gibt alles hier!"
Ich hab schon erwartet, dass von der westlichen Welt das eint oder andere übergeschwappt sein könnte, aber gleich in einem solchen Ausmass hätte ich mir es nicht vorgestellt. Wirklich, bis jetzt habe ich noch nichts nicht gefunden, was es in der Schweiz auch gibt. Also konkret, hier gibt es alles und noch den asiatischen Kram dazu (vielleicht Aromat gibt es nicht).
Trotzdem ist es definitiv noch sehr asiatisch, viel Verkehr, es riecht bis stinkt überall, viele Leute, alles unverständlich angeschrieben, laut und ziemlich anders.
Ein Vorurteil darf ich jedoch bereits eliminieren: ich habe zum ersten Mal so richtigrichtig chinesisch gegessen, und das essen war nicht wie vermutet am zabbeln, noch sah es nach irgendwelchem Ungeziefer aus. Das meiste davon waren gefüllte Teigtaschen, in verschiedenen Farben, je nach Inhalt angepasst. So waren die schweinigen pink, die pilzigen beige, die gemüsigen weiss, und jene mit dem knusper Effekt in der mitte (frittiertes Schwein) violet. Diese ganze Palette wurde auf einen drehenden Tisch gestellt, und jeder durfte sich wie am Glücksrad mal daran bedienen. Und bei irgendwelchen wünschen, hat es auf dem Tisch so ein Teil, welches wie ein Menuhalter aussieht, jedoch mit den Knöpfen "Water, Order, Bill (jeweils auch auf chinesisch)" und man per Knopfdruck den Kellner damit bestellen kann. Exquisit!
Heute war Wohnungssuche angesagt, ich denke wenn ich zurück in die Schweiz kehre, ich absolut unselbstständig sein werde, denn hier wird einem alles gemacht. Die Wohnung hat bereits wenn man sie bezieht alles eingerichtet, Internet, TV, Waschmaschine, der Müll wird einem, egal in welchem Stock, quasi vor der Haustüre abgeholt, Wasser wird einem gebracht, die Putzfrau steht schon ganz putzgierig in den Startlöchern, schlicht und einfach, man ist König hier und ich werde alles versuchen mich nicht daran zu gewöhnen.
Übrigens habe ich jetzt einen chinesischen Namen:
Zhu Mankai
Steht scheinbar, so wurde es mir von der französisch sprechenden Chinesin welche den Namen für mich ausgesucht hat erklärt, für "victoire"!
Andele!

Dienstag, 4. August 2009

Ein Vergleich

Soeben zurückgekehrt vom Gym mit Pool auf dem 18 Stockwerk, inklusive Ausblick über die Stadt. Nein, über meine Unterkunft kann ich wirklich nicht klagen.
Allerdings möchte ich euch zwei Bilder vorführen, das einte wurde am 31. Juli 2009 in der Schweiz aufgenommen, das andere heute in Peking. Ich weiss, die Unterschiede sind minim, aber bei genauem hinschauen kann man erkennen, welches von wo stammt (kleiner Tipp: beachtet vorallem den Himmel).



Des weiteren musste ich heute Passfotos machen für meine chinesische Identitätskarte, allerdings konnte der Fotograf überhaupt nichts mit meiner Hahnenkammfrisur anfangen und hat diese diskussionslos wegretouchiert.
Ich kann es nur immer wieder erneut erwähnen: traut nie einem Foto.

Montag, 3. August 2009

Die Zerreisprobe

Hätte mir gestern jemand das one-way Flugticket nach China entgegengestreckt, zugegeben, ich hätte es vor seinen Augen in tausend Stücke zerrissen, verbrannt und noch drauf geschissen. Noch nie im Leben war ich so traurig wie gestern, als die Zeit des definitiven Abschieds gekommen war.
Doch ist das die feine Art die Ära des Blogs "Helvetia blogs Konfuzius"
einzuläuten? So traurig? Sollte ich nicht überglücklich sein, solch eine Chance wahrnehmen zu dürfen? Wir werden sehen...
Jedenfalls, die Chance hat begonnen, und zwar zur Wiederauffüllung der Tränendrüsen mit einem Glas Champagner in der Business Class, das ist nämlich das erste was einem entgegengestreckt wird (oder das Einzige was ich in meinem leiden Zustand sehen wollte auf dem Tablett neben Orangejus und Wasser), sobald man in seinem riesigen Tronsessel, der mit seiner Beinfreiheit gar zu Dehn- und Gymnastikübungen einlädt, platz genommen hat. Leider, gerade als ich alle Funktionalitäten des Stuhls in den Griff bekommen habe, musste ich diesen auch schon wieder seinem Schicksal überlassen und in Istanbul die Maschine wechseln. Dort herrschte mittelschweres Chaos, jeder ankommende Flug verspätet, Anschlussflüge die auf die Zuspätankommenden warten mussten und eine Anzeigetafel auf welcher jeder Flug mit "Last call" gezeichnet war, führte zu Gedränge und Gezanke an den Warteschlangen.
Mein Gate war kaum zu verfehlen, ich musste nur dorthin wo mich niemand verstand, ich niemand verstand und mit meinem Aussehen auffiel, wie eine Tomate im Bambuswald. Als mir ein rotzfrecher Chinese sich seines Rotzes vor meinen Füssen entledigte, wusste ich definitiv, dass ist mein Flieger.
Touch-down Beijing.
Alle Angestellten am Flughafen laufen mit Masken rum und wollen den Passagieren Fieber messen. Katrina, das selbsternannte Mädchen für alles der Schweizer Botschaft, holte mich ab und chauffierte mich Richtung Down-Town ins Kempinski Hotel wo ich ein Wohnappartment bezogen habe.
Viel von Beijing habe ich noch nicht erlebt, ausser dem Smog, der kein Smog ist, sondern der pekinesische Nebel, oder je nach dem wie tief der Nebel hängt auch als Dunst bezeichnet werden darf, oder je nach Stimmung einfach eine Mischung aus allem ist. Auch als ich die ersten Schritte hier in eine nahegelegene Einkaufsmall wagte und vor einem Regal stand voller Kambli Biskuit, kam mir das alles andere als chinesisch vor.
Ah doch, etwas China bekomme ich bereits direkt zu spüren, dieser Blog ist nämlich in China gesperrt. Ohne die Mithilfe eines tatkräftigen Engels namens Löni, könnte dieser erste Eintrag gar nicht ins Netz gelangen, denn ich kann ihn von hier aus nicht veröffentlichen, kein Zugriff. Morgen geht es zum ersten Mal in die Botschaft, mal schauen wie dort der Zugriff aufs Netz aussieht, ansonsten zwingt mich die chinesische Politik meine Sachen auf dieser Internetadresse zu packen und woanders mein erlebtes zu veröffentlichen.
Wir werden sehen zum zweiten...