Dienstag, 29. September 2009

yi, ar, san, GANBEI!!!

Vor ein paar Stunden hatte ich ein Kurzreferat vor der ganzen Botschaftsmannschaft...

Aber eigentlich wollte ich etwas ganz anderes erzählen, etwas wirlich wichtiges.
Ich war "meiner lebtig" noch nie an einem Oktoberfest. Dieser Satz war so etwas vom letztem Samstag, denn nun war ich an einem.
Man stelle sich ein Festzelt vor, lange Tische, Buffet mit deutschen Speisen, eine Band, die alles je da gewesen an nervigem (inklusive s!Närvt) in den Schatten, oder besser gesagt ins Bier stellt und ja eben, überall Bier.
Bier en Masse, oder in der bierigen Sprache: Bier im Mass.
Das ganze allerdings nicht mit Deutschen (die hatte es auch, aber mächtig in der Unterzahl), sondern mit Chinesen.
Schon mal ein Chinese im Geisenpeter-Outfit gesehen. Ja gell, da muss man schon ein wenig schmunzeln bei der Vorstellung.
Diese riesen "Party, Party, Party" wurde nicht von irgendwem organisiert, sondern vom Crowne Plaza, also ein "Prost, Prost, Prost" auf diese Edelhotelkette.

Anfangs habe ich noch gedacht, das halte ich nicht aus, auch wenn mein Niveau noch Verbesserungspotential hat, aber sollte ich hier bleiben, macht es gar keinen Sinn mehr je wieder anzufangen Niveau aufzubauen.
Dieser komplizierte Gedankengang wurde aber schnell mit der weiss scheumenden Flut weggespült.
Irgendeinmal war ich also am Buffet und nahm gerade den grossen Löffel zur Hand um die "Spetzle" auf mein Teller zu schaufeln, da spielte diese Band, mit der Frontfrau die auf der Bühne aussieht wie zwanzig, aber aus der nähe dann klar die fünfzig überschritten hat, doch tatsächlich "and now a song from switzerland: HEIDI!!!" und im nächsten Moment johlten hunderte von Chinesen "Heidiiii, HEIIIDIIII!!! Komm zurück in die Beeergeeee!"
Ganz speziell, wirklich... ganz speziell.

Ein wenig mühsam allerdings, immer wenn ich gelassen am essen war, den Parkettboden im Magen noch mit einem Filz überziehen wollte, damit das Bier etwas leichter fällt, kam wieder das Kommando aufzustehen und zu singen "ein prooossit, ein prooosit, ein prooosit auf Gemütlichkeit" gefolgt von "yi, ar, san, GANBEEEEEIII!!!" und alle mussten mit jedem anstossen, dann noch Bolognese (nicht die Spaghetti) und erst nach dem ganzen Affentheater durfte ich zurück zu meinem Teller, wo das Essen erkältet auf mich wartete.

Plötzlich klöpfelte mir jemand auf die Schulter, ich drehte mich um und ein Chinese, doppelt so breit wie ich, stand vor mir. Er deutete mit seinem Bierglas auf mich und fragte "ganbei?", ich, natürlich nicht zimperlich, der will ja nur anstossen, klar dabei, wir schlagen also die Gläser zusammen und er ext sein volles Mass leer. Ich deute nur so, bravo, gut gemacht, tolle Leistung und er deutete mir, jetzt sei ich dran. Ich winke ab, mein Glas war voll und ich war voll, ich wollte mich nicht überfüllen. Da klöpfelt es von der anderen Seite auf meine Schulter und die Deutsche neben mir erklärt mir, ja wenn wir eben ganbei gemacht haben, dann muss ich da jetzt mitziehen.
Scheisse!
Ich exte mein Glas und blieb wacklig stehen, trotz dem mir geltenden Applaus drehte ich mich von den Chinesen weg, nur um nicht Gefahr zu laufen noch mehr Kampfexen zu müssen.

Doch sie erwischten mich hinterlistig erneut, zwar später und nachdem ich all mein Bier in mir mit reichlich Wasser verdünnt hatte, aber trotzdem, sie erwischten mich und der dicke Chinese wollte ein neues ganbei.
Ich gab dem dicken zu erklären, er sei aber viel dicker als ich, siehst du, du: dick, ich: schlank, sei nicht fair so zu spielen.
Aber der Dicke hatte ein As im Ärmel, da zauberte er einen seiner dünnen chinesen Kollegen aus der Menge und stellte diesen, welcher bereits kaum mehr stehen konnte, mit vollem Glas vor mich hin.
Ja, was will man machen, Pflicht ist Pflicht.
Jedoch gelang es mir ein wenig zu bescheissen, denn ich tauschte mein volles Glas geschickt mit einem nur halb vollen Glas auf dem Tisch vor mir und exte nur dieses, die chinesische Geisenpeter-Meute bemerkte dies zum Glück nicht.
(Die Fotos wurden übrigens mit der Handykamera geschossen, deshalb die fragwürdige Qualität, aber wirkt irgendwie noch authentisch. Und nein, das da links bin NICHT ich!)

Als dann der Band, nach dem Glöckchen Konzert, dem Nasentrompeter, den Zaubertricks, dem Alphornblasen, dem Trinkwettbewerb, dem Hawaitanzen und jeglichen Solos auch nichts mehr in den Sinn kam, endete mein erstes Oktoberfest.
Sind also ganz witzige diese deutschen Chinesen.
Dagegen war das Bollywood Musical von gestern gleich langweilig dagegen.
Keine Handlung gemischt mit den wildesten Tänzen.
Wenigstens durften wir da ohne ganbei sitzen bleiben und geniessen.

Donnerstag, 24. September 2009

Here, have my card!

Mein Leben verändert sich ja rasant hier, mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit donnere ich durch Neuerungen, die unter Umständen noch lange nachhallen werden.
Denn nicht nur bin ich bereits bereit im Massimo Dutti (schon der Name, er purzelt so schön über die Zunge heraus, ich glaube wenn man nichts sagen wollen, die Zunge zusammenrollen, den Mund öffnen und seine Zunge sich aufrollen lassen würde, sie würde automatisch die Worte "Massimo Dutti" ausspucken) herumzustolzieren, oder mich auch wirklich jeden morgen kurz nach dem Aufstehen zu kämmen und aus einer beachtlichen Palette von Parfums (die haben sich in der Luftfracht irgendwie vermehrt) je nach Lust und Laune und ganz dem Zufalle entsprechend eines von diesen mit schlaftrunkenen Augen auszuwählen und anzuspritzen, nein, jetzt ist auch noch was anderes persönlichkeitsbeinflussendes dazugestossen.
Gerne präsentiere ich euch:
Meine Visitenkarte!












Aus Prinzip habe ich mich dieser lange verweigert, aber wie so vieles, ist auch das mit diesem Kärtchen hier ganz anders.
Einer meiner ersten Kontakte mit einem Chinesen lief nämlich so ab, dass er mir am Schluss vom Gespräch seine Karte überreichte und ich mich ganz nett dafür bedankte. Darauf folgte plötzlich eine etwas zu lange Stille, so eine Art Stille, dass es schon fast peinlich wird, weil niemand mehr etwas sagt, wir reden hier nur von Sekunden der Stille, aber trotzdem, diese paar wenigen Sekunden die können es ausmachen. Schlussendlich war ich es, der sich dafür entschied, diese schon zu viele Sekunden dauernde Stille zu durchbrechen und meinte nur plump:
"Sooooo, goodbye then!"
Da war der Chinese paff.
"What?! What about your card?"
"Oh, sorry, I don't have one."
Und bei dieser Aussage war er dann nicht nur noch mehr paff, sondern noch gleich beleidigt dazu.
So kam ich zum Entschluss, da ich in diesem Land Gast bin etcetera und ich auch nicht gekommen bin um mehrheitlich die Chinesen zu beleidigen, diese komischen Karten mir fabrizieren zu lassen.

Auf Vorrat habe ich jetzt hundert Stück, davon habe ich bereits ein paar in meinem Büro und in den naheliegendsten Büros verschenkt. Die Freude der Beschenkten war riesig (Null, aber das waren ja auch keine Chinesen). Daher bin ich noch ein birebizeli zweifelhaft, ob ich diese hundert Stück festen Papiers im Trambillie-Format in den besagten 4 Jahre auch wirklich loswerde.

Aber möglich ist es, denn irgendeinmal vor ein paar Tagen, oder Wochen, nein Monate waren es nicht, jedenfalls war ich auf dem Markt, so ein richtiger stinke Markt, wo es aber alles gibt, unter anderem die besten Früchte, und irgendwo zwischen dem blutverspritzten Metzger und der Madame die duftende Blumen verkauft, war ein kleines Teelädeli.
Nach meinem Einkauf dort, welcher der Verkäuferin wahrscheinlich den Umsatz vom Monat beschert hat, streckte sie mir auch ihre Visitenkarte entgegen.
Die Schuhe verlöchert, die Kleider zerrissen, aber Visitenkarten, claro que si!
Daher, doch, vielleicht, wenn Mao es so will, werde ich meine 93 Stück die ich noch habe vor 2013 allesamt los.

Montag, 21. September 2009

Luzern mit Mailand in Peking

Es ist ja schon so, dass ich hier in eine Gesellschaft reingeraten bin, die Wert darauf legt, oder sogar die Pflicht hat, sich ein wenig herauszuputzen.
Lustigerweise ist es bei den anderen so, dass sie sich für die Arbeit fein machen, und in der Freizeit kommen sie in den Strandsandalen.
Also eigentlich genau umgekehrt wie ich es handhabe.
Wie werden sehen, wie sehr sich das noch ändern mag.
Jedenfalls im Moment behalte ich diese Einstellung noch ein bisschen bei und so war ich letzten Sonntag in der Zwickmühle. Den am Sonntag stand ein klassisches Konzert auf dem Programm, dieses besagte Konzert fand nicht irgendwo statt, sondern im National Centre of Performing Arts, also im KKL von China, und diesem famosen Centre durfte ich als tüpfelchen auf dem "i" noch in Begleitung einer eleganten Dame einen Besuch abstatten. Für mich also Grund genug sich von der bemüht besten Seite zu zeigen.
Folgendes war allerdings das Problem:
Mein Container aus der Schweiz, gefüllt mit all den anderen Kleidungsutensilien, unter anderem dem EINEN Anzug vom Boss namens Hugo, ist nach wie vor am Zoll und wird dort wahrscheinlich von oben bis unten verwantzt (so jedenfalls stelle ich mir das vor), Konkret, die aktuell, eintönige Garderobe musste aufgerüstet werden. Ich bin nicht der absolute Armani was Kleider betrifft und da leider jegliche weibliche und von mir so hochgeschätzte Beratung in der Schweiz zurückgeblieben ist, musste ich mir anderswo weiterhelfen.
Ich setze nun einmal voraus, dass jeder wer diesen Blog liesst über meine sexuelle Orientierung orientiert ist, richtig? gut! Dann kann es ja keine Missverständnisse geben, denn der Zufall, wenn es ihn den gibt, will es so, dass der grösste Styler auf der Botschaft schwul ist, und sich genau dieser bereit erklärt hatte, mir als Beratung zur Seite zu stehen.

So endeten ich in brandneuem Massimo Dutti Anzug und äusserst charmanter, weiblicher Begleitung in diesem National blablabla Center, besser bekannt unter dem Namen "Egg".
Durch den Abend wurden wir vom mailänder Claudio Abbado dirigiert, welcher mit seiner luzernischen Truppe die Halle vom ersten Ton an in seinem Bann hatte.
Das Konzert war sensationell und unsere Plätze noch besser. Hinter dem Orchester gelegen, waren wir quasi im Orchester drinn. Nicht viel hat gefehlt und ich hätte auf die Kommandos des Dirigenten ebenfalls reagiert und mich mit welchem Utensil auch immer an der Musik beteiligt.
Der erste Teil bestand aus einem Pianokonzert und es war schlicht unglaublich, wie schnell die Hände dieser chinesisch abstammenden Frau zu den Noten von Prokofiev über die Tasten flitzten. Wie Spinnen im schnelldurchlauf.
Der zweite Teil dann war nur noch Orchester, welches die Launen von Mahler in Musik umsetzten. Atemberaubend was ein Musiktrupp von wahrscheinlich gegen 70 Personen für eine Stimmung heraufbeschwören kann. Und wenn die Gas geben, wenn jede einzelne Fidel fidelt wie wild, jeder Bläser bläst bis zum beinahe Bersten der Lungen, wenn die Perkussionisten auf ihre Trommeln hämmern, dass es einem durch Mark und Bein geht und der Dirigent vorne auf seinem Podest abzuheben droht, dann wird einem ganz anders.
Das ist Musik!
Ich könnte stundenlang so einem Orchester zuschauen, wie es funktioniert, was jeder macht, wie er es macht, nie satt sehen kann ich mich da und wenn die Augen müde werden vom beobachten, ist es genau so schön diese zu schliessen und nur noch der Musik zu hören.

Bitte entschuldigt, ich hab mich gehen lassen.
Etwas möchte ich aber gerne einmal erklärt bekommen, falls es jemand von euch weiss.
Diejenigen an den Trommeln, sie waren nicht komplett ausgelastet sage ich mal, so zwischendurch mussten sie mal das Fell (oder was für ein Belag es auch immer ist) ein wenig streicheln oder antüpfen. Aber ihre Hauptarbeit bestand vorallem darin, so jedenfalls kam es mir vor, nach jedem Ton an der Trommel zu lauschen. Ganz intensiv!
Wieso?
Damit diese nicht mehr schwingt?
Oder ob sie noch richitg gestummen ist?
Oder haben sie doch allesamt ihren Hotelschlüssel in den Trommeln verloren?

Samstag, 19. September 2009

Attention to detail

Peking rüstet sich!
Ja Peking rüstet sich für den National Day.

Wie glaube ich schon erwähnt, wird seit ein paar Wochen geprobt, getestet, ausprobiert, geplant, dirigiert und organisiert für die besagten "National Day Parade".
So wird auch heute zum zweiten mal das ganze, inklusive Feuerwerk, durchgespielt, was natürlich zur Folge hat, dass wiederum das gesamte Stadtzentrum abgesperrt ist und mit erheblichen Verkehrsbehinderungen gerechnet werden muss.
"Stau, oder stockender Verkehr auf folgenden Strecken: 1. bis 6. Ringstrasse Peking!"
Fast täglich wird in der Zeitung "China Daily" auf der Frontseite darüber berichtet, wie die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen.


So auch dieses Bild, welches am 8. September zuvorderst anzutreffen war in der Zeitung, und welches sehr schön die Liebe zum Detail der Chinesen darstellt.
Wenn es uns auch sehr abwegig erscheinen mag, aber diese Truppenformationen und allem voram deren Synchronität sind extrem beeindruckend. Da sind die Chinesen absolute Meister darin und werden es wahrscheinlich punkto Asthetik dieser Paraden auch noch eine Weile bleiben.
Auch schön mit anzusehen ist, wie die Stadt regelrecht aufblüht in Anbetracht der Nationalfeiertage. Überall werden nun die allwelt bekannten, chinesischen Lampions aufgehängt, Fahnen in allen Farben gehievt, und geputzt was das Zeug hält.
Dies ist sowieso etwas, was man Beijing zu gute halten muss, es ist entgegen allen Annahmen und Gerüchten, und wenn man einmal die Smogbelastung ausser Acht lässt, eine sehr saubere Stadt. Vielleicht nicht gleich wie Singapore, wo man gar vom Boden der öffentlichen Toilette am Flughafen seine Röschti essen könnte, aber trotzdem in einem sehr angenehmen Rahmen.

Und zum Schluss noch etwas vom Botschafter:
Wir hatten auf der Botschaft ein Event am Donnerstag Abend. Sofern ich das richtig mitbekommen habe, war es zur Zelebration der Hotelfachfrauen- und Männer der Hotelfachschule in Lausanne, die Treffen sich scheinbar jeden Monat irgendwo in Beijing und dieses Mal war es bei uns.
Der Botschafter, übrigens ein Neuenburger und sehr erfreut über die Wahl des neuen Bundesrats aus Neuenburg, hat ein paar Flaschen Champagner offeriert.
Plötzlich wurde ich angestüpft von einer Kollegin und sie sagt mir:
"Du, ich glaube der Champagner hat zapfen."
Im gleichen Moment können wir aus dem Augenwinkel beobachten, wie der Botschafter sein Glas nimmt und es wegleert, die ganze "zapfenhaltige" Flasche gleich hinterher.
"Gäuet Herr Botschafter, dä Champagner hett zapfe gha?" fragt ihn meine Kollegin.
Der Botschafter gesellt sich zu uns:
"Ah, sie hend das gmerkt?" fragt er in seinem äusserst charmanten Schweizerdeutsch mit französischen Akzent.
Natürlich ist das nicht so einfach, bei einem edlen Tropfen, offeriert vom Botschafter, gestehen zu gehen, dass er wahrscheinlich Zapfen hat.
Darauf meinte der Botschafter dann nur:
"Wenn sie mich hätte beeindrucke wolle, denn hätte sie das müesse sage, will das sind diä sache won ich au würkli tun wärt druf leggä!
Und was isch mit öich, hend ihr no vo de alte Flasche bekomme?" fragte er mich.
Nein, ich glaube meiner habe auch Zapfen, aber ich sein nicht hundertpro sicher, meinte ich.
So nimmt der Botschafter mein Glas, riecht daran, ist sich auch nicht sicher, deutet mir mit einer Geste an, ob er probieren dürfe, ich deute ihm: klar, er nimmt einen Schluck von meinem Glas, wartet zirka zwei Sekunden und leert den Inhalt in die Büsche.
Das ist Diplomatie, ohne Umschweife und direkt.
Es wurde ein sehr lustiger Abend, sehr Alkoholhaltig, diese Serviceangestellten, sie haben einem wirklich immer schön hinter dem Rücken das Glas wieder aufgefüllt, was dann zum ersten brutalen Kater meinerseits geführt hat.
Ob es auch der letzte war?
Wohl kaum!
Aber vielleicht der letzte mit Zapfen.

Mittwoch, 16. September 2009

new zong ton in ruishi

Das schöne an anstrengenden Tagen ist ja, wenn sie mal vorbei sind.
Meiner war sehr anstrengend und er ist noch nicht vorbei.
Das hat viel damit zu tun, dass die Schweiz einen neuen Bundesrat gewählt hat, denn dies wollte hier live verfolgt werden, wofür ich irgendwie verantworlich war, was dann auch soundso geklappt hat, aber am Schluss halt doch nicht und jetzt hat der Didier seinen Schwur abgelegt und wir haben es trotzdem alle hier und da erfahren.
Verwirrt?
Yes dear, ich auch.

Und jetzt folgt noch Schule. Wie lange war ich schon nicht mehr in der Schule? 10 Jahre müssen es sein, vielleicht sogar 20, an der Auffassungsgabe gerechnet, wenn ich anfangs noch sehr aufnahmefähig war und man meinen Stand jetzt anschaut, sind es wahrscheinlich 30 Jahre.
Trotzdem, da muss ich durch. Noch viel mehr, weil ich diesbezüglich diesen Morgen einen Dämpfer erhalten habe.
Voller Elan mein neues Chinesisch etwas auszuprobieren, ging ich zu unserem Techniker, Mister Xu (schü), ein Chinese und sagte ihm:
"Woo schöö ruiischöö ren!"
Er meinte dann nur:
"Oooohh, it is not very good, but I can understand."
Ein wenig getüpft fragte ich nach:
"Okey, how do you say it then?"
Xu:
"Wuuuooooooooooo schöööööööööööö ruischööööööööööööööö ruuueeennn!"

Trotzdem, egal wie meine zukünftige chinesisch Lektion ausgehen wird, es gibt mal wieder Grund zum feiern, denn es hat sich schon erster Besuch angekündet.
Am 1. Oktober darf ich hier die schweizer Delegation Hefti und Wenger begrüssen.
Wahnsinn! Krasser als jeder Bundesrat!
Und ein schönes Beispiel davon, wie schnell ich meine Grundprinzipien über Bord werfen kann. Pffff, wieso ein halbes Jahr warten, bevor Besuch erwünscht ist.
Hüüüü, ihr seit alle eingeladen! Ab Jetzt!

(Alle Angaben in diesem Mail sind ohne Gewähr)

Sonntag, 13. September 2009

Auf der Mauer, auf der Lauer!

Gestern war ich kurz in der Schweiz.
Ich hab mir nach langer Hörpause endlich anhören dürfen wie der Held Julian den Weg Granada - Bern mit dem Fahrrad zurück gelegt hat.
Respekt!
Ich bitte euch kurz aufzustehen und für diese Meisterleistung zu applaudieren.
Bravo!
Danach haben wir noch zusammen gegessen, ich zu Abend, er irgendetwas zwischen Mittag und Abend.
Wahnsinn was die heutige Technik alles zu Stande bringt.
(Scotty, beam me up!)

Ich bin ja hier nicht gerade der Hauptsehenswürdigkeitskiller, so war ich bis jetzt noch nie in der verbotenen Stadt, oder beim Himmelstempel. Das hat zwei Gründe:
Erstens, es ist ja nicht so, dass ich stress hätte, da 4 Jahre... sie wissen schon und zweitens habe ich noch ein- zwei andere Sachen die Zeit in Anspruch nehmen. So bin ich zum Beispiel jetzt fix und fertig umgezogen, habe meine Höhle in Beschlag genommen, welche mir hoffentlich für die... sie wissen schon, so und soviel Jahre, treu bleiben wird. Neue Möbel mussten ausgesucht werden, und alte Möbel aus der Schweiz warten immernoch auf ihre Verzollung.


Trotzdem habe ich es gestern auf eines der Weltwunder geschafft. Auf die chinesische Mauer.
Als Hahn im Korb, in Begleitung von 4 des anderen Geschlechts, was gar nicht zur Freude von "Pigeon" war (Hahn, Pigeon, wer hier nicht à jour ist könnte bei diesen Textereien also noch auf Ideen kommen... aiaiai), machten wir uns in aller Früh auf hinaus aufs Land.
Bereits die Fahrt gehört mit zum Erlebnis. Da sieht man Unfälle, sitzende Hühner auf der Strasse, welche von dieser schlicht nicht mehr weichen wollen (Suizid?), geschlachtete Schafe am Strassenrand, den selbsternannten "romantischsten Garten von ganz China", trostlose Dörfer, wo man die Armut sieht und spürt, lange Strassen, der länge entlang geziert von rustikalen Verkaufsständen, unterhalten von Bauersfrauen, welche ihr Leben lang wahrscheinlich nichts anderes tun, als tagaus- tagein versuchen etwas Geld zu machen, heruntergekommene, trotzdem bewohnte Hütten, zwischendurch ein Gebäude, noch eingepackt von der Baustelle, keine Arbeiter mehr, Geld ausgegangen, Bauprojekt abgeblasen, das halb fertige Gebäude wird stehen gelassen, bis es eine Ruine und schlussendlich nichts mehr ist.
Schlicht einmal etwas anderes als der Grossstadtdschungel.
Die Mauer dann, um hundertachzig Grad ein anderer Gefühlsauslöser. So weit das Auge reicht zieht sie sich in die Länge und wir hatten Glück, das Auge reichte weiter, als das mir bis anhin bekannte Auge in China reichen kann, wir wurden von Prachtswetter förmlich erschlagen, keine Wolke trübte das blaue Himmelsbild, die Hitze war bei den Aufstiegen erdrückend und bei den Abschiegen ermutigend. Vier Stunden wanderten wir dieser Steinkerbe durch die Natur entlang.
Rauf, runter, rauf, runter.
Es mussten verschiedene Architekten am Werk gewesen sein, denn die Stufen der Steintreppen waren aber wirklich ausschliesslich, nicht eine einzige gleich hoch, oder gleich breit wie die anderen.
Das ergibt allerdings noch eine praktisches Laufmuster, sehr abwechslungsreich, so werden Knie-, Waden-, Oberschenkel- und Füddlespann-Muskeln alle mal beansprucht.
Zur Belohnung gab es zurück in Beijing eine 3 Sterne Fussmassage. Sehr interessant was man aus den Füssen alles lesen kann, für einen gelernten Masseur sind Füsse wie offene Bücher über den zu massierenden.
"Ah hier, dieser Punkt, da sind sie verpannt, sie haben diese Woche nicht gut geschlafen nicht wahr?" hiess es zur Bernerin, welche effektiv letzte Woche aus der Schweiz zurückkam und so noch vom Jetlag geplagt wurde.
Ich wurde jedenfalls meines Erachtens ziemlich grob dran genommen, und lustigerweise habe ich heute Muskelkater von der Massage und nicht vom Weltwunder. Ob das jetzt für die Masseuse spricht, oder nicht, sei dahingestellt.

Und für alle die es noch nicht wissen, aber die Mauer ist aus dem Weltall NICHT ersichtlich, dies war ein PR-Gag der Chinesen um den Tourismus zu pushen.

Donnerstag, 10. September 2009

soso lala

Meine erste Lektion "schinösisch" habe ich hinter mir. Allerdings kam ich mir da überhaupt nicht vor wie im Sprachkurs, sondern wie im Gesangsunterricht.
AAAAAAA, OOOOOOOO, WWWWUUUOOOOOOOO
So klang es praktisch zwei Stunden lang.
Geht schon in Ordnung, das gehört dazu. Alles Teil vom Programm.
Eine Rechnung geht mir allerdings nicht ganz auf, wenn die Chinesen so eine phonetische Sprache haben, dann sollten sie doch alle über das absolute Gehör verfügen?!
Wer schon einmal MTV Asia eingeschaltet hatte, oder in einer Karaoke Bar war, der weiss, dass es nur bedingt so ist.
Aber eben, auch nicht jeder Schweizer kann Jodeln, von dem her, also ganz objektiv gesehen, geht das schon in Ordnung so.
Das prägnanteste Wort gestern war "soso, lala" auf chinesisch.
Das liesst sich so an: mama huhu
(beim "h" ist ein ganz leichtes "ch" zu betonen, aber nur minim, wirklich fast unmerklich, als wäre nur so ein bisschen vom Mittagessen, vielleicht ein freches Pfefferkörnchen, im Hals hängen geblieben, will nicht verdaut werden, bleibt im Hals und bietet der Luft die da kommt ganz sanften Widerstand: "(c)h")
Wie läuft es also mit der Sprache bei mir?
mama huhu

Übrigens habe ich hier, in dieser mortzgrossen Stadt, den bisher schönsten Flecken Erde entdeckt.
Park Hyatt nennt sich der.
Wenn man rein kommt und das Fortbewegunsmittel betritt, stellt man sich auf eine lange Fahrt ein, welche aber viel kürzer ist als erwartet und so rasant von statten geht, das man kaum um den Druckausgleich drum herum kommt.
Bei der Endstation wird einem vorgeführt, wie sich die Allmächtigen über uns tagtäglich fühlen müssen.
63. Stockwerk, Rundpanorama so weit das Auge reicht.
Oder so fern es einem der Smog erlaubt.
Mit einem Drink in der Hand wird man herzlich dazu eingeladen, zuzuschauen, wie der Weihnachtsmann langsam seine Beleuchtung an die Häuser verteilt.
Ja, so kitschig ist das.
Alles andere als mama huhu!

Montag, 7. September 2009

Under Cover

Über viele Jahre hinweg, habe ich mir einen bescheidenen und mit viel Mühe erarbeiteten "Gentlemen-Standard" antrainiert.
Dazu gehört der Dame, oder je nach Hoheitsgrad auch einem Herrn, die Türe vor dem Eintreten aufzuhalten, oder zum Beispiel zu Hilfe zu eilen, bei der Verstauung von Gepäck, bevor dieses noch jemanden erschlägt, oder auch nach dem Stuhlgang eine Blick zurück in die Schüssel zu werfen und gegebenenfalls bei der Spülung etwas nachzuhelfen (mou Sam, zwüschdüre hani das auso ou gmacht!).
Allerdings ist es schwierig hier diesen Standard beizubehalten, denn die Gentlemen sind rar gesäht.
Auch wenn man einen halben Schritt hinter der vorangehenden Person läuft, dieser einer kommt es nicht in den Sinn die Tür aufzuhalten.
Dem Grossi mit dem zweieinhalb Tonnen schweren Koffer, wird nur belächelnd zugeguckt, bei deren Versuch, ihr Gepäckstück über den 3 Millimeter hohen Trottoir-Rand zu hieven.
Und von der Schüssel wollen wir gar nicht erst anfangen es uns vorzustellen, was noch alles für Überreste drin zu finden sind und aus welchem Zeitalter, ja welcher Kultur sie abstammen.
Jedenfalls habe ich ja das Privileg zu Fuss zur Arbeit gehen zu dürfen. Hierfür muss ich eine Brücke überqueren. Irgendeiner ohne Uniabschluss hat dieses Teil allerdings so erbaut, dass die Rampen um diese Brücke zu besteigen, genau so verlaufen, dass ich theoretisch zweimal die Brücke passieren müsste. Ist das logisch? Egal, schlicht und einfach suboptimal für mich (ist das ein egoisitscher Gedankengang?). So sehe ich mich jeweils gezwungen zu "bescheissen" und die Strasse auf gut Glück zu überqueren und mich auf die Insel, in der Mitte der Strasse, wo der Bus hält, zu flüchten, damit ich da auf die Brücke kommen kann.
Je nach Menschenmasse, wäre ich allerdings genau so schnell über die Rampe, denn ist die Masse dicht, gibt es kein Durchkommen mehr, und diese von allen Gentlemen-Attitüden-verlassenen Leute, käme es auch nicht in den Sinn, eine wenig Platz freizugeben, um mein Durchkommen zu vereinfachen.
Heute dann noch die hundertfache Herausforderung, es hat nämlich geregnet, und wenn es regnet hat jeder seinen Schirm geöffnet. Schirme sind hier wirklich der Renner, alle haben einen, sogar der kuhle Hip-Hop Chinese trug einen schönen, pinkigen Schirm mit herzigem Vorhangstrickmuster. Wie dem auch sei, kann ich mich glaube ich nur durch ein Wunder jetzt so glücklich schätzen, noch beide Augen im Kopf zu haben, und nicht eines davon, an einem Draht von einem dieser stylischen, für 2 Franken zu kaufenden Schirmen bambelt.


Aber ich will diesen Blog nicht negativ abschliessen, denn vielleicht und eventuell tue ich den Chinesen unrecht, denn einmal beobachtete ich eine Szene, die mein Urteil, falls ich es noch vermehrt entdecken sollte, wieder revidieren lässt.
Eine Frau mit ihrem Koffer auf der Treppe, sie schleppt ihn wirklich hinter sich her, sauschwer das Teil, sie keucht und kämpft. Da kommt ein Chinese von hinten und nimmt ohne etwas zu ihr zu sagen den Koffer. Ich hab schon gedacht, vielleicht ist es ihr Freund, der Typ aber, trägt das Gepäck bis hinunter an die Treppe und lässt in dort, so schnell er ihn aufgeschnappt hatte, auch wieder los und verschwindet genau so schweigsam wie er gekommen ist.
Vielleicht sind die Chinesen einfach nur stille Gentlemen.

Samstag, 5. September 2009

Eine feine Staubbelastung


Diese Stadt, in der ich jetzt wohne, diese Stadt, welche also auch schon bald als meine zweite Heimat gelten wird, mein zweites Zuhause, und ich von euch verlange, dass ihr diese Stadt als solche akzeptiert und hinnehmt wie sie ist, ja diese Stadt, ist nicht gerade bekannt für ihre Sauberkeit.
Richtig, wir reden hier von der Feinstaubbelastung.
Nun, es ist effektiv so, dass die Regierung hier nicht alles gerne publik macht. Gerade Dinge, welche Imageschaden verursachen könnten, werden gekonnt unterdrückt. Da es aber überall Leute gibt, die lieber selbst über sich Herr und Meister sind, kommt man, wenn man ums verrecken will, quasi immer an die gewünschten Informationen ran.
Was uns hier Wunder nimmt, ist nicht der chinesisch angegebene Wert der Feinstaubbelastung in Beijing, denn der ist kreuzverfälscht, sondern den wahren Wert. Lustigerweise kommt dieser für einmal von den "U.S. of A.".
Deren ihre Botschaft ist ein kleines Dorf, natürlich ein Hochsicherheitstrakt schlechthin, und man munkelt sogar, dass dort drin ein Starbucks vorzufinden ist. Dies kann ich allerdings sogleich wieder dementieren, denn der Verteidiguns-Attaché Assistent, ganz ein flotter Typ, bin viel mit ihm im Mittag und im Ausgang, der übrigens die deklaration UT im Militär erhalten hat, also müsst ihr euch keine Sorgen meinerseits machen, dass ich mit Bürstenschnitt und dem Komplex von vielen farbigen Nudeln an der Brust zurück kommen werde, ja dieser einer war erst gerade bei den Amis eingeladen auf der Botschaft. Kein Starbucks dort.
Wie dem auch sei, der wahre Feinstaubwert wird von den Amis geliefert. Und dieser unterscheidet sich jeweils beachtlich von dem der Chinesen.
Dieser Wert, der stündlich aktualisiert wird, ist immer noch verständlich für den Laien mit einem Wort klassiert. Dieser Wert fällt eigentlich nie unter "unhealthy", nein, mehrheitlich ist er auf "very unhealthy" unzutreffen.
Nun zum Vergleich mit der Schweiz, damit ihr euch das ein wenig besser verbildlichen könnt. Der Grenzwert in der Schweiz liegt bei 50 µg/m³, ist dieser Wert erreicht, wird, so viel ich weiss, nur noch 80Std/h auf der Autobahn gefahren.
Jetzt wenn wir hier im Bereich "unhealthy" sind, dann liegt dieser Wert um die 200 µg/m³, was ich schon ziemlich beachtlich finde.
An einem bestimmten Tag, bei der morgendlichen Konsultation der Feinstaubwerte, war die Klassierung "hazardous" nicht zu übersehen. Und wirklich, irgendwie fühlte man sich nach nur 10 Minuten an der ... ja was jetzt, "frisch" ja wohl kaum... an der "abartigen" Luft ein wenig schwindlig, was auch wieder auf Einbildung zurück zu führen sein könnte, da man ja die Klassierung "hazardous" im Kopf hat und so denkt, uiuiui, jetzt gehts mir aber, nicht an den Kragen, sondern an die Lungen.
Ja, an diesem Tag lag der Wert über 420 µg/m³ und seit her gehe ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf diese Seite der Amerikaner und füge mich dem angegebenen Wert der Chinesen.

Mittwoch, 2. September 2009

Jubiléééé

Liebe Leute, heute ist ein Feiertag.
Leider noch keiner der Sorte, wo man gleich frei hat dafür, aber trotzdem.
Es ist auch nichts wahnsinniges eigentlich, und irgendwie ist doch jeder Tag ein Feiertag. Gerade jene, die sich etwas spezielles, nur an einem speziellen Tag gönnen möchten, zum Beispiel, wenn sie auf Diät sind und sich nur noch Schokolade zu Gemüte führen, wenn es auch wirklich Grund dafür gibt, ja diese Leute sind absolute Spezialisten in Feiertagen kreieren.
"Heute habe ich gar nichts gemacht, bin richtig scheisse drauf, das ist ein Grund zum feiern!"
Wie dem auch sei (nein, ich habe nicht getrunken):
Heute ist es aufs Loch (und jetzt ist es also geschlossen) EINEN Monat her, seit ich das Vaterland verlassen habe!
Dieser Monat, Herrgott und Konfuzius, der hatte es in sich.
Und heute, zur Feier des Tages, habe ich zum ersten Mal den Botschafter getroffen, der war nämlich bis jetzt ausser Haus.
Vieles hat man mir geraten, wie ich erscheinen soll, was ich sagen soll, wenn ich mich vorstellen werde bei ihm, sprich ihn mit "Herr Botschafter" an, trage ein Hemd und trage es gebügelt, du weisst der erste Eindruck, ja und blabla, ganz schlimm, herjeh und salutieren, einfach jenseits, so dass ich wirklich ein bisschen nervös war.
Heute war es dann soweit und zum Glück kam es völlig überraschend, ich bin nämlich so quasi in den Herr Botschafter hineingelaufen. Da ich ihn noch nie gesehen habe, wusste ich auch nicht wer er ist, konnte es mir aber denken, doch bevor ich mir das gedacht hatte, hatte ich bereits nicht gleich "salü" gesagt, aber sicher nicht Herr Botschafter und stellte mich mit Vornamen vor, was ja auch nicht geht, den mit dem Botschafter ist man sietzis und bevor ich mich versah, war das Gespräch schon beendet, meine Hände schweissnass und der Herr Botschafter der einen sehr welschen, also jedenfalls bei mir einen positiven Eindruck hinterlassen hatte, schon wieder von dannen.

Umso mehr ein Grund zu feiern und als kleines "amuse oeil" an euch, habe ich Bilder bereit gestellt auf www.firstiwasblind.ch/beijing (oder über den Link rechts) damit auch ihr einen bildlichen Eindruck vom ersten Monat hier erhaschen und ernaschen könnt.
Bitte bedient euch!