Donnerstag, 28. Oktober 2010

Übers Meer zu den Onsen

Es ist immer schön mit einem Fest empfangen zu werden. Auch wenn dieses nicht einem selber gilt.
In der Stadt Naha auf der Insel Okinawa liefen wir prompt in die alljährliche Ryukyu Festivitäten hinein.
Dies brachte uns ins schwitzen. Nicht weil wir bei den vielen traditionellen Tänzen mit rhytmierten, auch nicht weil wir uns im Takt der hunderten Trommlern einmischten, sondern schlicht dem Klima wegen.Ein Katzenflugsprung von einer Stunde vom Hauptland entfernt, findet man sich mitten unter Palmen und in feuchtschwüler Umgebung wieder.
Zu Tropen gehören allerdings auch Stürme. Und so ein Sauhund von einem Typhoon wollte unbedingt auch Richtung Japan ziehen. Dieser verunmöglichte uns ein Besuch auf einer der vielen paradisischen Inseln nebenan.Als Ursprungsort von Karate, konnte sich die Windhose ihren Gurt noch so eng schnallen, einen Besuch im weltrenommierten Budokan liessen wir uns nicht verregnen.
Dies ein Ort, wo die verschiedensten Kampfsportarten trainiert werden.
Von den in dicken Rüstungen vermummten Ken Do Künstlern, über den unglaublich schnellen Kickboxer, bis zu den eleganten Karate Artisten ist alles vertreten.
So auch aufstrebende Sumo-Ringer. So fett sie auch wirken, sportlich haben die was auf dem Kasten. Und damit meine ich nicht nur die Fleischmasse. So kann fast ausnahmslos jeder Sumoringer den Spagat.

Dieses kleine Fett und Muskelpaket zur rechten übrigens gerade mal 10 Jahre alt und aktueller Titelträger seiner Altersklasse.Vom Sturm verscheucht fanden wir uns in Kobe wieder.
Vor 15 Jahre fast komplett von einem Erdbeben zerstört, eine brandneue Stadt. Mit einer 'golden gate bridge' und aufgeschüttetem Flughafen mitten im Meer.

Was auf dem Foto wirkt wie eine klaustrophobische Ausnüchterungszelle, ist in Wir
klichkeit ein Hotelzimmer.
Ein konfortables noch dazu. Mit Fernseher, Radio und Wecker ausgerüstet.
Dies war bereits das zweite dieser sogenannten 'Capsule Hotels
' das wir besucht haben. Ein Erlebniss in sich.
Diese bieten auch eine gute Gelegenheit, den Anzug tragenden Geschäftsjapaner mal anders zu sehen.Inklusive bei diesen Hotels sind nämlich immer Pyjamas. Und diese werden auch restlos von allen getragen. So ist des Abends das Hotel voll von umherwandelnden Pyjamagestalten. Im Bad, im Aufhentaltsraum, beim Manga lesen, beim Rauchen.
Wie in der Klappsmühle, nur nicht gespunnen.
Als krönender letzter Meilenstein gönnten wir uns einen Besuch im Leukerbad à la japonais.
Kinosaki heisst das Teil.
Ein pikoreskes Dörfchen in den Hügeln und am Zapfhahn zu unzähligen Onsen.
Im Bademantel und mit Holzsandalen wackelt man dort durch die Strassen und hinein in die teils kochend heissen Quellen.
Eines dieser Bäder hatte eine revolutionäre Erfindung parat. Ein 'walk in freezer'!
Quasi als Pendant zur Sauna, hat es nebenan ein eisiger Raum mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, durch den man füddleblut hindurch spaziert. Das friert bis zwischen die Arschbacken.
Nach diesen Wohltätikeiten ist es ein leichtes in eine entspannten Schlaf zu fallen.
Und in diesen hineingewiegt wir man vom geklappere
der Holzsandalen auf den Strassen.

Jetzt gibt es noch ein paar Tage Shopping in Kyoto und Osaka, bevor dann im letzteren... Nein, davon reden wir jetzt noch nicht.

Samstag, 23. Oktober 2010

Very contemporary!

Habt ihr schon mal eine fremde Welt betreten.
Ich meine so Richtig.
Mir war dieses Gefühl bis anhin nur vom Tauchen bekannt.
Bis heute...
Aber mal schön der Reihe nach, und die Reihe ist lang.
In Kyoto durften wir in einem japanische Irish Pub Federers Sieg über Djokovic miterleben. Dies wurde im kyotoner Nachtleben bis in die frühen Morgenstunden zelebriert.

Mit noch wakligen Knien der durchzechten Nacht, machten wir uns auf die Pilgerwanderund durch einige der unzähligen Tempel der Stadt.
Eindrücklich kommen sie daher. Unnachahmliche bauten von pomposen Charakter. Die jeweiligen Gärten zu den japanischen Schlössern nicht minder imposant. Man fühlt sich wie in einem Gemälde, wo jeder Farbtupfer sitzt.
Und das Sahnehäubchen auf der Baumkrone, der Bamboo-Grove. Wie in einer Märchenwelt schlendert man durch einen Bambuswald, ständig in der Erwartung gleich den Sebel zucken zu müssen, um gegen üble Samurais anzukämpfen.
Eindrucklich allerdings auch die Schar an Touristen, die leider die Spiritualität der Orte mit ihren Kameras auffressen.


Nachdem Federer dann doch nicht der war, welcher Haibau (das blaue Expo Maskottchen) in den Pokal stellen durfte, ist uns am Montag eine Peinlichkeit unterlaufen.
So paradox es klingen mag, aber wir haben uns mit dem Zug verfahren.
Dies hat dazu geführt dass wir Stunden nachdem wir in Kyoto losgefahren sind, plötzlich völlig überrascht wieder im kyotoner Bahnhof einfuhren. Ä hä.
Dies brachte jedoch schöne Nebeneffekte mit sich.
Wir besuchten ein Konzert im Café independence. Mit beschmiert und abblätternden Wänden, Gäste mit Hornbrillen ohne Gläser kombiniert mit Strickkapen, das Café ein Kunstwerk für sich und DIE entdeckung in Kyoto.Und das Konzert eine Wucht!
Eine Pianistin, begleitet von Bass, Gitarre und Schlagzeug.Lange nicht mehr, habe ich so viel Emotion bei Interpreten, wie auch als Zuschauer gespürt. War das Lied traurig, verwelkten die Artisten. Kam das Leben zurück ins Lied, erblühten sie von neuem und wir Beobachter mit ihnen.
Der Name der Band Jizue.

Nach eine Abstecher im unter die Haut gehenden Hiroshima, befolgten wir den Tipp, den wir in eben diesem Cafe independence erhielten und reisten nach Naoshima.
Eine kleine Insel, welche zur Zeit ein Kunstfestival beherbergt.
Verschiedenste Museen verteile sich auf der ganzen Insel, welche in einer halben Stunde zu durchqueren ist. Überall trifft man auf Skulpturen oder sonstig Ausgelebtes der diversen Künstler.


Das Aushängeschild des ganzen jedoch, das Chichu Art Museum.
Angekündet wurde uns die Ausstellungen als kontemporär. Als wir jedoch beim Namen Monet etwas skeptisch wurden, fragten wir nach:
Is the Exhibiton more traditional or contemporary?
Und die Antwort von einem begkifft wirkenden Museumswärter war:
Oh nono, its VERY contemporary!
Und eben dort in diesem Museum betraten wir neue Welten.

Das mir ein kalter Schauer den Rücken hinunter ziehen kann war mir bekannt von Konzerten, Filmen und geschriebenen. Bisher jedoch noch nie erlebt habe ich dies beim betreten eines Raumes. Als wir aber diesen Raum, am Boden geziehrt mit Millionen von kleinen Würfelchen, alles ganz in weiss, erhellt durch eine quadratische Spalte in der Decke, welche Tageslicht eindringen liess, barfuss betraten und vor uns dieses riesige Monet Bild erschien, war ich hin, weg und davon.
Dies zog sich durch das ganze Museum so weiter. Das Konstrukt designt von einem Japaner namens Tadao Ando, absolut einzigartig. Mit seinen Lieblingselementen Beton, Stahl, Glas und Holz gelingt es ihm ein Gebilde zu erichten, welches auf abartige Art und Weise sich perfekt in die Natur einbindet.
Googlet ihn. Googlet auch das 'Benesse House'. Ein Begriff unter Architekten und ebenfalls zu finden auf der Insel Naoshima.
Er ebenfalls der Erfinder von Steinkissen, unten in einem Loch das stylvoller nicht sein könnte.


Auch dem Meisterwerk 'No time' von Walter de Maria wird zur Zeit in diesem Museum Plattform geboten. Wie alles in diesen Räumlichkeiten auch diese Werk schlicht. Ein Raum dekoriert mit goldenen Pfeilern an den Wänden und in der Mitte eine Kugel.
Klingt plump. Aber wenn man in diesem riesen Raum steht, ist man so platt, wie von der Kugel überrollt.

Aber vorallem ist da noch 'Sky Space' von James Turrel. Der Meister des Lichts.
Bei seinem Werk steht man vor einer Treppe, die zu einem blauen Bild führt. Ungewiss steigt man diese Treppe empor und begibt sich durch den Rahmen ins Bild hinein und wird von blauem Licht verschluckt. Sureal bewegt man sich ins dieser Umgebung umher und wird plötzlich angewiesen stehen zu bleiben, sonst falle man hinunter.
Wo hinunter wurde nicht verraten. Wahrscheinlich in eine Stufe der neuen Welt, wo man danach nicht mehr hinaus findet.

Morgen geht die Reise per Flugzeug weiter auf die Insel Okinawa.

Samstag, 16. Oktober 2010

100

Der 100. Blogeintrag kommt aus Japan, gloubsch?
Ich gratuliere mir!
Viele Dank!

Nach einer tanzreichen Nacht zu Musik von weltklassen djs, die in Europa sofort zu Weltstars würden, in Tokio aber bescheiden bleiben, ging es per Shinkansen mit gegen die 300 Sachen Richtung Alpen.

Vorher zu Besuch bei Fuji welcher sich von allen Seiten von seiner Besten gezeigt hat. Da die Situation es nicht erlaubt hat ihn zu besteigen, erkundigten wir die Gegend per Fahrrad.
Mit Satteln ausschliesslich für Japaner gemacht, ging der Ausflug nicht in die Wadli, dafür umso mehr in die vernachläsigte Po-muskulatur.


Das ÖV-system japans absolut eindrücklich. Womit die schweizer Werbung machen, ist effektiv hier möglich; die eigene Uhr nach dem Fahrplan der Züge zu richten. Pingelig genau schliessen die Türen auf die Minute. Ist ein Zug 15 Sekunden zu spät, muss der Lokführer einen Rapport schreiben.

Im idylischen voralpen Kaff Takayama begann unsere Zeit der Tatamis-matten. Seit jenem Dorf haben wir auf nichts anderem mehr gepennt. Da ich privat ebenfalls im Besitz einer solchen bin, geniesse ich seither ein Schlaf wie im eigenen Bett.
In Takayama traffen wir auch auf etwas alt bewährt und bekanntes. Lauben, wie man sie sonst nur in Bern antrifft.

Yake Dake.
Was der Name meiner Ente sein könnte, ist in der Tat ein Vulkan. Der noch aktive Zuckerstock ist in Gebiergstal von Kamikochi zu Hause. Dort hat er zuletzt im Jahre 1952 gewütet. Gemäss Legende hat er alle 50 Jahre einen Wutanfall.
Jedenfalls hat er bei unserer Erklimmung aus jedem Loch gepfiffen. Wahrhaftig. Wo man zuerst dachte, da rauscht ein Wasserfall vor sich hin, stellte sich heraus, das es Schwefel war, dass druckvoll aus Löcher gedrückt wurde. Tolkiens Mordor wurde einem unweigerlich in Erinnerung gerufen.
Yake Dake jedoch blieb ruhig und liess uns die atemberaubende Aussicht auf seiner Spitze in der schreibgeschützten Erinnerung ablegen.


Nach einer Nacht in der Tatamis verzierten Alphütte sind wir, erneut per Hochgeschwindigkeitszug, über Kyoto nach Nara gereist. Eine Stadt mit bescheidenen 13 Weltkulturerben.
Eindrücklich wie sich die Tempelanlagen und Pagoden im Park perfekt in die waldige Umgebung einmischen. Als wären sie mit der Zeit ein Teil davon geworden. So wirkt auch der mächtige Buddha im grössten Holzgebäude der Welt, wie der freundliche Gastgeber von nebenan.
Und überall hat es Rehs. Wo sie bei uns schon beim Erblicken aus der Ferne scheu in die Wälder flüchten, spazieren sie in Nara gemütlich mit einem durch den Park. Daran ändern auch abertausende von Touristen nichts. Als quasi heiliges Tier Japans, laufen sie in Nara auch nicht Gefahr auf dem Teller zu landen.

Die Ente bisher auch völlig aus dem Nest. Was in Shanghai noch eine Sensation war, ist hier alltäglich. Gar das Bistro am Fusse der Alpen hat eine hochfunktionale Toilette mit heheiztem WC-Ring.
Die WC Lektüre hier für einmal nicht irgend ein Schmudelblatt, sondern die Gebrauchsanleitung fürs Plumpsklo.

Jetzt in Kyoto, wo es noch ein paar Welterben mehr zu begutachten gibt. Nur gerade deren 17.
Die Sehenswürdigkeiten hier sind kompakt, wie eine geflochtene Tatamismatratze.

Freitag, 8. Oktober 2010

Elektrisierend!

Tokio!
Schon manch einer hat wohl versucht die Stadt in einem Satz zu beschreiben. Ob es wem gelungen ist sei dahin gestellt. Eines ist sicher, mir gelingt es nicht.
Tokio hat so viele verschiedene Gesichter, wie das Meer Strömmungen.

Faszinierend die Lichterpracht in den Strassen, wie sie einem mit Neonbeschilderung berieselt.
Im Gegenzug fast schon beängstigend, wie sich Teile der Jugend in den vielen Spielhallen verschanzt um sich virtuel zu prügeln.

Kleider machen Japaner.
An die 90 Prozent der Männer stolzieren im Anzug durch die Strassen. Der Jungeselle auf dem Weg zur Arbeit, sowie der Ätti an seinem freien Tag.
Im Gegenzug tragen die Frauen zu 90 Prozent Stiefeln, und wagen dies nicht selten in ganz abgefahrenen Kombinationen zu mischen.
Pinke Socken bis zur Kniehöhle? Halb Meter Absatzschuhe mit Strapsen und Tütü?
Fällt alles kaum auf, auf dem Laufsteg Tokio.

Wo es in London nur einen piccadilly circus gibt, findet man Plätze dieser Art in Tokio an jeder zweiten Ubahn Station. Die Erlebnissdichte ist so aneinander, wie die Fische auf dem Fischmarkt.
Und für den lohnt es sich noch vor dem Gockel aus den Federn zu hüpfen.
Der Fischmarkt Tokio. Der grösste der Welt (obwohl die Chinesen sicher anderes behaupten).
Wer Zirkus und Musicals mag, wird den Fischmarkt tokios lieben. Dies eine Show, welche seines Gleichen sucht.
Das Gebrüll der Händler und das Kreischen der Fische zersagenden Sägen, machen die Musik. Die waghalsigen Fahrkünste der speziellen Lastfahrzeuge sorgeb fürs zirkusartige Spektakel.

Natürlich gibt es auch in der japanischen Metropole Bars in luftiger Höhe. So einmal mehr gefunden im Park Hyatt.
Und plötzlich ist man ganz klein, schaut auf dieses enorme Lichtermeer und fragt sich, ob der Fischmarkt wirklich genug Sashimi liefern mag, für diese enorme Masse an Menschen.

Viel philosophischere Gedanken kamen mir leider nicht. Dies könnte sich jedoch bald ändern. Denn nun sind wir in Nikko, eine Tempelhochburg nördlich der Hauptstadt.
Riechen tuts schon mal gut hier, die saftigen Tannen wecken Heimatgefühle. Mal schauen wie spektakulär es hier so ganz ohne Neon und Tütüs wird.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Übrigens...

...es waren ja noch die National Days.
Und da Shanghai so eine langweilige Stadt ist, kamen ein paar von denen dort zur Feier des Tages und der Nation und überhaupt zu Besuch.
Wir haben zelebriert, als wäre es unser eigener Nationalfeiertag. Das hat viel Aufsehen erregt und so haben wir neue Freunde gefunden.
Gleich adoptiert haben wir sie und jetzt sind wir eine Familie.


Und noch was übrigens.
Jetzt ist Japan angesagt. 4 Wochen. Zur Zeit konkret und mittendrin in Tokio.
Tokio, dessen Puls vom Lärm lebt, das Blut die Lichter sind und ihr Charakter von der abgefahrenen und schrillen Mode der Leute bestimmt wird.

Hier könnte man wahnsinnig werden.
Wahnsinnig süchtig!